SCANIA B, SE0000308280

WOLFSBURG - Der bevorstehende Konzernumbau und Chefwechsel bei Volkswagen muss endlich einen Schritt auf die betroffenen Kunden zugehen und dafür sorgen, dass sie nicht auf den Schäden durch die Dieselmanipulation sitzen bleiben." Die EU-Kommission schlägt Regelungen für mögliche Sammelklagen von Verbrauchern gegen Großunternehmen vor.

11.04.2018 - 18:12:24

VW vor tiefgreifendem Umbau - 'Schritt auf Kunden zugehen'

Laut Aufsichtsratskreisen soll Kernmarkenchef Herbert Diess Konzernchef Matthias Müller folgen. Der vzbv-Chef betonte, nun sei es "höchste Zeit, Vertrauen zurück zu gewinnen". Kritiker hatten dem VW-Lenker wiederholt vorgeworfen, bei der Frage eventueller Entschädigungen für Besitzer manipulierter VW-Diesel in Europa kein Entgegenkommen gezeigt zu haben.

Am Dienstag hatte VW überraschend einen Umbau der Führungsetage angekündigt, die Angaben waren mit Blick auf weitere Details aber noch sehr vage geblieben. Der reguläre Vertrag des 64-jährigen Vorstandschefs Müller läuft noch bis 2020. Der frühere Porsche-Chef soll intern wegen Entscheidungsschwäche unter Druck geraten sein. Aus dem Umfeld der VW-Kontrolleure hieß es auch, sein Auftreten in Interviews und mangelnde Offenheit wären nicht gut angekommen. Der geplante Umbau soll demnach einen "Aufbruch" ermöglichen.

Der gesetzte Nachfolger Diess war früher BMW -Vorstand und ist seit dem Sommer 2015 bei VW, kurz bevor der Diesel-Abgasskandal ins Rollen kam. Der 59-Jährige galt bereits länger als "Kronprinz" Müllers. In seiner Zeit als Chef der Marke VW mit Modellen wie Golf oder Passat hat er die Effizienz der ertragsschwachen Wolfsburger verbessert.

Am Freitag düften die Aufseher auch strukturelle Fragen beschäftigen. Dies bekräftigten am Mittwoch verschiedene Quellen. Wie konkret diese schon auf der Sitzung diskutiert werden könnten, blieb aber zunächst unklar. Nach "Spiegel"-Informationen sollen vier Marken-Gruppen gebildet werden - für Volumenmodelle (VW, Skoda, Seat), die Oberklasse (Audi , Bentley), Sportwagen (Porsche, Bugatti, Lamborghini) und Nutzfahrzeuge (MAN , Scania , leichte Nutzfahrzeuge). Ein Sprecher des VW-Aufsichtsrates wollte den Bericht nicht kommentieren.

Den letzten großen Umbau hatte VW 2012 vollzogen. Damals hatte der Konzern unter anderem die Allianz der Nutzfahrzeug-Töchter vertieft, das Geschäft in China ausgebaut und Dutzende Management-Jobs neu besetzt. "Dieselgate" erhöhte den Druck, weitere Kosten einzusparen.

Was bisher - anders als in den USA - in Europa nicht möglich ist, will die EU-Kommission in Gesetzesform gegossen sehen: Sammelklagen gegen mächtige Konzerne. "In einer globalisierten Welt, in der Großunternehmen einen riesigen Vorteil gegenüber den einzelnen Verbrauchern haben, müssen wir wieder Chancengleichheit herstellen", sagte EU-Justizkommissarin Vera Jourova in Brüssel.

Der Vorschlag ist auch vor dem Hintergrund der im September 2015 bekanntgewordenen Abgasaffäre zu sehen. "Qualifizierte Institutionen" wie Verbraucherverbände könnten stellvertretend für Geschädigte gegen Firmen auf Unterlassung oder Schadenersatz klagen. Während VW in den USA schon Milliarden für Prozesse und Vergleiche mit Kunden ausgegeben hat, lehnte der Konzern ähnliche Schritte in Europa ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich skeptisch zu umfangreichen technischen Nachrüstungen von Dieselautos, um deren Schadstoffausstoß zu senken. Solche Maßnahmen seien "relativ kostenintensiv", sagte sie zum Abschluss der Kabinettsklausur in Meseberg. Merkel machte aber zugleich deutlich, die Regierung habe "ganz klare Erwartungen" an die Autoindustrie, die "erkennbar gravierende Fehler" gemacht habe. "Dafür kann weder der Kunde gerade stehen noch der Steuerzahler, sondern das muss so weit wie möglich von der Automobilindustrie wieder in Ordnung gebracht werden."

