Einzelhandel, Konsumgüter

WIEFELSTEDE - Rund ein Jahr nach den Bauernprotesten vor Zentrallagern der Lebensmittelketten haben Landwirte in Niedersachsen erneut demonstriert.

18.11.2021 - 17:48:04

Wieder Bauernproteste vor Lebensmittellager. In Wiefelstede (Landkreis Ammerland) versammelten sich am Donnerstag Landwirte vor einem Lager der Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover.

Vielen Betrieben gehe die Luft aus, hieß es von den Organisatoren. Sie forderten die Supermarktkonzerne auf, wieder den Dialog mit den Landwirten aufzunehmen. Die in Aussicht gestellten Dreiecksverträge mit Handel und Verarbeitern zu mindestens kostendeckenden Preisen müssten vom 1. Januar 2022 an in Kraft sein, sagte Peter Guhl von der Bundesvertretung der Freien Bauern.

Nach den Bauernprotesten gegen die Preisgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel im vergangenen Winter hatten sich Supermarktkonzerne und die protestierenden Landwirte zu einem mehrere Monate dauernden Agrardialog getroffen. Nun werfen sich beide Seiten gegenseitig vor, den Dialog nicht fortsetzen zu wollen.

Der Handel wolle nicht nur mit den Gruppen von Land schafft Verbindung und von den Freien Bauern sprechen, sondern ein Gesprächsformat mit alle Beteiligten der Branche führen, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels. Dazu gehöre auch der Deutsche Bauernverband und der Raiffeisenverband, aber auch Molkereien und Schlachtereien. Deshalb sei dafür die Plattform "Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft" gegründet worden.

Der Dialog zwischen den Lebensmittelhandel und der Landwirtschaft werde natürlich fortgesetzt, sagte eine Sprecherin von Edeka Minden-Hannover. Die Proteste könne das Unternehmen nicht nachvollziehen. "Wir bedauern, dass einzelne Gruppierungen diesen Dialog nun abbrechen und auf Konfrontation setzen", sagte sie.

Der niedersächsische Sprecher von Land schafft Verbindung, Anthony Lee, sagte, die Landwirte hätten die Gespräche nicht abgebrochen. Es sei ihnen seitens des Lebensmittelhandels mitgeteilt worden, dass die Gespräche zum Ende des Jahres beendet werden sollten. Stattdessen solle das neue Gesprächsformat kommen. "Das sehen wir nicht ein, weil wir ein funktionierendes Gesprächsformat hatten", sagte Lee. Von beiden Seiten sei stets kommuniziert worden, dass dieser auch sehr gut laufe. Eigentlich habe es bis Oktober Ergebnisse geben sollen. "Ich bin der vollsten Überzeugung, dass es nur darum geht, Zeit zu schinden und das Weihnachtsgeschäft ganz entspannt einzufahren und da gut Umsatz zu machen."

Die Zeit hätten die Landwirte wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage aber nicht, sagte Lee. Viele Betriebe stünden vor dem Aus. Guhl sprach davon, dass sich die Handelskonzerne auf der Zielgeraden der Gespräche in eine "bequeme Kungelrunde mit Bauernverband und Ernährungsindustrie" verabschiedet hätten. Das sei ein "Schlag ins Gesicht aller fleißigen und ehrlichen Landwirte." Die Landwirte wollten sich mit dem Protest gegen ein "Kartell der Monopolisten" wehren.

Angesichts der Bauernproteste rief Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast zu einem gesellschaftlichen Dialog mit den Landwirten auf. "Es sollen sich alle beteiligen", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Ihrer Ansicht nach sind die Bauernproteste Ausdruck wachsender Ansprüche an die Landwirte.

Die Demonstration in Wiefelstede ist bis zum 24. Dezember angemeldet worden, sagte Lee. Seinen Angaben zufolge waren am Donnerstagnachmittag mindestens 200 Traktoren zu dem Lager gekommen. Der Kreisverwaltung zufolge kam es zu erheblichen Verkehrseinschränkungen.

@ dpa.de

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