Immobilien, Produktion

WIESBADEN - Nach einem Rückgang der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr wächst die Sorge, dass in Deutschland auch in diesem Jahr nicht ausreichend neue Wohnungen entstehen.

18.08.2022 - 12:07:27

Weniger Baugenehmigungen - IG BAU spricht von Alarmsignal. "Wir befürchten, dass sich die ernüchternde Wohnungsbau-Bilanz 2021 von nur 293 000 fertiggestellten Wohnungen aufgrund der neuen Marktrealitäten in diesem Jahr fortsetzen wird", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, mit Blick auf gestiegene Materialkosten und höhere Zinsen. Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) sprach von einem Alarmsignal.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag sank die Zahl der Genehmigungen für den Neu- und Umbau von Wohnungen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent auf 185 772 Einheiten. In neu zu errichtenden Wohngebäuden bewilligten die Behörden 161 177 Wohnungen und damit ebenfalls 2,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Einfamilienhäusern gab es einen deutlichen Rückgang um 17,0 Prozent auf 41 765. Die Zahl der bewilligten Wohnungen in Zweifamilienhäusern stieg leicht um 1,6 Prozent auf 16 622. Bei Mehrfamilienhäusern gab es ein Plus von 7,8 Prozent auf 99 755 Wohnungen.

Die Baugenehmigungen entsprechen nicht unbedingt der Zahl der Fertigstellungen. So werden bewilligte Wohnungen zunächst häufig nicht gebaut, weil Handwerker und Baufirmen keine Kapazitäten haben. Die Zahl der Genehmigungen ist aber ein wichtiger Indikator für den Wohnungsmarkt. "Die Nachfrage nach Wohnungen ist rückläufig, obwohl der Bedarf - gerade an bezahlbarem Wohnraum - weiterhin hoch ist", erläuterte Müller. Grund dafür seien die seit Beginn des Ukraine-Krieges explodierenden Rohstoffpreise sowie die höheren Zinsen. Die hohen Preise könnten sich viele private Bauherren nicht mehr leisten. "Es werden auch einige Immobilieninvestoren Wohnungsbauprojekte zurückstellen oder im schlimmsten Fall stornieren, weil sie sich nicht mehr rechnen."

Nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft müssen in Deutschland jährlich 350 000 bis 400 000 Wohnungen fertig werden, um die Nachfrage nach Immobilien zu stillen und die Wohnungsnot in Städten zu bekämpfen. Die Bundesregierung hat sich zudem das Ziel gesetzt, für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen.

"Vor allem bei den Sozialwohnungen und bei bezahlbaren Wohnungen gibt es in weiten Teilen Deutschlands einen erheblichen Mangel", sagte IG BAU-Chef Robert Feiger. Er forderte Alternativen zum Neubau. "Konkret geht es darum, den Umbau und die Dachaufstockung voranzubringen - mit einem Baurecht, das dies ermöglicht und nicht erschwert." Allein durch den Umbau von Büros, die durch das Homeoffice nicht mehr gebraucht würden, könnten bis zu 1,9 Millionen neue Wohnungen entstehen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Immobilienverband verzeichnet Rekord-Preissprünge Die Immobilienpreise in Deutschland ziehen trotz hoher Bauzinsen, teurer Baumaterialien und hoher Energiekosten im Rekordtempo an. (Wirtschaft, 24.09.2022 - 01:04) weiterlesen...

Vonovia will alternative Finanzquellen erschließen - Externe Investoren gesucht. "Die alte Art der Akquisitionsfinanzierung, also Ausgabe neuer Aktien, verbietet sich bei dem niedrigen Aktienkurs", sagte Konzernchef Rolf Buch der "Börsen-Zeitung" (Samstag). An den Beständen in Schweden und Baden-Württemberg sollen Partner beteiligt werden. Die Info-Memos würden jetzt mit vorselektierten Kandidaten diskutiert, aber es sei offen, ob und wann es zu einer Transaktion komme, sagte Buch dem Blatt. FRANKFURT - Der Wohnungskonzern Vonovia will sein Wachstum künftig auch durch externe Investoren finanzieren. (Boerse, 23.09.2022 - 22:44) weiterlesen...

CONSUS Real Estate AG: Wertberichtigung aufgrund angepasster Geschäftsplanung und verändertem Marktumfeld. CONSUS Real Estate AG: Wertberichtigung aufgrund angepasster Geschäftsplanung und verändertem Marktumfeld CONSUS Real Estate AG: Wertberichtigung aufgrund angepasster Geschäftsplanung und verändertem Marktumfeld (Boerse, 23.09.2022 - 21:45) weiterlesen...

Bund und Länder halten am Ziel von 400 000 neuen Wohnungen fest. "Das Ziel ist das Ziel. Und das Ziel ist ja keine politische Erfindung, sondern abgeleitet vom Bedarf", sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) am Freitag nach der zweitägigen Bauministerkonferenz in Stuttgart. Zuvor hatten Vertreter von Industrie und Gewerkschaften Zweifel an den Plänen angemeldet. STUTTGART - Trotz dunkler Vorzeichen in der Baubranche wollen Bund und Länder am Ziel von 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr festhalten. (Boerse, 23.09.2022 - 16:57) weiterlesen...

Union sieht Defizite bei Aufteilung von CO2-Kosten beim Wohnen. Die Regelung sei für die Vermieter "bürokratischer Wahnsinn" und außerdem nicht fair, sagte der Abgeordnete Ulrich Lange am Freitag bei der ersten Debatte zum Thema im Parlament. "Wird mehr geheizt, auch bei offenem Fenster, übernimmt der Vermieter den höheren Anteil an den CO2-Kosten", bemängelte er. Da fehle der Anreiz zum Energiesparen. Außerdem spiele die Bundesregierung Mieter gegen Vermieter aus. BERLIN - Die Union hat im Bundestag deutliche Defizite bei der geplanten Aufteilung des CO2-Preises bei den Heizkosten zwischen Vermieter und Mieter kritisiert. (Boerse, 23.09.2022 - 16:23) weiterlesen...

Länderminister: Bund soll Kosten für Wohngeldreform übernehmen. Die geplanten Erhöhungen beim Wohngeld und die Ausweitung des Empfängerkreises führten zu Mehrkosten von vier Milliarden Euro, machten die Bauminister der Länder am Freitag bei einer Konferenz in Stuttgart klar. Derzeit teilten sich Bund und Länder die Kosten für das Wohngeld. Künftig sei aber anzustreben, dass der Bund die kompletten Kosten übernehme, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Ressortchefs. STUTTGART - Bei der Finanzierung der Wohngeldreform im Zuge des dritten Entlastungspakets sehen die Länder den Bund in der Verantwortung. (Boerse, 23.09.2022 - 15:18) weiterlesen...