Transport, Verkehr

ST.

17.08.2022 - 12:31:26

Schiff blockierte Mittelrhein-Abschnitt - Pegelstände dürften steigen. GOAR/OBERWESEL - Neben dem Niedrigwasser hat ein liegengebliebenes Güterschiff den Schiffsverkehr auf dem Rhein behindert und zeitweise für eine Sperrung gesorgt. Das 190 Meter lange und fast 23 Meter breite Güterschiff blockierte seit der Nacht auf Mittwoch nach einem Maschinenschaden die Fahrrinne zwischen St. Goar und Oberwesel in Rheinland-Pfalz. Das Schubschiff mit drei Leichtern war flussaufwärts unterwegs, zunächst konnte kein Schiff mehr die Engstelle passieren, wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei mitteilte.

Im Verlauf des Vormittags wurde das Schiff schließlich weggeschleppt. Es werde von der Unglücksstelle nach Bingen gebracht, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Die Schifffahrt sollte flussaufwärts zur Mittagszeit wieder freigegeben werden. Bis Schiffe wieder rheinabwärts fahren können, dürfte es laut dem Sprecher "locker 14 Uhr werden". Hintergrund ist, dass Schiffe erst wieder flussaufwärts fahren dürfen, wenn der mit 1660 Tonnen beladene Schubverband mit Hilfe von zwei weiteren Schiffen nach Bingen gebracht worden ist. Eine frühere Freigabe des entgegenkommenden Schiffverkehrs wäre laut dem Sprecher angesichts des niedrigen Wasserstandes und der hohen Wasserverdrängung der Schiffe zu riskant.

Ob die Havarie des Güterschiffs etwas mit dem Niedrigwasser zu tun hatte, war zunächst unklar. Es sei denkbar, dass es deshalb Probleme mit den Schrauben gebe, so der Sprecher. Dies sollten Taucher klären, wenn das Schiff in Bingen angekommen sei.

Der Logistikdienstleister Contargo Rhein-Neckar im Hafen Ludwigshafen/Mannheim hatte sich schon vor dem Wegschleppen des Havaristen vorsichtig hoffnungsvoll gezeigt. "Hier sollte es sich nur um eine temporäre Sperrung handeln, also um ein paar Stunden", sagte Manager Marco Speksnijder der Deutschen Presse-Agentur. Contargo ist ein Dienstleister für Containertransport.

In Sachen Niedrigwasser ist für die nächsten Tage Entspannung in Sicht, es soll laut Deutschem Wetterdienst regnen. Am Mittwochmorgen lag der für die Rhein-Schifffahrt wichtige Pegelstand bei Kaub bei 34 Zentimetern, die Fahrrinnentiefe nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) bei 1,46 Metern. Bis Samstag könnte der Pegel einer Prognose zufolge bis auf 41 Zentimeter steigen. Der Pegelstand zeigt nicht die tatsächliche Wassertiefe an, sondern die Differenz zwischen Wasseroberfläche und sogenanntem Pegelnullpunkt. Der liegt nicht am tiefsten Punkt der Flusssohle. Wegen des seit Wochen anhaltenden Niedrigwassers können Binnenschiffer weniger Fracht an Bord befördern.

Die niedrigen Wasserstände rücken das Thema Rheinvertiefung wieder in den Fokus. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sagte im ARD-Morgenmagazin, es werde schon sehr lange darüber diskutiert. "Die Fahrrinne muss dort dringend vertieft werden, damit man auch bei niedrigem Wasserstand die Binnenschifffahrt am Laufen halten kann", meinte der FDP-Politiker. "Das wurde lange diskutiert, aber nicht umgesetzt. Und das gehen wir jetzt an." Wissing hatte sich bereits als rheinland-pfälzischer Verkehrsminister für die Rheinvertiefung zwischen St. Goar und Mainz stark gemacht. Ziel ist es, die Fahrrinne von garantierten 1,90 Metern auf durchgängig 2,10 Meter in Bezug auf einen definierten Wasserstand zu vertiefen.

Es sei "das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan mit dem höchsten Kosten-Nutzen-Verhältnis", hatte Wissing vor kurzem gesagt. Die Fertigstellung werde bis Anfang der 2030er Jahre dauern. Die Investitionen betrügen rund 180 Millionen Euro, davon entfielen etwa 40 Prozent auf ökologische Begleitmaßnahmen.

Nach Ansicht von Steffen Bauer, Chef bei HGK-Shipping, einem der führenden Binnenschifffahrtsunternehmen in Europa, sind die derzeitigen Einschränkungen in der Binnenschifffahrt, verursacht durch mangelnde Niederschläge und sinkende Pegelstände, auch eine Folge mangelnder Investitionen in die Wasserstraßen. "Wir sehen auch im System Wasserstraße in den letzten Jahren, dass die Mittel, die wir eigentlich benötigen, nicht zur Verfügung gestellt wurden", sagte der Logistikunternehmer dem Fernsehsender Phoenix. "Das hat sich in den letzten Jahren zugespitzt und wir sehen aktuell über alle Verkehrsträger, dass wir deutlich eingeschränkt operieren."

