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THERMO FISHER SCIENTIFIC INC, US8835561023

VENLO / WALTHAM - Die geplante milliardenschwere Übernahme des Biotechnologie- und Gendiagnostikunternehmens Qiagen durch den US-Technologiekonzern Thermo Fisher Scientific ist geplatzt.

13.08.2020 - 16:50:28

Qiagen-Übernahme durch Thermo Fisher scheitert an Aktionären. Wie die Amerikaner am Donnerstag mitteilten, wurden nicht genügend Papiere angedient. An der Börse wurde die Nachricht positiv gewertet: Die Qiagen-Aktie legte am Nachmittag leicht zu.

Mit Auslaufen des Übernahmeangebots am 10. August war die Offerte der Amerikaner den Angaben zufolge lediglich für 47,02 Prozent des ausstehenden Qiagen-Aktienkapitals angenommen worden. Damit seien die Übernahmebedingungen nicht erfüllt und die Kauf-Vereinbarung nichtig, hieß es von Thermo Fisher. Weil der geplante Zukauf nun platzt, muss Qiagen die vereinbarte Vertragsstrafe von 95 Millionen Dollar an die Amerikaner zahlen - nach aktuellen Umrechnungskurs etwa 81 Millionen Dollar.

Qiagen teilte nach dem Scheitern des Deals mit, dass Vorstand und Aufsichtsrat die Entscheidung der Aktionäre respektierten. Der Konzern werde seine "erfolgreiche Wachstumsstrategie mit dem Ziel einer deutlichen Wertsteigerung für Aktionäre und andere Interessengruppen" fortsetzen, hieß es weiter.

Das Qiagen-Management hatte sich im März mit dem US-Laborausstatter auf die rund 10 Milliarden Euro schwere Übernahme geeinigt. Gerüchten zufolge hatten die Amerikaner bereits Ende 2019 beim MDax -Unternehmen angeklopft, doch erst beim zweiten Anlauf waren sich beide Seiten einig geworden. Doch dann folgte ein monatelanges Ringen um die Gunst der Aktionäre. Die hofften womöglich auf Besseres, nachdem Qiagen dank seiner Corona-Tests plötzlich zu den Gewinnern der Pandemie zählte und gute Quartalsergebnisse auswies.

Damit stieg der Druck auf die Amerikaner, das Angebot zu erhöhen. Doch obwohl Thermo Fisher im Juli dann tatsächlich den Deal mit einer von 39 auf 43 Euro je Aktie aufgestockten Offerte versüßte und die Annahmeschwelle von 75 auf 66,67 Prozent der Qiagen-Anteile senkte, blieben die Anleger gespalten.

In direkte Opposition zu Thermo Fisher ging der Großaktionär Davidson Kempner. Der Hedgefonds hatte noch Anfang August seinen Anteil an Qiagen von 7,3 auf 8 Prozent aufgestockt und dabei den sowohl kurz- als auch langfristig attraktiven Wert des Unternehmens hervorgehoben, wenn es auf sich allein gestellt bleibe. Nun begrüßte der Investor das Platzen des Deals: Die niedrige Annahmequote sei ein Beweis des umfassenden Vertrauens der Aktionäre in die langfristigen Aussichten von Qiagen, ließ sich der Großaktionär in einer Mitteilung zitieren.

Auch Branchenkenner reagierten positiv: Während durch die Corona-Krise die Bewertungen im Biotech-Sektor gestiegen seien, wurde Qiagens Aktienkurs nach Einschätzung von Jefferies-Analyst Peter Welford durch das Kaufangebot gebremst. Die Aktie hat vom Kurs zu Jahresbeginn bei rund 30 Euro um rund ein Drittel auf zuletzt etwa 41 Euro zugelegt. Aus fundamentaler Sicht hält Welford derzeit aber eine etwas höhere Bewertung von 44 Euro für gerechtfertigt, wie er in einer ersten Reaktion schrieb.

Denn anders als zu Beginn der Verhandlungen, als Qiagen noch mit einigen Problemen in wichtigen Geschäftsfeldern zu kämpfen hatte, ist die Ausgangslage beim Anbieter von Diagnostiktests und Laborgeräten inzwischen eine andere: Im zweiten Quartal hatte sich dank der rauschenden Nachfrage nach den Corona-Tests der operative Gewinn des Unternehmens mit operativem Sitz im nordrhein-westfälischen Hilden und Holding im niederländischen Venlo verdoppelt.

"Die Performance von Qiagen im ersten Halbjahr 2020 und die gute Prognose für das restliche Jahr und für 2021 zeigen, dass sich die Geschäftsaussichten von Qiagen erheblich verbessert haben", betonte Unternehmens-Chef Thierry Bernard laut Konzernmitteilung.

Das Unternehmen agiere aus einer Position der Stärke und verfüge über ein differenziertes Portfolio sowie eine Pipeline mit mehreren neuen Produkten, deren Markteinführung bevorstehe, hieß es weiter. Geplant sei zudem nun, die Pläne für eine vollständige Übernahme des Partners NeuMoDx, einem Diagnostikspezialisten aus den USA, weiterzuverfolgen.

@ dpa.de