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Delivery Hero, DE000A2E4K43

MÜNCHEN - In den Chefetagen der Dax-Konzerne Christian Klein mit knapp 2,2 Millionen am unteren Ende der Tabelle - obwohl der Nettogewinn des Walldorfer Softwareherstellers mit über fünf Milliarden Euro dreimal so hoch ausfiel wie bei Linde.

04.07.2021 - 12:03:58

Starkes Gehaltsgefälle unter Topmanagern der Dax-Konzerne. Das hat eine dpa-Auswertung der Vorstandsvergütung ergeben.

Kasper Rorsted etwa verdiente 3,5 Millionen Euro weniger, Munich-Re-Konzernlenker Joachim Wenning büßte im Vergleich zum Vorjahr 2,3 Millionen ein.

In Summe stieg das Einkommen der Vorstandschef zwar von 194 auf knapp 242 Millionen Euro, doch ist das allein auf zwei Ausreißer zurückzuführen: Angel und den Zweitplatzierten Niklas Östberg. Der Chef des verlustreichen Lieferdiensts Delivery Hero verdiente 45,7 Millionen - im Vorjahr waren es gerade einmal 350 000 Euro gewesen. Zu verdanken hatte Östberg diesen spektakulären Einkommenssprung der Tatsache, dass er 566 600 Aktienoptionen aus früheren Vergütungsprogrammen zu Geld machte.

Die Zuwendungen aber sind bei allen gestiegen. Auch SAP-Chef Klein darf auf bessere Zeiten hoffen: Seine Zuwendungen für 2020 belaufen sich auf 9,2 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Zuwendungen der Dax-Konzerne für ihre Vorstandschefs auf 182 Millionen Euro, knapp 15 Millionen mehr als 2019.

Topverdiener Angel von Linde blieb mangels Vergleichbarkeit des Geschäftsberichts bei dieser Berechnung außen vor. Denn Linde ist kein deutsches Unternehmen mehr, die Konzernbilanz nach irischem Recht abgefasst. Zweite Ausnahme ist Siemens Energy , aus einem ganz anderen Grund: Das Unternehmen wurde erst 2020 aus dem Mutterkonzern herausgelöst und hat daher noch keine Jahresbilanz vorgelegt. Die übrigen 28 Dax-Unternehmen haben die Bezahlung ihrer Vorstände voll dokumentiert.

Die Unterscheidung von Zufluss und Zuwendungen hat ihren Grund, denn die Vergütung der Spitzenmanager setzt sich aus fünf Bestandteilen zusammen: Fixgehalt, Kurzfristbonus, Langfristbonus, Altersvorsorge und Nebenleistungen - unter letztere Kategorie fallen unter anderem Dienstwagen und Versicherungen.

"Es gibt kaum etwas Intransparenteres als die Vorstandsvergütung", sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Aktionärsvereinigung DSW und Mitglied der DCGK-Regierungskommission. "Die Grundidee ist "pay for performance", aber das Problem dabei ist, dass die Vergütung auf drei bis vier Jahre gestreckt ist."

Vier Dax-Chefs verdienten 2020 weniger als drei Millionen Euro (Zufluss), drei hingegen zweistellige Millionenbeträge: Neben Angel und Linde war Post-Chef Frank Appel mit knapp über zehn Millionen der dritte im Bunde der Bestverdiener.

Wer glaubt, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Höhe der Vorstandsgehälter und Unternehmensgewinnen besteht, der irrt. Im Krisenjahr 2020 ließ die Corona-Krise die Profite vieler Dax-Firmen dahinschmelzen: Die auf die Aktionäre entfallenden Nettogewinne sanken um knapp 38 Milliarden auf 41,5 Milliarden Euro, nahezu eine Halbierung. Im Vergleich dazu ging die Gesamtvergütung der Vorstände - Chefs und Vorstandsmitglieder - nur geringfügig zurück: von 606 auf 571 Millionen Euro.

"Dass sich kurzfristige Umsatzeinbrüche nicht so stark in der Vergütung widerspiegeln, will auch der Gesetzgeber so", sagt Tüngler. "Die Vorstände sollen nicht so sehr auf den kurzfristigen Profit des Unternehmens blicken, sondern es soll dem Unternehmen langfristig gut gehen."

Die Zahlen zur Gesamtvergütung spiegeln allerdings nur einen Teil dessen wider, was das Topmanagement die Unternehmen wirklich kostet. Viele Dax-Konzerne geben bei den Gesamtbezügen die Zahlungen für die Altersvorsorge nicht an. Hinzu kommen Zahlungen an Ex-Vorstände, die in mehreren Dax-Konzernen ein Drittel bis die Hälfte dessen betragen, was die Aktiven bekommen.

Abgesehen davon gibt es hochprofitable Unternehmen mit eher bescheidenen Vorstandsgehältern, bei anderen leiden die Spitzenmanager finanziell deutlich unter schlechten Ergebnissen. Bei BMW etwa haben sich die Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder von 2017 bis 2020 von 40 auf 20 Millionen Euro halbiert.

@ dpa.de