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WOLFSBURG - Inmitten des neu ausgebrochenen Führungsstreits bei VW wollen Betriebsrat, Management und Kontrolleure die Beschäftigten über den weiteren Umgang mit Produktionsausfällen und Kostendruck ins Bild setzen.

04.11.2021 - 06:34:31

VW informiert Belegschaft zur Lage in Wolfsburg - Krach um Diess. Ein zuerst als große Betriebsversammlung angelegtes Treffen wird am Donnerstag (9.30 Uhr) am Stammsitz Wolfsburg wegen der angespannten Corona-Lage als kleinere "Belegschaftsinformation" organisiert. Angespannt ist die Situation auch in anderer Hinsicht: Die Querelen zwischen Vorstandschef Herbert Diess und Aufsichtsräten verschärfen sich offenkundig abermals.

hängt bereits seit einigen Wochen erneut schief. Vor allem Betriebsräte bemängeln den Kommunikationsstil von Diess und fühlen sich laufend provoziert. Unterstützter des Managers halten dagegen Weckrufe zur Kostensituation für durchaus angebracht.

Die Belegschaftsvertretung erwartet am Donnerstag auch Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, die beide im Aufsichtsratspräsidium sitzen. Diess hatte für Donnerstag erst einen Termin mit Investoren in den USA geplant, nach heftiger Kritik von Betriebsratschefin Daniela Cavallo aber sein Erscheinen in Wolfsburg angekündigt.

Inhaltlich dürfte es um die derzeitige Unterauslastung des Hauptwerks, der größten Autofabrik der Welt, und um die zeitliche Staffelung möglicher weiterer Modelle gehen. Der mächtige Betriebsrat fordert für Wolfsburg mindestens ein zusätzliches Elektroprojekt, das vor dem wohl 2026 startenden "Trinity" kommt.

Der US-Rivale Tesla steht kurz vor dem Start seiner neuen "Gigafactory" bei Berlin. Zugleich bremsen die Chipkrise und teils der schwierige Bezug von Rohstoffen die Produktion absehbar aus. Zehntausende VW-Beschäftigte müssen seit Monaten immer wieder in Kurzarbeit. 2021 könnte in Wolfsburg so wenig produziert werden wie Ende der 1950er Jahre.

Diess verlangt schon länger eine höhere Rentabilität und Produktivität. Ende 2020 wurden mit dem Betriebsrat auch weitere Schritte zu Fixkostensenkung und Personalabbau innerhalb bestehender Programme besprochen. Aufregung brachten jüngst neue Überlegungen des Vorstandsvorsitzenden in einer Aufsichtsratsrunde - die genaue Motivation und Interpretation bei der Nennung von bis zu 30 000 womöglich gefährdeten Jobs in einem "Extremszenario" blieb unklar.

Cavallo hatte sich vor allem daran gestört, dass angeblich ohne Einbindung der Mitarbeitervertretung bereits Sparkalkulationen im Top-Management zirkulierten. Das Verhältnis zwischen ihr und Diess gilt seither ebenfalls als angespannt.

Als Diess erst erklärte, der Versammlung fernzubleiben, reagierte die Betriebsratschefin in für sie ungewöhnlich scharfem Ton: "Herbert Diess zieht Investoren der Wall Street der eigenen Belegschaft vor." Das sei beispiellos in der VW-Geschichte und zeige "einmal mehr, dass der Konzernvorstandsvorsitzende selbst in dieser Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft hat. Es interessiert ihn schlicht und einfach nicht, was die Belegschaft bewegt."

Diess lenkte dann ein. Im Mitarbeiterportal von Volkswagen betonte er, der Dialog sei ihm "sehr wichtig, da vor uns gewaltige Aufgaben liegen, insbesondere an unserem Stammsitz in Wolfsburg". Zugunsten der Versammlung verschiebe er "die wichtige Reise" nach Amerika.

Die Zahlen zum dritten Quartal fielen durchwachsen aus. Der Umsatz ging um 4 Prozent auf 56,9 Milliarden Euro zurück, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 12 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die Zwischenbilanz zeigte, wie akut besonders die Lieferschwierigkeiten bei Chips aktuell sind. Die Marken VW Pkw, Seat und Skoda aus der Gruppe "Volumen" fuhren alle operative Verluste ein, die Kernsparte VW verzeichnete ein Minus von 184 Millionen Euro.

"Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass wir die Verbesserung der Produktivität im Volumenbereich jetzt konsequent vorantreiben müssen", meinte Diess. Bis 2030 will er das Stammwerk Wolfsburg fitmachen für den Wettbewerb mit Tesla, diese Herausforderung werde groß. "Sicherlich brauchen wir dazu einen Abbau von Stellen."

@ dpa.de

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