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Ernährung, Produktion

WACHTBERG - Der Regen hat ihre Ernte vermasselt: Deutschlands Imker haben in diesem Jahr deutlich weniger Honig eingeholt als in den Vorjahren.

12.10.2021 - 06:33:26

Zu viel Regen bei der Nektarsuche: Honigernte fällt mickrig aus. Im Schnitt brachte es jedes Bienenvolk auf insgesamt 28,3 Kilo und damit 5,5 Kilo weniger als im Gesamtjahr 2020, wie der Deutsche Imkerbund am Dienstag in Wachtberg mitteilte. Verglichen mit 2019 waren die Einbußen ähnlich hoch und im Vergleich zu 2018 war es sogar ein Minus von 10,5 Kilo. Die Ernte teilt sich dieses Jahr auf 15,4 Kilo Frühtracht und 12,9 Kilo Sommertracht auf - beide Werte sind sehr niedrig. "In den meisten Regionen war es ein mageres Erntejahr", sagt Imkerbund-Präsident Torsten Ellmann.

Grund dafür war vor allem das schlechte Wetter: "Es war vielerorts zu kühl und zu nass. Die Bienen sind wenig ausgeflogen und haben die geringen Mengen an eingetragenem Nektar dringend selbst benötigt", sagt Ellmann. Regional gab es aber Unterschiede: Die Ernte im Norden und Osten war besser als im Süden und Westen Deutschlands. In seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern sei das Wetter im Juni und Juli gut und die Ernte gar nicht so schlecht gewesen. In Baden-Württemberg habe es hingegen herbe Rückschläge gegeben. "Die Tannentracht ist fast vollständig ausgefallen." Bei Tannentracht sammeln die Bienen keinen Nektar, sondern Honigtau, der an Tannen oder Fichten entsteht - Läuse holen Pflanzensaft aus den Nadeln und scheiden den süßen Saft dann aus. Bei Regen allerdings werden viele Läuse weggespült und es gibt weniger Honigtau für die Bienen.

Die Erntezahlen stammen von der zweimal im Jahr durchgeführten Umfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen. An der Abfrage zur diesjährigen Frühjahrstracht nahmen 10 066 Imkereien teil und an der Abfrage die Sommertracht 9080.

Der Ernte-Durchschnitt bezieht sich auf die Umfragemeldungen von Imkereien, die Honig geerntet haben. Viele Imker verzichteten in diesem Jahr aber auf die Ernte und ließen den Honig stattdessen im Stock, damit sich die Bienenvölker ausreichend selbst versorgen konnten. So holte im Frühjahr 2021 jeder zweite Imker (52 Prozent) keinen Honig ein und im Sommer etwa jeder sechste (18 Prozent). Im Vorjahr lagen die Verzichtswerte mit 11 Prozent bei der Frühtracht und 9 Prozent bei der Sommertracht deutlich niedriger.

Imker, die nicht geerntet haben, nahmen dennoch an der Umfrage teil. Rechnet man ihre Null-Kilo-Ernte-Meldungen hinzu, so würde der Durchschnittswert pro Volk von 30,7 Kilo im Jahr 2020 auf 18 Kilo im Jahr 2021 absacken - der Vergleich beider Werte verdeutlicht die heftigen Folgen des schlechten Wetters in diesem Jahr.

Auf Wochenmärkten und in Verkaufsläden könnte es wesentlich weniger deutschen Honig aus diesjähriger Tracht geben als zuvor. Allerdings sind die meisten Bienenhalter Freizeitimker, die Honig für den Eigenverbrauch und als Geschenke an Freunde und Verwandte nutzen - einen Erntewert für den Honig, der im kommerziellen Verkauf landet, gibt es in der Umfrage nicht.

Problematisch ist möglicherweise auch der Wassergehalt: Der lag im Sommer bei durchschnittlich 17,8 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor, im Frühjahr hatte es ebenfalls einen Anstieg gegeben. Der Maximalwert des Deutschen Imkerbundes mit seinen strengen Qualitätskriterien liegt bei 18 Prozent. "Wegen der Feuchtigkeit konnten die Bienen den Nektar in diesem Jahr nicht gut eindicken", sagt Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei. "Daher ist mancher Honig in einigen Gegenden wegen des hohen Wassergehalts nicht so lang haltbar wie sonst." Das bedeutet: Einige Imker dürften ihren süßen Saft nicht als "Echten Deutschen Honig" nach den Richtlinien des Imkerbundes labeln. Verkaufen dürfen sie ihn trotzdem, weil die gesetzliche Grenze bei 21 Prozent liegt und damit weniger streng ist.

Etwa 30 Prozent des Honigkonsums in Deutschland werden über die heimische Erzeugung gedeckt, 70 Prozent des Honigs kommen aus dem Ausland. Zur Preisentwicklung in diesem Jahr äußert sich der Deutsche Imkerbund nicht. "Wir hoffen natürlich auf einen angemessenen Preis, damit die Arbeit der deutschen Imker honoriert wird", sagt Imkerbund-Präsident Ellmann. Für Imker, die die Bienenhaltung nicht nur in ihrer Freizeit, sondern als Beruf ausüben, ist die Situation schwierig. "In Bayern zum Beispiel gab es drei Jahre lang schlechte Ernten - die Lager sind teilweise leer, die finanzielle Situation ist angespannt." Es gibt weniger als Hundert Vollerwerbs-Imkereien in Deutschland und einige Hundert Nebenerwerbsimkereien.

Hinzu kommen Freizeitimker, deren Zahl steigt: Insgesamt gibt es den Angaben zufolge inzwischen rund 160 000 Imker in Deutschland und damit fünf Prozent mehr als 2020. "Immer mehr Menschen wollen sich für die Natur und die Umwelt einsetzen", sagt Ellmann. Bei vielen Imkern stehe nicht die Honigleistung im Vordergrund, sondern die Bestäubung von Pflanzen durch die Bienen. "Die Bestäubung ist enorm wichtig für die Natur - daher ist die Imkerei auch ein Beitrag für Biodiversität und Umwelt." Die Zahl der Bienenvölker stieg in diesem Jahr laut Imkerbund um vier Prozent auf rund 1,1 Millionen. "Ein schöner Zuwachs, aber immer noch viel weniger als vor 70 Jahren - da gab es über eine Million Bienenvölker mehr in Deutschland."

@ dpa.de

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