MORPHOSYS, DE0006632003

PLANEGG - Das deutsche Biotech-Unternehmen Morphosys setzt nach einem Fortschritt bei der Zulassung auf einen schnelleren US-Markteintritt seines wichtigen Krebs-Antikörpers MOR208.

24.10.2017 - 16:01:37

Neuer Antikörper könnte früher in USA starten. "Wir waren ursprünglich von einem Start im Jahr 2021 ausgegangen, nun hoffen wir auf einen früheren Zeitpunkt", sagte Finanzchef Jens Holstein am Dienstag im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX.

PLANEGG - Das deutsche Biotech-Unternehmen Morphosys setzt nach einem Fortschritt bei der Zulassung auf einen schnelleren US-Markteintritt seines wichtigen Krebs-Antikörpers MOR208. "Wir waren ursprünglich von einem Start im Jahr 2021 ausgegangen, nun hoffen wir auf einen früheren Zeitpunkt", sagte Finanzchef Jens Holstein am Dienstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. An der Börse löste die Nachricht ein Kursfeuerwerk aus. Die Aktie stieg auf den höchsten Stand seit Ende 2014.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Morphosys-Antikörper MOR208 den Status "Therapiedurchbruch" verliehen. Er wird vergeben, wenn erste klinische Daten darauf hinweisen, dass Wirkstoffe eine signifikant bessere Wirksamkeit gegenüber derzeit verfügbaren Therapien für schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen aufweisen könnten. Mit dem Status ist zudem eine Beschleunigung der Prüfungszeit für die Zulassung verbunden, die damit nur noch sechs Monate beträgt.

Für Morphosys ist es der zweite Erfolg in den USA in diesem Jahr. Im Juli hatte die FDA das Schuppenflechte-Mittel Tremfya des Lizenzpartners Janssen zugelassen, das auf Morphosys' Antikörper-Bibliothek basiert. MOR208 ist der am weitesten fortgeschrittene eigene Medikamentenkandidat. Aktuell laufen mehrere Studien mit dem Mittel.

Konkret stützt die FDA ihre Entscheidung auf eine klinische Studie der Phase II, die laut Holstein ursprünglich gar nicht für eine Zulassung gedacht war. Untersucht wird darin der Antikörper in Kombination mit dem Celgene-Krebsmedikament Lenalidomid bei bestimmten, vorwiegend älteren Blutkrebs-Patienten mit dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL). Deren Immunsystem soll durch die Therapie im Kampf gegen den Krebs aktiviert werden.

    Im Juni hatte Morphosys auf dem Asco-Krebskongress erste vielsprechende Ergebnisse vorgestellt. Das Unternehmen will im Dezember zu der Phase-II-Studie weitere Daten vorlegen. Die Regularien in den USA sehen nun vor, dass das Unternehmen bei einer Anhörung bei der FDA seinen weiteren Entwicklungsplan für das Mittel vorlegt. Dies dürfte im Januar 2018 der Fall sein, sagte der Finanzchef. Dann lasse sich abschätzen, ob die Behörde noch weitere Anpassungen am Studiendesign verlange und wann ein Marktstart grundsätzlich möglich sei.

    Angaben zum möglichen Umsatzpotenzial machte Holstein nicht - dieses sei aber "erheblich", zumal das Mittel künftig möglicherweise auch für andere benachbarte Krebserkrankungen eingesetzt werden könnte. Ob Morphosys auch in Europa ein ähnliches beschleunigtes Zulassungsverfahren beantragen werde, sei noch nicht entschieden.

Die Aktie legte am Nachmittag um fast zehn Prozent zu und stieg bis auf 80,71 Euro. Damit rückt auch wieder das Mehrjahreshoch von 88,50 Euro aus dem Dezember 2014 in die Nähe. Ihr absolutes Rekordhoch von 148,15 Euro hatten sie im Februar 2000 erreicht. Mit den Gewinnen setzt das Papier die jüngste Rally fort - alleine in diesem Jahr ging es für den Kurs um rund zwei Drittel nach oben.

Seit dem Absturz bis auf 32,90 Euro im Sommer 2016, als sich die Investoren vor allem Sorgen über zu hohe Kosten für die Entwicklung eigener Medikamente gemacht hatten, summieren sich die Gewinne auf etwas mehr als 143 Prozent. Die Morphosys-Aktie gehört damit neben Evotec zu den größten Gewinnern der jüngsten Renaissance einiger deutscher Biotechwerte. Die Evotec-Papiere stiegen in den vergangenen zwölf Monaten um fast 270 Prozent und waren damit einer der stärksten TecDax-Titel.

@ dpa.de

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