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POET: 22-Prozent-Absturz trotz 400-Millionen-Deal

17.05.2026 - 12:58:02 | boerse-global.de

POET Technologies erhält 400 Mio. Dollar durch Direktplatzierung, verliert aber durch Klagen und Auftragsstornierungen an Vertrauen. Die Aktie fällt um 22 Prozent.

POET: 22-Prozent-Absturz trotz 400-Millionen-Deal - Bild: über boerse-global.de
POET: 22-Prozent-Absturz trotz 400-Millionen-Deal - Bild: über boerse-global.de

POET Technologies bekommt frisches Geld — und verliert trotzdem massiv an Vertrauen. Der Halbleiterwert rutschte am Freitag um 22,36 Prozent auf 15,97 Dollar ab. Der Markt wägt eine große Finanzierung gegen Klagen, gestrichene Aufträge und Wechsel im Management ab.

Kapital kommt mit Nebenwirkungen

Am 15. Mai kündigte POET eine registrierte Direktplatzierung ohne Platzierungsbank an. Ein institutioneller Investor soll Einheiten zu 21,00 Dollar zeichnen; brutto wären das rund 400 Millionen Dollar.

Die Einheiten bestehen aus Stammaktien und Optionsscheinen. Geplant sind rund 19,05 Millionen Aktien sowie die gleiche Zahl an Warrants, deren Ausübungspreis bei 26,15 Dollar liegt. Bemerkenswert: Der Ausgabepreis lag über dem Schlusskurs vom Vortag von 20,57 Dollar.

Das Geld soll die Bilanz stabilisieren, Fertigungskapazitäten ausbauen und das Geschäft mit Lichtquellen beschleunigen. Der Haken liegt in der Verwässerung. Neue Aktien und Warrants schaffen finanziellen Spielraum, verschieben aber auch die künftige Gewinnbeteiligung der bestehenden Aktionäre.

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Marvell-Streit belastet die Aktie

Der Kursrutsch hat auch eine juristische Komponente. Mehrere Sammelklagen drehen sich um den Vorwurf, ein Manager habe gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung verstoßen. Im Zentrum steht die frühere Beziehung zu Marvells Celestial-AI-Einheit.

Nach den Vorwürfen soll Celestial AI sämtliche Bestellungen bei POET gestrichen haben. Das trifft den Kern der Investmentstory: POET will seine optische Halbleiterplattform kommerzialisieren, braucht dafür aber belastbare Kundenbeziehungen und verlässliche Auftragsketten.

Ein weiterer Termin hängt über dem Verfahren. Bis zum 29. Juni 2026 können Aktionäre in der US-Wertpapierklage den Status als Hauptkläger beantragen. Die Klagen betreffen auch Angaben rund um Offenlegungen und steuerliche Themen.

Zahlen zeigen frühe Phase

Der Quartalsbericht vom 14. Mai zeigt, wie jung die Kommerzialisierung noch ist. Der Umsatz stieg auf 503.389 Dollar, nach 166.760 Dollar im Vorjahreszeitraum.

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Das ist Wachstum von niedriger Basis. Der Nettoverlust lag bei 12,3 Millionen Dollar beziehungsweise 0,08 Dollar je Aktie. Analysten hatten eher mit einem Verlust zwischen 0,04 und 0,05 Dollar je Aktie gerechnet.

Parallel ordnet POET die Führung neu. Sandeep Kumar übernimmt die Rolle des Chief Operating Officer. Der langjährige Finanzchef Thomas Mika plant seinen Rückzug im Jahr 2026; der Verwaltungsrat sucht bereits nach einer Nachfolge, die auch den geplanten Umzug des Hauptsitzes in die USA begleiten soll.

Der nächste konkrete Prüfpunkt ist Montag, der 18. Mai, wenn der Abschluss der Finanzierung erwartet wird. Technisch liegt eine nahe Unterstützung um 15,53 Dollar, während die Marke von 20 Dollar zum ersten Signal für eine Stabilisierung werden könnte. Bis dahin bleibt die Aktie ein Balanceakt zwischen frischem Kapital und offenem Vertrauensschaden.

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