Produktion, Absatz

POTSDAM - Grüner Wasserstoff ist einer der großen Hoffnungsträger der Energiewende im Kampf gegen den Klimawandel.

16.11.2021 - 06:34:04

Wissenschaftler: Grüner Wasserstoff noch für viele Jahre knapp. Doch nach Einschätzung von Wissenschaftlern sollte Wasserstoff bis auf Weiteres Anwendungen vorbehalten bleiben, bei denen eine direkte Elektrifizierung mit grünem Strom nicht möglich ist - zum Beispiel in der Industrie, bei Fernflügen und im Schiffsverkehr. Grund für die Empfehlung ist die Erkenntnis, dass grüner Wasserstoff noch für viele Jahre nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen wird, wie Experten aus sechs Instituten in einem Papier für das vom Bund geförderte Kopernikus-Projekt Ariadne zeigen.

Um bis 2030 auch nur ein Prozent der Endenergienachfrage in der EU mit heimischem grünem Wasserstoff zu decken, müsse dessen Produktion um rund 70 Prozent pro Jahr von 2023 bis 2030 steigen, sagte Falko Ueckerdt vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Sie müsse ähnlich schnell wachsen wie Solarenergie und doppelt so schnell wie Windenergie - jeweils in ihren besten Zeiten.

Wasserstoff, der ausschließlich mit erneuerbarer Energie gewonnen wird, kann als Basis für Kraft- und Brennstoffe dienen, um etwa in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas abzulösen. Die Bundesregierung will deswegen den Ausbau erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne in Deutschland vorantreiben. Sie geht allerdings davon aus, dass ein großer Teil der benötigten Wasserstoff-Menge auf absehbare Zeit importiert werden wird.

Ein Knackpunkt sind aber nicht nur die noch zu knappe Solar- und Windenergie, sondern auch die Produktionsanlagen für Wasserstoff. Wasserstoff entsteht zum Beispiel durch Elektrolyse von Wasser, das in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Es seien zwar deutlich mehr Produktionsanlagen vorgesehen, sagte Ueckerdt. Allerdings gebe es für 80 Prozent der schon für 2023 angekündigten Projekte noch keine finale Investitionsentscheidung. "Wir sehen also eine Industrie, die im Grunde bereit ist, zu investieren, aber vor allen Dingen noch die politischen Rahmenbedingungen braucht, den Business Case braucht, um dann wirklich zu investieren."

Ueckerdt sieht eine große Unsicherheit, wie schnell die Produktion von Wasserstoff wachse: Es könne schneller gehen als zum Beispiel bei Solarenergie, weil etwa der große politische Wille zum Klimaschutz und das große Interesse finanzstarker Unternehmen da seien. Aber es könnte auch langsamer gehen: "Wasserstoff ist ein neuer Energieträger. Wir versuchen etwas, was nie da gewesen ist, nämlich gleichzeitig eine Nachfrage, eine Infrastruktur und ein Angebot hochzufahren. Und das braucht insbesondere bei der Infrastruktur Koordination, die dann auch zur internationalen Koordination wird." Ausdrücklich wird in dem Papier in dieser Situation empfohlen, vor allem auch den Import von grünem Wasserstoff mit Nachdruck zu entwickeln.

Positiv äußern sich die Wissenschaftler auch zu Wasserstoff, der bereits heute in größeren Mengen aus Erdgas gewonnen werden kann. "Eine "blaue Wasserstoffbrücke" könnte das Angebot klimafreundlichen Wasserstoffs erhöhen und eine frühere Transformation hin zu Wasserstoff ermöglichen", heißt es in dem Papier.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

USA verkünden diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele in China. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte am Montag in Washington, die Regierung von Präsident Joe Biden werde keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter zu den Olympischen Spielen nach China schicken. Hintergrund seien der fortdauernde "Genozid" in der autonomen Region Xinjiang und andere Menschenrechtsverletzungen. WASHINGTON - Die USA haben einen diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele in China im kommenden Jahr angekündigt. (Boerse, 06.12.2021 - 21:15) weiterlesen...

IWF-Chefin spricht sich für Reform der EU-Schuldenregeln aus. Die Fiskalregeln müssten angepasst werden, um die wirtschaftliche Realität nach der Pandemie zu reflektieren, sagte Georgiewa bei einer Pressekonferenz am Montag in Brüssel. "Die Anwendung der jetzigen Regeln würde eine unrealistisch große und kontraproduktive Belastung für einige hoch verschuldete Staaten darstellen", sagte die Ökonomin am Rande eines Treffens der Finanz- und Wirtschaftsminister der Eurozone. BRÜSSEL - Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, hat sich für eine Reform der strengen EU-Regeln für Haushaltsausgaben ausgesprochen. (Wirtschaft, 06.12.2021 - 19:58) weiterlesen...

Vor Videogipfel: USA warnen Putin vor Eskalation in Ukraine-Krise. US-Präsident Joe Biden werde seinem russischen Kollegen Wladimir Putin beim Videogipfel an diesem Dienstag deutlich machen, dass die Kosten sehr hoch ausfallen würden, "sollte Russland sich für ein solches Vorgehen entscheiden", sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter am Montag. Dann müsse Putin mit "erheblichen wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen sowohl der Europäer als auch der Vereinigten Staaten" rechnen. Biden werde in dem Gespräch aber auch betonen, dass es in der Krise einen diplomatischen Weg gebe. WASHINGTON - Die USA drohen Russland im Fall einer militärischen Eskalation im Ukraine-Konflikt mit schwerwiegenden Konsequenzen. (Wirtschaft, 06.12.2021 - 19:09) weiterlesen...

Testpflicht-Befreiung nach Booster-Impfung könnte Schule machen. Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU) kündigte nach einer Konferenz der Gesundheitsminister am Montag an, dass der Freistaat diese Möglichkeit prüfen werde. Auch der designierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) habe bei der Konferenz einen entsprechenden Hinweis gegeben. MÜNCHEN - Die Befreiung von verpflichtenden Corona-Tests für Menschen mit Booster-Impfung soll möglicherweise von bislang drei Bundesländern auf andere ausgeweitet werden. (Wirtschaft, 06.12.2021 - 18:39) weiterlesen...

Sonderlösung für Grenzpendler nach Luxemburg zunächst weiter gültig. Eine entsprechende Vereinbarung vom Oktober 2020 zwischen der Bundesrepublik und dem Großherzogtum zur Vermeidung der Doppelbesteuerung ist weiter gültig, wie das saarländische Finanzministerium in Saarbrücken am Montag mitteilte. Demnach gelten Arbeitstage, an denen Grenzpendler wegen der Corona-Pandemie von zu Hause aus arbeiten, als Arbeitstage in Luxemburg. SAARBRÜCKEN - Die steuerliche Sonderlösung für Grenzpendler nach Luxemburg bleibt vorerst bestehen. (Wirtschaft, 06.12.2021 - 18:34) weiterlesen...

New York City: Erste Impfpflicht für Angestellte der Privatwirtschaft. "Wir werden eine landesweit einmalige Maßnahme ankündigen: Unser Gesundheitsbeauftragter wird eine Impfpflicht für alle Arbeitgeber im privaten Sektor einleiten", sagte Bürgermeister Bill de Blasio am Montag dem TV-Sender MSNBC. NEW YORK - Die US-Ostküstenmetropole New York will eigenen Angaben zufolge die erste Impfpflicht des Landes für Angestellte privater Unternehmen einführen. (Wirtschaft, 06.12.2021 - 17:37) weiterlesen...