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AAREAL BANK AG, DE0005408116

WIESBADEN - Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank wähnt nach roten Zahlen im Corona-Jahr 2020 das Schlimmste überstanden.

24.02.2021 - 10:39:30

Aareal Bank erwartet nach Verlustjahr wieder klar schwarze Zahlen. Für 2021 peilt Finanzvorstand Marc Heß einen Betriebsgewinn von 100 bis 175 Millionen Euro an, wie das Geldhaus am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Für die Bank dürfte die Krise jedoch nicht zu Ende sein. So rechnet der Vorstand auch 2021 mit einer überdurchschnittlich hohen Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Schließlich finanziert die Bank neben Bürogebäuden viele Hotels und Einkaufszentren, deren Geschäft infolge der Lockdowns in vielen Ländern seit Monaten brachliegt.

An der Börse sorgten die Nachrichten für keine klare Reaktion. Der Kurs der Aareal-Bank-Aktie pendelte in der ersten Handelsstunde zwischen der Gewinn- und der Verlustzone. Zuletzt lag sie mit rund 2 Prozent im Plus bei 19,50 Euro. Ein Aktienhändler äußerte sich zwar enttäuscht über die Aussagen des Vorstands zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. "Die Aussicht auf eine Dividende für 2020 von 1,50 Euro nach einer Nullrunde zuvor dürfte die Papiere aber stabilisieren", sagte er. Seit die Corona-Krise vor rund einem Jahr auf die Finanzmärkte durchgeschlagen hat, hat die Aareal-Aktie knapp 40 Prozent an Wert verloren.

In der Corona-Krise musste die Aareal-Führung ihre Gewinnprognosen für 2020 gleich mehrfach zusammenstreichen. Hatte der Vorstand anfangs noch ein Betriebsergebnis auf dem Niveau der 248 Millionen Euro von 2019 in Aussicht gestellt, schraubte er die Erwartungen mit der Verschärfung der Lockdowns immer weiter herunter - bis er Mitte Januar sogar einen Betriebsverlust in zweistelliger Millionenhöhe ankündigte.

Letztlich fiel das Minus mit 75 Millionen Euro sogar noch höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet. Auf die Aktionäre entfiel unter dem Strich ein Verlust von 90 Millionen Euro nach einem Gewinn von 145 Millionen im Vorjahr. Hauptursache war die Risikovorsorge für gefährdete Kredite. Allein im vierten Quartal legte die Bank dafür 177 Millionen Euro zurück. Im Gesamtjahr waren es damit 344 Millionen Euro, fast viermal so viel wie 2019.

Dass die Aareal Bank mit 7,2 Milliarden Euro weniger Neugeschäft zeichnete als im Vorjahr und auch der Zinsüberschuss zurückging, hatte im Vergleich zu der erhöhten Risikovorsorge eher kleine Auswirkungen aufs Ergebnis.

Finanzchef Heß hofft, dass die Bank das Schlimmste aus der Krise jetzt hinter sich hat. "Wir haben im Jahresabschluss 2020 alle heute erkennbaren Covid-19-Risiken umfassend verarbeitet", sagte er. Zudem hatte sich das Institut schon vor der Krise von vielen gefährdeten Krediten etwa in Italien getrennt.

Der Vorstand rechnet in diesem Jahr mit dem Beginn einer wirtschaftlichen Erholung, die sich danach immer mehr verstärkt. Das Management will die dann entstehenden Geschäftschancen für die Bank nutzen und mit internen Verbesserungen den Betriebsgewinn bis zum Jahr 2023 auf etwa 300 Millionen Euro nach oben treiben.

Zunächst bleibt die Krise aber allgegenwärtig. So rechnet die Aareal-Führung auch für 2021 mit einer überdurchschnittlich hohen Risikovorsorge von 125 bis 200 Millionen Euro. Im Jahr vor der Virus-Krise hatte die Bank nur 90 Millionen Euro für gefährdete Kredite zurückgelegt. Die Spanne der Prognose sei wegen der Unsicherheit rund um den weiteren Verlauf der Pandemie recht groß, hieß es. Gleiches gelte daher für das Ziel des Betriebsgewinns im laufenden Jahr.

Während der Pandemie hat sich Aareal Bank verstärkt auf die Finanzierung von Immobilien der Logistikbranche verlegt, die ganz im Gegensatz zu Hotels und Einkaufszentren zuletzt einen Boom erlebte. Deren Anteil am Neugeschäft der Bank stieg 2020 von knapp 10 Prozent auf 26,5 Prozent. Der Anteil der Büroimmobilien ging hingegen von fast 50 auf gut 36 Prozent zurück. Für 2021 peilt der Vorstand bei den strukturierten Immobilienfinanzierungen ein Neugeschäft zwischen 7 und 8 Milliarden Euro an. Durch den wachsenden Kreditbestand soll auch der Zinsüberschuss wieder wachsen.

Ihren Aktionären will die Aareal-Bank für 2020 wenigstens wieder eine Dividende zahlen, nachdem sich das Institut vergangenes Jahr dem Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) gebeugt und die Ausschüttung für 2019 gestrichen hatte. Diesmal sollen die Anteilseigner eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie erhalten. Wegen der Vorgaben der EZB soll die Hauptversammlung am 18. Mai aber nur über Ausschüttung von 40 Cent entscheiden. Die restlichen 1,10 Euro soll es erst geben, sofern die Aufsichtsbehörde die derzeitigen Beschränkungen im Herbst aufhebt.

@ dpa.de