Produktion, Absatz

TOULON - Im jahrelangen Rechtsstreit um minderwertige Brustimplantate hat das Handelsgericht im französischen Toulon den TÜV Rheinland zu Schadenersatz in Millionenhöhe verurteilt.

14.01.2022 - 13:42:25

Gericht verurteilt TÜV zu Schadenersatz in Brustimplantate-Skandal. Rund 1600 klagende Frauen sollen nach dem am Freitag veröffentlichten Urteil vom Vortag eine vorläufige Entschädigung von jeweils 5150 Euro erhalten, in der Summe rund 8,2 Millionen Euro. Binnen zwei Jahren soll ein Sachverständiger die Angelegenheit weiter untersuchen. Der TÜV kündigte eine Berufung gegen die Entscheidung in erster Instanz an. Der Rechtsstreit zieht sich in Frankreich seit Jahren in mehreren Verfahren durch die Instanzen - mit widersprüchlichen Ergebnissen.

Der Skandal ist eine schier unendliche Saga und wurde 2010 aufgedeckt. Der inzwischen insolvente französische Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP) hatte jahrelang billiges Industriesilikon für seine Implantate verwendet. Die reißanfälligen Implantate könnten Schätzungen zufolge weltweit bei Hunderttausenden Frauen eingesetzt worden sein - auch bei Frauen aus Deutschland. Die Opfer berichteten etwa von Silikonkissen, aus denen das Gel herausgesickert sei.

Der TÜV Rheinland hatte als unabhängiger Prüfdienstleister das Qualitätssicherungsverfahren von PIP zertifiziert - also das Qualitätssiegel vergeben. Die Klägerinnen werfen ihm deshalb Schlamperei vor. Sie argumentieren, dass der Pfusch mit überraschenden Kontrollen hätte aufgedeckt werden könnten. Das Unternehmen sieht sich dagegen selbst als Opfer der Täuschung von PIP und betont, keine Pflichten verletzt zu haben.

Nach dem jüngsten Urteil von Toulon erklärte die den TÜV vertretende Anwältin Christelle Coslin, dass der TÜV eine Haftung in der Sache von sich weise. Dem Gerichtsentscheid ständen Urteile des Gerichtshofs der Europäischen Union von 2017 und der Berufungsgerichte Versailles und Poitiers aus 2021 entgegen. "TÜV Rheinland lagen außerdem zu keinem Zeitpunkt im Rahmen seiner Tätigkeit für PIP Anhaltspunkte dafür vor, dass die Brustimplantate von PIP möglicherweise nicht konform waren." Aufgabe des TÜV sei es nach den Vorschriften nicht gewesen, einen Betrug aufzudecken.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Versuch gelungen: Webasto setzt mehr auf Bahntransport statt Lkw. Wie das Webasto-Werk in Neubrandenburg am Freitag mitteilte, wird der Transport zwischen dem Standort und zwei Lieferanten aus Süddeutschland und Tschechien nun regelmäßig mit der Bahn erfolgen. NEUBRANDENBURG - Der Autozulieferer Webasto und die Deutsche Bahn setzen nach einem erfolgreichen Pilotversuch auf den verstärkten Transport von Bauteilen für Autostandheizungen per Schiene. (Boerse, 28.01.2022 - 12:24) weiterlesen...

BMW beendet Produktion des i3 im Juni. Die Produktion in Leipzig werde Ende Juni auslaufen, sagte eine Sprecherin am Freitag in München. Mit dem elektrischen Mini und dem BMW iX1 habe der Konzern in diesem Segment neue Angebote mit großem Potenzial. Zuvor hatte die "Automobilwoche" darüber berichtet. MÜNCHEN/LEIPZIG - Zehn Jahre nach dem Start des Elektroauto-Pioniers BMW i3 stellt der Konzern den Bau des Kleinwagens jetzt ein. (Boerse, 28.01.2022 - 12:15) weiterlesen...

Chiphersteller SK Hynix rechnet mit steigender Nachfrage - Rekordumsatz. In den vergangenen Monaten litten Arbeitsspeicher-Hersteller wie SK Hynix darunter, dass ihre Kunden wegen Lieferengpässen bei anderen Halbleiterprodukten weniger produzierten. Preise für Arbeitsspeicher waren allerdings weniger stark gesunken, als von der Branche erwartet. SK Hynix ist nach Samsung der zweitgrößte Hersteller von Arbeitsspeichern weltweit. SEOUL - Der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix geht SK Hynix zudem davon aus, dass sich die Lieferengpässe der Branche im zweiten Halbjahr entspannen, wie das Management am Freitag in Seoul mitteilte. (Boerse, 28.01.2022 - 11:42) weiterlesen...

Henkel führt Konsumentengeschäfte zusammen - trüber Wachstumsausblick. So soll die Sparte für Wasch- und Reinigungsmittel mit dem Segment für Körperpflege zusammengelegt werden. Henkel will sich dabei auf die Kern- und wachstumsträchtigen Marken konzentrieren. Durch die Größenvorteile erhoffen sich die Düsseldorfer höhere Einsparungen sowie eine größere Schnelligkeit und Flexibilität durch schlankere Strukturen. Für die Aktionäre kündigte Henkel zudem ein Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro an. Der Aktienkurs brach am Freitag dennoch ein. DÜSSELDORF - Der Konsumgüter- und Klebstoffkonzern Henkel will sein Konsumentengeschäft umbauen und wettbewerbsfähiger machen. (Boerse, 28.01.2022 - 11:12) weiterlesen...

Symrise-Konkurrent Givaudan wächst stark - Margen aber unter Druck. Allerdings bekommt das Unternehmen den Druck durch höhere Rohstoffkosten zu spüren. VERNIER - Die Erholung der Luxusparfümerie sowie eine starke Nachfrage nach Erfrischungstränken und herzhaften Snacks haben Givaudan profitierte der Schweizer Hersteller von Duftstoffen und Lebensmittelzusätzen im vergangenen Jahr von den Lockerungen der Corona-Auflagen in vielen Ländern und dem anziehenden Reiseverkehr. (Boerse, 28.01.2022 - 11:06) weiterlesen...

Bundesnetzagentur stoppt Verkauf von fast 23 Millionen Produkten. Darunter waren allein 7,7 Funkkopfhörer, die unzulässigerweise auf Frequenzen arbeiteten, die für sicherheitsrelevante Dienste wie Polizei oder Feuerwehr reserviert sind, wie die Aufsichtsbehörde am Freitag mitteilte. Auch extrem billige Messgeräte und ferngesteuerte Flugdrohnen wurden millionenfach für den Verkauf gesperrt. Hier bemängelte die Netzagentur häufig fehlende CE-Kennzeichnungen oder das Fehlen von Kontaktdaten des Anbieters. BONN - Die Bundesnetzagentur hat im vergangenen Jahr den Verkauf von fast 23 Millionen verbotenen Produkten gestoppt. (Boerse, 28.01.2022 - 10:37) weiterlesen...