Ernährung, Produktion

MÜNSTER / DETMOLD - Aufnahmen aus Schweinemastbetrieben von kranken und schwer verletzten Tieren haben Entsetzten ausgelöst und zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt.

21.09.2022 - 14:17:27

Vorwürfe gegen Schweinemastbetriebe - Ermittlungen und Kontrollen. Das Deutsche Tierschutzbüro veröffentlichte Bildmaterial, das drastische Missstände in Mastbetrieben zeigt. Bei sechs von ihnen soll es sich um Betriebe in Nordrhein-Westfalen handeln - Münsterland und Ostwestfalen - einer sitze in Niedersachsen. Allesamt seien sie Zulieferer von Westfleisch, einem der deutschlandweit größten Schweineschlachter mit mehreren Millionen Schlachttieren pro Jahr und einem Milliarden-Umsatz.

Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen möglicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegen drei Schweinemastbetriebe. Ausgangspunkt seien Anzeigen des Deutschen Tierschutzbüros, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Mittwoch. Den Anzeigen seien USB-Sticks mit Fotos beigefügt, die aktuell geprüft würden. Bei der Staatsanwaltschaft in Detmold hieß es, Anfang Juli sei Videomaterial eingegangen, das Tiere mit "nicht oder nicht sachgerecht behandelten Verletzungen" zeige. "Nach Sichtung des Videomaterials ergab sich ein Anfangsverdacht wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz", schilderte ein Sprecher mit Blick auf einen Betrieb.

Die Unternehmensgruppe Westfleisch zeigte sich betroffen und kündigte mehrere Maßnahmen an. Man nehme die Vorwürfe gegen die einzelnen Tierhalter sehr ernst und gehe ihnen "mit aller Entschiedenheit" nach, betonte Westfleisch auf dpa-Anfrage. "Bis zur endgültigen Klärung aller Vorwürfe behalten wir uns sanktionierende Maßnahmen bis hin zur Kündigung der Lieferverträge vor."

Für das Unternehmen in Münster stehen nun nach eigenen Angaben vor allem drei Schritte im Fokus: "Erstens kontrollieren wir aktuell jeden betroffenen Betrieb und führen dabei ein umfangreiches Sonder-Monitoring durch." Zweitens sollten kurzfristig alle Lieferbetriebe besichtigt und die Zustände dort genau dokumentiert werden - auch, um "die generell hervorragende Arbeit unserer über 3000 Vertragspartner nicht in Misskredit" geraten zu lassen. Zudem werde Westfleisch sein Kontrollnetz erweitern.

"Für uns steht das Wohlergehen der gehaltenen Tiere immer an erster Stelle", hieß es. Und: "Transportunfähige und schlachtunfähige Tiere wurden und werden in Westfleisch-Betrieben definitiv nicht zur Schlachtung angenommen."

In den Aufnahmen sind unter anderem Schweine mit offenen Wunden, mit Abszessen oder Entzündungen zu sehen, blutende Tiere, mitunter auch tote oder bereits verweste Schweine im Stall. Den Vorwürfen zufolge sollen Tiere in einigen Fällen beim Abtransport mit Elektroschockern misshandelt worden sein. Einige der Mastbetriebe sollen dem Tierschutzbüro zufolge EU-Fördergelder in sechsstelliger Höhe erhalten haben, berichtete der Vorsitzende Jan Peifer. Die Bilder seien dem Tierschutzbüro in den vergangenen Monaten zugespielt worden.

Aus dem NRW-Landwirtschaftsministerium hieß es, bereits im Frühsommer seien bei den betroffenen Kreisen anonyme Hinweise auf tierschutzrechtliche Verstöße eingegangen. Daraufhin habe es unverzüglich unangekündigte Kontrollen gegeben. "Dabei haben sich die angezeigten Verstöße in vier von sechs Fällen bestätigt", teilte ein Sprecher in Düsseldorf zu den Vorwürfen gegen die NRW-Mastbetriebe mit. Es handele sich überwiegend um Verstöße beim Umgang mit kranken oder verletzten Tieren - etwa nicht erfolgte tierärztliche Behandlungen oder Nottötungen oder auch eine unterbliebene Separierung dieser Tiere.

Die zuständigen Behörden sorgten laut Ministerium dafür, dass die tierschutzwidrigen Zustände unverzüglich beseitigt wurden. Es seien auch Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Zudem liegen dem Ministerium nun auch die Videoaufnahmen der Tierschützer vor, die die mutmaßlichen Verstöße in Betrieben in den Kreisen Borken, Lippe, Paderborn, Soest, Steinfurt und Warendorf dokumentieren sollen. Das Material werde ausgewertet und analysiert, um die amtliche Aufklärung zu beschleunigen.

@ dpa.de

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