Greenpeace verlangte von Diess, im Fall eines Wechsels auf dem Chefsessel des Gesamtkonzerns den massiven Wandel in der Branche entschlossen anzunehmen. "Der kommende VW-Chef muss schnell zeigen, dass er den Konzern für die Zukunft aufstellt", meinte der Verkehrsexperte der Umweltorganisation, Benjamin Stephan, im "Handelsblatt". "Ein Enddatum für Diesel und Benziner wäre das nötige Zeichen, dass VW sich auf das Ende des Ölzeitalters einstellt."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

VW-Lastwagensparte setzt auf Kooperationen - Börsengang nur Option. Zuvor war bekanntgeworden, dass Traton einen gemeinsamen Einkauf mit dem japanischen Nutzfahrzeughersteller Hino plant. Den erwarteten Börsengang der Sparte nannte Traton-Chef Andreas Renschler nur eine von vielen Optionen. HANNOVER - Die Volkswagen mit dem chinesischen Lastwagenhersteller Sinotruk an, teilte Traton am Dienstag vor Beginn der Internationalen Automobil-Austellung (IAA) für Nutzfahrzeuge mit. (Boerse, 18.09.2018 - 20:45) weiterlesen...

VW-Lastwagensparte vereinbart Digital-Partnerschaft. Die Zusammenarbeit umfasse das Flottenmanagement, Fahrerdienste und digitale Verkaufslösungen, teilte Traton am Dienstag kurz vor Beginn der IAA-Nutzfahrzeugmesse in Hannover mit. Ziel sei, die größten Herausforderungen der Transportbranche zu lösen: Dies seien etwa der Mangel an Fahrern, Sicherheit, die Auslastung der Lastwagen und die effiziente Nutzung der Ladekapazitäten sowie vorausschauende Wartung. Zuvor hatte Traton ein neues Gemeinschaftsunternehmen in China angekündigt. HANNOVER - Auf dem Weg hin zu immer größerer Vernetzung hat die VW -Lastwagensparte Traton eine strategische Partnerschaft mit dem US-Digitaltechnikunternehmen Solera vereinbart. (Boerse, 18.09.2018 - 20:45) weiterlesen...

WDH/IPO/Chef der VW-Lastwagensparte: Börsengang nur eine Option (Wiederholung aus technischen Gründen.) (Boerse, 18.09.2018 - 15:06) weiterlesen...

Chef der VW-Lastwagensparte: Börsengang nur eine Option. Dieser sei nur eine von vielen Optionen, sagte Spartenchef Andreas Renschler am Dienstag in Hannover kurz vor Beginn der IAA-Nutzfahrzeugmesse. Noch sei über einen Börsengang nicht entschieden. Die Sparte habe alle ihre "Synergieprojekte" noch vor sich, auch Übernahmen seien nicht ausgeschlossen: "Alle Optionen auf unserem Weg zum "Global Champion" sind offen." Nicht auf der Agenda stehe eine Erhöhung des knapp 17-prozentigen Anteils an dem US-Truck-Hersteller Navistar. HANNOVER - Die Volkswagen -Lastwagensparte Traton mit MAN und Scania rückt die Erwartungen an einen baldigen Börsengang zurecht. (Boerse, 18.09.2018 - 15:04) weiterlesen...

VW-Lastwagensparte will in China schweren Lkw bauen. Geplant sei ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Marke MAN mit dem Lastwagenhersteller Sinotruk - mit dem Ziel, einen schweren MAN-Lkw für China zu entwickeln, teilte Traton am Dienstag in Hannover mit. Außerdem sollen Möglichkeiten einer Technologiekooperation etwa beim Antriebsstrang, bei den Themen Elektrifizierung und autonomes Fahren sowie bei Bussen geprüft werden. Gerade erst hatte der Volkswagen-Aufsichtsrat beschlossen, die Sparte schon bis Jahresende fit für einen Börsengang zu machen. HANNOVER - Die Volkswagen -Lastwagensparte Traton mit MAN und Scania baut ihre Partnerschaft mit der chinesischen CNHTC Group aus. (Boerse, 18.09.2018 - 14:32) weiterlesen...

IPO/VW-Lastwagensparte Traton soll rasch fit für Börsengang werden. Der Aufsichtsrat beschloss am Montag die Umwandlung der Sparte in eine europäische Aktiengesellschaft namens Traton SE, wie der Volkswagen-Konzern mitteilte. Das Team, das einen möglichen Börsengang vorbereitet, werde jetzt verstärkt, zeitnah würden Investmentbanken und Rechtsberater beauftragt. Die endgültige Entscheidung über den Börsengang werde "dann abhängig vom Marktumfeld und zum gegebenen Zeitpunkt gefällt", sagte Volkswagen-Finanzchef Frank Witter. WOLFSBURG/MÜNCHEN - Der Volkswagen -Konzern will seine Lastwagensparte mit MAN und Scania schon bis Jahresende fit für einen Börsengang machen. (Boerse, 17.09.2018 - 18:50) weiterlesen...