Scottish Mortgage: SpaceX 21 Prozent des Portfolios
07.06.2026 - 16:24:59 | boerse-global.de
Zwei gegenläufige Kräfte zerren gerade an Scottish Mortgage. Die Portfoliobewertung steigt, weil gleich zwei Beteiligungen an die Börse drängen. Der Kurs fiel trotzdem — allein in der vergangenen Woche um 5,39 Prozent auf 17,10 Euro. Gewinnmitnahmen nach einem starken Lauf treffen auf fundamentale Neubewertungen, die noch nicht abgeschlossen sind.
Anthropic und SpaceX: Zwei IPOs, ein Trust
Den größten Impuls lieferte Anthropic. Der KI-Entwickler reichte vertraulich einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC ein — ein Schritt, der bei Scottish Mortgage sofort eine Aufwertung des Nettoinventarwerts auslöste. Die Zahlen des Unternehmens sind bemerkenswert: Im Mai 2026 schloss Anthropic eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von knapp einer Billion Dollar ab. Der annualisierte Umsatz kletterte binnen eines Jahres von einer Milliarde auf 47 Milliarden Dollar. Scottish Mortgage hält 2,6 Prozent an dem Unternehmen.
Noch gewichtiger ist SpaceX. Baillie Gifford bewertet Elon Musks Raumfahrtunternehmen mit 1,6 Billionen Dollar — auf Basis eines IPO-Ausgabepreises von 135 Dollar, der für den 12. Juni angesetzt ist. SpaceX macht inzwischen 21 Prozent des Gesamtportfolios aus. Zusammen mit ByteDance, Stripe, Anthropic und anderen nicht notierten Titeln entfallen gut 40 Prozent der Vermögenswerte auf Privatunternehmen.
Institutionelle Käufer gegen Kurzfristhändler
Mitsubishi UFJ Asset Management erhöhte seinen Stimmrechtsanteil in der abgelaufenen Woche auf über 3 Prozent — ein Signal langfristiger Überzeugung. Anfang Juni platzierte der Trust zudem eigene Aktien aus dem Bestand: 3,85 Millionen Stück zu 1.545 Pence und 2,35 Millionen Stück zu 1.516,50 Pence — beides mit Aufschlag auf den Nettoinventarwert. Die beiden Tranchen brachten zusammen rund 95 Millionen Pfund ein.
Kurzfristige Händler sehen das offenbar anders. Der Kurs liegt mit 17,10 Euro zwar noch 3,19 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,57 Euro, der als nächste Unterstützung gilt. Das Jahreshoch von 19,50 Euro markiert den nächsten Widerstand — derzeit rund 14 Prozent entfernt.
Konzentration als Risiko
Die bevorstehende SpaceX-Notierung ist kein reiner Katalysator — sie ist auch ein Stresstest. Wenn Insider-Verkaufssperren ablaufen, könnte der Kurs erheblichen Druck erfahren. Eine einzelne Beteiligung mit 21 Prozent Portfoliogewicht lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen.
Auf der Hauptversammlung am 2. Juli in Edinburgh stimmen die Aktionäre über eine Anhebung der Obergrenze für Privatmarktinvestitionen ab, die derzeit bei 30 Prozent der Gesamtanlagen liegt. Im April hatte der Trust bereits eine Ausnahmegenehmigung für zusätzliche 250 Millionen Pfund oberhalb dieser Schwelle erhalten — um bei schnellen Privatmarktdeals nicht verwässert zu werden.
Langfristig bleibt die Bilanz stark: Im Geschäftsjahr bis März 2026 stieg der Nettoinventarwert um 27,4 Prozent, das Gesamtvermögen erreichte 13,82 Milliarden Pfund. Über zehn Jahre liegt der NAV-Gesamtertrag bei 435 Prozent — gegenüber 234 Prozent für den Vergleichsindex. Am 11. Juni folgt zunächst der Ex-Dividendentag mit einer Ausschüttung von 2,97 Pence je Aktie. Einen Tag später entscheidet der SpaceX-Börsengang darüber, ob die nächste Neubewertung nach oben oder unten zeigt.
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