Transport, Verkehr

MÜNSTER - Nach der Amokfahrt mit insgesamt drei Toten in Münster suchen die Ermittler weiter nach einem Motiv des Täters.

08.04.2018 - 13:58:25

Trauer und Rätseln über das Motiv nach Todesfahrt von Münster. Unter die Trauer in der Stadt mischte sich aber auch Lob - für die Bürger, die Rettungskräfte und die Medien. Die Polizei gab am Sonntag außerdem bekannt, dass sie keine weiteren Täter suche. Es gebe keine Hinweise, dass noch weitere Verdächtige an dem Verbrechen beteiligt gewesen seien - man gehe von der Tat eines Einzeltäters aus, sagte eine Polizeisprecherin. Zunächst waren die Ermittler Zeugenaussagen nachgegangen, wonach zwei Menschen aus dem Auto gesprungen und geflüchtet sein sollten.

Einige der mehr als 20 Verletzten waren zunächst weiter in Lebensgefahr. Ihr Zustand hatte sich laut Polizei über Nacht nicht verändert. Die Ermittler suchen derweil weiter nach Motiv und Hintergründen für das Verbrechen. Nach dpa-Informationen handelte es sich womöglich um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) traten am Sonntagmittag gemeinsam vor die Presse und sprachen Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Wir hoffen inständig und beten dafür, dass die Verletzten wieder gesund werden", so Seehofer. Er und NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dankten Polizei und Sicherheitskräften - und auch den Medien, die sich verantwortungsbewusst verhalten und "sachgerecht" berichtet hätten.

"Ihnen als Pressevertreter möchte ich sehr herzlich danken, dass sie die Bitte aufgenommen haben, nur das zu berichten was Fakt ist", sagte Reul. Er bekräftigte auch die bisherigen Erkenntnisse: Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe ein Einzelner gehandelt, er sei Deutscher, es gebe keinen islamistischen Hintergrund. Seehofer und Reul betonten auch, dass es nie absolute Sicherheit geben werde. "Das geht nicht. Wir können nur das Bestmögliche machen", so Reul.

Laschet lobte die Besonnenheit und Solidarität der Münsteraner nach der Tat. Es würde sich wünschen, dass "diese besondere Münsteraner Erfahrung einer Friedensstadt" auch diejenigen erreicht hätte, die "ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben." Für die Opfer sei die Religion der Täter egal, sie hätten einen Menschen verloren. "Und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben."

Die Leitende Oberstaatsanwältin von Münster, Elke Adomeit, sagte, dass der mutmaßliche Täter der Polizei bereits wegen kleinerer Delikte bekannt gewesen sei. Es habe drei Verfahren in Münster gegeben und eines in Arnsberg aus den Jahren 2015 und 2016 - sie seien alle eingestellt worden. Es ging damals um eine Bedrohung, Sachbeschädigung, eine Verkehrsunfallflucht und Betrug. Man müsse den Sachverhalt der Verfahren noch aufklären. "Aber auf den ersten Blick haben wir hier keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität, die wir bei dem Täter feststellen konnten", sagte Adomeit.

Die Polizei durchsuchte insgesamt vier Wohnungen des Amokfahrers, aus denen sich keine Hinweise auf ein politisches Tatmotiv ergaben. "Wir haben seit gestern Nachmittag in der ganzen Nacht die Wohnungen des Täters durchsucht", sagte Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. Zwei davon lägen in Ostdeutschland, zwei in Münster. "Die erste, doch schon etwas intensivere Durchsicht hat keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben." Die Ermittler gingen daher davon aus, "dass die Motive und Ursachen in dem Täter selber liegen". Das sei ein vorläufiger Stand, betonte Kuhlisch.

Um 15.27 Uhr am Samstag hatte ein Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gefahren und sich danach im Wagen erschossen. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt erläuterte: "Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster", Nach Informationen von "faz.net" stammt der Mann aus Olsberg im Sauerland. Er habe schon lange in Münster nahe dem Tatort gelebt.

Die Polizei identifizierte inzwischen auch die beiden Todesopfer. Demnach handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken. In der Uniklinik gab es außerdem mehrere Notoperationen. Insgesamt würden vier Schwerstverletzte behandelt, sagte eine Sprecherin.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Auch unmittelbar nach der Amokfahrt hatten sich die Einsatzkräfte dem Campingbus mit großer Vorsicht genähert, da Beamte Drähte sahen, die ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten.

Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hätten dann das Fahrzeug auf mögliche Gefahren ausgiebig untersucht und letztlich Entwarnung gegeben. Ermittler fanden im Wagen die Waffe, mit der sich der Täter erschossen hatte, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper.

Auch die Polizei lobte das besonnene Verhalten der Menschen. "Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen", erklärte der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer. "Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen."

Bereits am Samstagabend versammelten sich Bürger, um gemeinsam zu trauern. Im Paulus-Dom in Münster gibt es am Sonntagabend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, den Bischof Felix Genn leiten will.

@ dpa.de

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