Immobilien, Finanzierung

PEKING / HONGKONG - Der hoch verschuldete chinesische Immobilienriese Evergrande will Insidern zufolge auch seine US-Dollar-Anleihen in die Umstrukturierung seiner Kreditlasten einbeziehen.

06.12.2021 - 13:06:29

Evergrande will auch Dollar-Anleihen umschulden - Kursrutsch. Diese Papiere hätten der Konzern und seine Sparte Scenery Journey ausgegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Wenn er die Zinsen für zwei Anleihen von Scenery Journey an diesem Montag nicht bezahlt, könnte Evergrande erstmals einen Zahlungsausfall am Markt auslösen. Der Kurs der Evergrande-Aktie sackte in Hongkong um rund 20 Prozent auf ein Rekordtief.

Einem Insider zufolge umfasst die vorgesehene Umschuldung auch Anleihen im Umfang von 260 Millionen US-Dollar des Gemeinschaftsunternehmens Jumbo Fortune Enterprises, für die Evergrande gebürgt hat.

Die Zentralbank führt die Probleme von Evergrande vor allem auf "Missmanagement und die halsbrecherische Expansion" zurück. Es sei ein "Einzelfall", der wenig Auswirkungen auf den Markt haben werde. Mit der Mitteilung bemühte sich die Zentralbank, die Sorgen über eine Ansteckungsgefahr, über Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und über ähnliche Praktiken anderer Immobilienkonzerne zu zerstreuen.

Evergrande selbst hatte am späten Freitagabend vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten gewarnt. Nach einer Überprüfung der Finanzmittel könne keine Garantie gegeben werden, dass die Gruppe über ausreichende Mittel verfügt, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, hieß es in einer Mitteilung.

Der Konzern steckt bereits seit Monaten in einer tiefen Krise und gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen. Evergrande muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihengläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Die Schulden werden insgesamt auf rund 300 Milliarden US-Dollar (265 Mrd Euro) beziffert. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr inzwischen um 88 Prozent gefallen.

Chinas Behörden versuchen, die Auswirkungen auf Wohnungsbesitzer oder Käufer, die Anzahlungen gemacht haben, zu reduzieren. Auch haben Angestellte und individuelle Investoren Vermögensbildungsprodukte des Unternehmens gekauft, deren Schicksal jetzt ebenfalls ungewiss ist.

Vor dem Hintergrund der Krise und dem konjunkturellen Gegenwind für die zweitgrößte Volkswirtschaft verschaffte die Zentralbank der Bankenbranche mehr Luft zum Atmen. Am Montag kündigte die Notenbank an, die Sätze für Reserven zu senken, die Geldhäuser zu Sicherheitszwecken vorhalten müssen. Der Mindestreservesatz soll per 15. Dezember um 0,5 Punkte auf 11,5 Prozent sinken. Damit würde Liquidität von etwa 1,2 Billionen Yuan (170 Milliarden Euro) freigegeben.

Wie es mit Chinas Wirtschaft im neuen Jahr vorangehen wird, steht im Mittelpunkt von länger geplanten Beratungen, zu dem das Politbüro der Kommunistischen Partei am Montag zusammenkam. Es wird damit gerechnet, dass als Ziel für das Wachstum 2022 vielleicht nur noch rund fünf Prozent oder etwas mehr angepeilt werden. Für dieses Jahr wurden noch "mehr als sechs Prozent" angestrebt.

@ dpa.de

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