Man müsse nun zukunftsorientiert denken. "Wir sehen auch, dass wir bei der Transformation der Industrie, das heißt der Vorbereitung, wie wir die zukünftigen Verkehrsströme sicherstellen sollen, dass wir hier in den Ausbau, in die Erneuerung nach vorne investieren müssen, um neue Herausforderungen, die auf uns zukommen, auch abwickeln können."

Für die nächsten Wochen sei nun erst einmal entscheidend, dass sich die Pegelstände der Flüsse wieder erholten, ansonsten drohten Produktionsdrosselungen. "Wir haben jetzt eine sehr kritische Situation, für diese Woche haben wir die Voraussage, dass die Pegel sich leicht stabilisieren, und nicht weiter abfallen. Grundsätzlich ist aber der Monat September aus Sicht der Binnenschifffahrt immer ein Niedrigwassermonat. Das heißt, wenn diese Situation für zwei bis drei Wochen und mehr andauert, es im Süden keine signifikanten Niederschläge gibt, dann ist durchaus denkbar, dass es zu Produktionsdrosselungen und -einschränkungen kommt", so Bauer.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Finanzstaatssekretär Gatzer wird neuer Bahn-Aufsichtsratschef. Der Konzernaufsichtsrat habe den 63-jährigen Juristen am Mittwoch zum neuen Vorsitzenden gewählt, teilte die Bahn am Nachmittag mit. Seine Amtszeit laufe bis März 2025. Gatzer folgt auf Michael Odenwald, der Ende Juli von dem Amt zurückgetreten war. Gatzer ist nach Angaben der Bahn seit 2005 Staatssekretär im Finanzministerium und gehört seit 2020 dem Kontrollgremium des Unternehmens an. BERLIN - Finanzstaatssekretär Werner Gatzer wird neuer Chefkontrolleur bei der Deutschen Bahn. (Boerse, 28.09.2022 - 16:52) weiterlesen...

Fernreisen bei der Bahn werden teurer - um bis zu sieben Prozent. BERLIN - Pünktlich zum Weihnachtsverkehr erhöht die Deutsche Bahn die Preise für Fernzugreisen. Auch die Bahncards 25, 50 und 100 werden teurer, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Zuvor wurde der Aufsichtsrat über die Änderungen informiert. Demnach hebt die Bahn die sogenannten Flexpreise ab dem 11. Dezember um durchschnittlich knapp sieben Prozent an. Die Preise für die drei Bahncard-Abos, mit denen Fahrgäste pro Fahrt 25, 50 oder 100 Prozent Rabatt bekommen, steigen demnach um 4,9 Prozent. Fernreisen bei der Bahn werden teurer - um bis zu sieben Prozent (Boerse, 28.09.2022 - 16:30) weiterlesen...

Nord-Stream-1-Betreiber schließt Reparatur von Pipeline nicht aus. Es gebe Erfahrungen und Anbieter für solche Arbeiten, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Bevor ein Vorgehen festgelegt werden könne, müssten allerdings die Schäden begutachtet werden. Es gebe bisher keine Bilder der eigentlichen Lecks. Man wolle die Schäden so schnell wie möglich inspizieren, dass setze aber voraus, dass die Behören die verhängten Sperrzonen aufhöben. BORNHOLM - Der Betreiber der Pipeline Nord Stream 1 schließt eine Reparatur des beschädigten Doppelstrangs nicht aus. (Wirtschaft, 28.09.2022 - 15:55) weiterlesen...

WDH: Nord-Stream-1-Betreiber schließt Reparatur von Pipeline nicht aus. (Wiederholung: Tippfehler am Ende des ersten Absatzes behoben - "das" und "Behörden".) WDH: Nord-Stream-1-Betreiber schließt Reparatur von Pipeline nicht aus (Wirtschaft, 28.09.2022 - 14:39) weiterlesen...

Deutsche Bahn erhöht Preise im Fernverkehr um fast fünf Prozent. BERLIN - Bahnreisen im Fernverkehr werden ab Mitte Dezember um durchschnittlich fast fünf Prozent teurer. Betroffen sind auch die Preise für die Bahncards 25, 50 und 100, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Zuvor wurde der Aufsichtsrat über die Änderungen informiert. Demnach hebt die Bahn die sogenannten Flexpreise ab dem 11. Dezember um durchschnittlich knapp sieben Prozent an. Die Preise für die drei Bahncard-Abos, mit denen Fahrgäste pro Fahrt 25, 50 oder 100 Prozent Rabatt bekommen, steigen demnach um 4,9 Prozent. Deutsche Bahn erhöht Preise im Fernverkehr um fast fünf Prozent (Boerse, 28.09.2022 - 14:19) weiterlesen...

WDH/Kreise: Bahn-Aufsichtsrat tagt - Thema ist auch neuer Chefkontrolleur (Wiederholung: Im 2. (Boerse, 28.09.2022 - 14:02) weiterlesen...