Transport, Verkehr

OFFENBACH / BERLIN - Der erste Herbststurm hat in weiten Teilen Deutschlands Schäden und ein Chaos im Zugverkehr verursacht.

21.10.2021 - 18:15:30

Unfälle, Schäden, Bahnchaos. Das Sturmfeld umfasste laut Deutschem Wetterdienst (DWD) das gesamte Bundesgebiet. Starker Wind und orkanartige Böen ließen am Donnerstag zahlreiche Bäume umstürzen, sie kippten auf Schienen und Straßen. Polizei und Feuerwehren rückten zu Hunderten Einsätzen aus. In mehreren Bundesländern wurden Menschen verletzt.

So fiel in Hessen auf einer Landstraße ein Baum auf ein fahrendes Auto, der 58-jährige Fahrer wurde schwer verletzt. In Thüringen erfasste ein Ast das Auto eines Fahrers, der dann ebenfalls ins Krankenhaus musste. Ein Radfahrer in Sachsen-Anhalt wurde von einem umfallenden Baum verletzt und deswegen stationär behandelt. Ein 17-jähriger Motorradfahrer in Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls verletzt. Mehrere Menschen wurden durch umgestürzte Bäume in ihren Autos eingeklemmt.

Ein umstürzender Baum im niedersächsischen Wolfsburg verfehlte nur knapp eine 20-Jährige, die gerade aus dem Auto stieg. Ein Ast traf sie jedoch am Kopf, sie kam in eine Klinik. Eine 22-Jährige gab an, ihr Wagen sei auf der A31 von einer Windböe erfasst worden. Die Frau verlor die Kontrolle und kam von der Fahrbahn ab, ihr Auto überschlug sich und blieb auf der Fahrerseite liegen - sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

In Nordrhein-Westfalen stellte die Deutsche Bahn zeitweise den Fernverkehr ein. Erst nach mehr als drei Stunden rollten ab dem Nachmittag wieder Schnellzüge auf den wichtigen Strecken von Hamburg oder Berlin. Auch im Regionalverkehr gab es Verspätungen und Beeinträchtigungen durch Äste oder andere Gegenstände auf den Gleisen und in den Oberleitungen.

In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stellte die Deutsche Bahn zeitweise den Regionalverkehr ganz ein. Wie lange es dauern würde, bis der Schienenverkehr wieder reibungslos laufe, war laut einer DB-Mitteilung vom Nachmittag zunächst nicht absehbar. Die Bahn schaltete eine kostenlose Sonderhotline unter der Nummer 08000 996633.

Der erste Herbststurm habe insbesondere im Harz gewütet, teilte der DWD mit. Auf dem Brocken seien Windgeschwindigkeiten um die 150 Kilometer pro Stunde gemessen worden. Für einige Stunden fiel dort sogar das Messgerät aus, so dass der Wind nach DWD-Angaben vermutlich noch stärker gewesen sein dürfte. Die Harzer Schmalspurbahnen hatten den Verkehr auf der Brockenstrecke bereits am Mittwochnachmittag eingestellt.

Auch in Rheinland-Pfalz rückten Feuerwehr und Polizei zu vielen Einsätzen aus. "Die Telefone standen bei den Polizeidienststellen in der Westpfalz nicht still", teilte etwa das Polizeipräsidium in Kaiserslautern mit. Bei Kastellaun riss der Sturm ein Rotorblatt eines Windrades ab, die Polizei Mayen berichtete von einem "Trümmerfeld im Umkreis von etwa 150 Metern". Im Saarland wurden Unterführungen überflutet, in Riegelsberg deckte der Sturm ein Dach ab. "Wir haben rund um Saarbrücken große Probleme", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn.

In Brandenburg kam ein Regionalzug zum Stehen, ein Mitarbeiter habe dort Äste von den Schienen geräumt, teilte die Polizei mit. Der Mann sei dabei verletzt worden. Telefon- und Stromleitungen wurden beschädigt, in mehreren Regionen Deutschlands fiel der Strom aus. In Fulda (Hessen) lösten herumfliegende Sonnenschirme und ein weggewehtes Trampolin Polizeieinsätze aus.

In vielen Städten wie Rostock, Leipzig und Osnabrück wurden Zoos und andere Einrichtungen geschlossen, teils wegen der alten und hohen Baumbestände. Auch Parks und Gärten wie in Dresden und Friedhöfe wie in Chemnitz und Erfurt wurden sicherheitshalber gesperrt, geplante Bestattungen und Trauerfeiern fielen aus. In Köln wurde ein Teil des Dom-Vorplatzes gesperrt. "Vorsicht Steinschlag" war auf Warnschildern zu lesen.

Auch Ausflugsziele wie die Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz schlossen aus Sicherheitsgründen ihre Tore. Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald beendete alle Führungen, nachdem mehrere Bäume umgestürzt und der Strom zeitweise ausgefallen war. Wegen des Sturms warnte der Sachsenforst auch für die kommenden Tage noch vor Waldspaziergängen. "Denn das Betreten des Waldes während eines Sturmereignisses und auch danach kann lebensgefährlich sein."

Auch in den Nachbarländern Tschechien und Frankreich wütete der Sturm und sorgte für Polizeieinsätze und Zugausfälle. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Vielerorts ließ der Sturm am Donnerstagnachmittag nach. Am Abend sollte es im Norden und in der Mitte des Landes aber noch regnen und teils kräftig gewittern. In der Nacht zum Freitag sollte der Wind von Westen her weiter nachlassen, im Norden sollten laut DWD aber noch steife Böen und an den Küsten sogar schwere Sturmböen möglich sein.

@ dpa.de

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