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STOCKDORF - Vor einem halben Jahr schaute ganz Deutschland auf Stockdorf bei München: Dort, in der Firmenzentrale des Automobilzulieferers Webasto, gab es die ersten bekannten Corona-Fälle in Deutschland.

26.07.2020 - 11:03:27

Waren eine Art Probefall. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte das Virus auf einer Dienstreise mitgebracht. Die Nachricht von ihrem positiven Test erreichte Firmenchef Holger Engelmann am Montagmorgen zu Hause, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagt.

"Montagabend hatten wir dann den ersten deutschen Mitarbeiter, der positiv getestet wurde, und am Dienstag waren es noch drei weitere. Das ging dann sehr schnell, dass wir mitten in der Corona-Pandemie waren." Doch inzwischen zieht Engelmann ein positives Fazit des Krisenmanagements.

"Ich glaube, wir haben verdammt viel richtig gemacht. Wie wir damals gehandelt haben, ist auch aus heutiger Sicht eine Blaupause, wie man Infektionsketten unterbricht", sagt Engelmann. "Wir haben schnell und transparent reagiert, haben schnell getestet und Hygienemaßnahmen eingeführt. Ich glaube, so kann man aufflackernde Ausbrüche in den Griff bekommen. Aber man braucht natürlich immer auch ein bisschen Glück."

Zwei Tage nach Bekanntwerden des ersten Falls am 27. Januar schloss Webasto seine Zentrale für zwei Wochen. Zusammen mit den staatlichen Stellen gelang es damals, den Ausbruch einzufangen. "Die Behörden haben an uns eine Art Probefall durchexerzieren können, der gut ausgegangen ist", sagt Engelmann rückblickend. "Vielleicht haben wir in Deutschland dadurch auch einen kleinen Vorsprung gehabt, bevor die richtige Welle losging."

"Schnelligkeit war und ist extrem wichtig" fasst der Manager seine Erfahrungen zusammen. Man müsse sofort Listen zusammenstellen, unmittelbar darauf testen und schnell ein Ergebnis bekommen. Nur so könne man das Virus einholen. "Da haben wir den Behörden in der Anfangsphase sicherlich auch geholfen, weil wir unser Personal zur Verfügung gestellt haben, das den Mitarbeitern hinterher telefonierte." Insgesamt bewertet er die Zusammenarbeit mit den Behörden aus heutiger Sicht als "sehr gut". Man habe gemeinschaftlich gelernt.

Die Erfahrungen haben auch Webasto selbst schon genutzt. "Wir hatten noch Fälle an unterschiedlichen Standorten: USA, Mexiko, auch Europa", sagt Engelmann. Dort habe man aber nicht schließen müssen. "Es reichte, schnell und konsequent zu reagieren, um eine weitere Ausbreitung zu unterbinden."

Den Ausbruch am Hauptsitz in Stockdorf hat Webasto laut Engelmann gut verkraftet. Wirtschaftlich habe er keine großen Auswirkungen gehabt. Und auch ein möglicher Reputationsschaden, sei am Unternehmen vorbeigegangen. "Wir hatten die Sorge, dass wir als diejenigen dastehen, die Corona nach Deutschland gebracht haben", erinnert er sich. Aber es sei gelungen, als Unternehmen gesehen zu werden, das verantwortungsvoll mit der Herausforderung umgeht.

Dennoch leidet auch Webasto unter der Corona-Pandemie. "Wirtschaftlich haben wir in den letzten Monaten massiv gespürt, dass unsere Kunden ihre Produktion eingestellt haben", sagt Engelmann. Inzwischen springe sie von Region zu Region wieder an, aber ein Umsatz-Einbruch von zwei bis vier Monaten bleibe. Das sei auch auf Jahressicht nicht mehr aufzuholen. "Langfristig werden wir über die nächsten vier, fünf Jahre niedrigere Volumina bei der weltweiten Fahrzeugproduktion haben", sagt Engelmann. "Das macht notwendige Investitionen in neue Bereiche wie die Elektromobilität schwieriger."

Dennoch ist der Manager überzeugt: "Wir werden durch diese Situation gut hindurchkommen. Sie hat sogar den Zusammenhalt in der Firma gestärkt." Auch finanziell sei Webasto so aufgestellt, dass man die Krise bewältigen könne.

Webasto stellt unter anderem Dach- und Heizsysteme für die Autoindustrie her. Zudem setzt das Unternehmen auf Batterien und Ladesysteme für die Elektromobilität. Weltweit hat der Zulieferer rund 13 000 Mitarbeiter.

@ dpa.de

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