Einzelhandel, Maschinenbau

MÜNCHEN / FRANKFURT - Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft wegen der anhaltenden Lieferengpässe in der Industrie deutlich gesenkt.

22.09.2021 - 14:12:31

Ifo-Institut senkt Wachstumsprognose auf 2,5 Prozent. In diesem Jahr dürfte die Wirtschaftsleistung nur um 2,5 Prozent zulegen - 0,8 Prozentpunkte weniger als noch im Juni vorhergesagt: "Die ursprünglich für den Sommer erwartete kräftige Erholung nach Corona verschiebt sich weiter", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Mittwoch.

Obwohl die Auftragsbücher voll seien, "schrumpft die Produktion der Industrie als Folge von Lieferengpässen bei wichtigen Vorprodukten", sagte Wollmershäuser. Die weltweite Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern und elektronischen Artikeln habe viele Hersteller von Vorprodukten an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht. Veränderte Warenströme stellten die globalen Lieferketten vor enorme Herausforderungen. Der Rückgang der Industrieproduktion dürfte sich bis Jahresende fortsetzen. Erst "nächstes Jahr ist dann mit einer kräftigen Erholung der Industrie zu rechnen".

2020 war die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 4,9 Prozent zum Vorjahr eingebrochen. Tragende Säule der Erholung sei derzeit der private Konsum, sagte Wollmershäuser. Nach dem Wegfall vieler Corona-Beschränkungen liefen Handel und Dienstleistungen wieder besser. "Die Konjunktur ist gespalten." Die Zahl der Arbeitslosen dürfte von 2,7 Millionen dieses Jahr auf 2,6 Millionen und nächstes Jahr auf 2,4 Millionen sinken. "Auch die Kurzarbeit wurde spürbar abgebaut und wird im kommenden Jahr ihr Vorkrisenniveau erreichen", sagten die Wirtschaftsforscher voraus.

Die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr auf 3,0 Prozent steigen, für das kommende Jahr erwartet das Institut eine Teuerung von 2,3 Prozent. Derzeit stiegen die Preise für Energie, in der Gastronomie und in einigen Dienstleistungsbereichen. Sollten die Lieferengpässe andauern und höhere Preise für Vorprodukte auf die Verbraucherpreise überwälzt werden, könnte die Inflation auch etwas höher ausfallen. Das Staatsdefizit - die Neuverschuldung von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen - dürfte dieses Jahr 157 Milliarden Euro erreichen.

Für 2022 rechnen die Münchner Wirtschaftsforscher mit 5,1 Prozent Wirtschaftswachstum - sofern die nächste Bundesregierung die derzeit beschlossenen Wirtschafts- und Finanzpakete umsetze. Eine andere Steuer- und Abgabenlast hätte natürlich Einfluss auf die Konjunktur, sagte Wollmershäuser.

Für das laufende Jahr hatte das ifo-Institut im März noch 3,7 Prozent, im Juni noch 3,3 Prozent Zuwachs vorhergesagt. Auch andere Forschungsinstitute hatten ihre Prognosen jüngst gesenkt. Das RWI in Essen erwartet in diesem Jahr 3,5 Prozent Wachstum, das IWH in Halle 2,2 Prozent, das DIW in Berlin 2,1 Prozent. Eine gemeinsame Herbstprognose wollen die führenden Institute Mitte Oktober vorlegen.

Die Chefvolkswirte der privaten Banken in Deutschland sehen die deutsche Wirtschaft auf "Erholungskurs mit Stolpersteinen". Mit 3,3 Prozent Wachstum dürfte sie "bis Ende des Jahres ihr Vorkrisenniveau wieder erreichen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands BdB, Christan Ossig. Treiber sei neben dem belebten Welthandel vor allem der private Konsum. "Das Zwangssparen durch Corona scheint vorbei zu sein, die Nachholeffekte werden bis ins nächste Jahr hinein tragen." Größte Risiken seien die Liefer- und Produktionsengpässe der Industrie sowie Corona. Damit die Wirtschaft nach der Wahl nicht an Fahrt verliere, brauche es rasch eine "Koalition mit der Kraft zum Aufbruch".

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Umfrage: Zwei von drei Bürgern sind wegen Corona wieder vorsichtiger. Etwa 63 Prozent haben nach eigener Aussage im Privaten ihre Verhaltensweisen geändert, wie die am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Erhebung im Auftrag von RTL und ntv ergab. Mehrheitlich nichts an ihren Alltagsgewohnheiten geändert hat dagegen demnach die Gruppe der Ungeimpften (54 Prozent). KÖLN - Zwei von drei Bürgern verhalten sich wegen der heftigen Corona-Welle einer Umfrage zufolge wieder vorsichtiger im Alltag. (Boerse, 01.12.2021 - 17:12) weiterlesen...

Transportverbände empört: EU duldet Fahrverbote über den Brenner. Weil Tirol die Zeitfenster für Fahrten über den Brenner immer kleiner mache, komme es in Bayern regelmäßig zu Staus von bis zu 70 Kilometern Länge. Fahrer müssten zehn Stunden lang ohne Toilette ausharren, Anwohner hätten unzumutbare Belastungen zu ertragen, in Industriebetrieben komme es zu Produktionsstillständen wegen unterbrochener Lieferketten, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Brief von 13 Verbänden. MÜNCHEN/FRANKFURT/BRÜSSEL - Transport- und Logistikverbände aus ganz Europa haben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert, wegen der Behinderungen der Lkw-Transporte durch Tirol "endlich gegen Österreich vorzugehen". (Wirtschaft, 01.12.2021 - 16:52) weiterlesen...

BGH sieht bei Geschäftsmiete im Lockdown keine Pauschallösung. KARLSRUHE - Einzelhändler, die mit ihrem Vermieter über die Miete im Corona-Lockdown streiten, können voraussichtlich nicht auf eine pauschale Halbe/Halbe-Regelung hoffen. Das zeichnete sich am Mittwoch in einer Verhandlung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe ab. In dem Musterfall aus Sachsen hatte zuletzt das Dresdner Oberlandesgericht dem Geschäft den Erlass von ungefähr der Hälfte einer Monatsmiete zugesprochen, weil es von 19. März bis 19. April 2020 schließen musste. Das ist den BGH-Richterinnen und BGH sieht bei Geschäftsmiete im Lockdown keine Pauschallösung (Boerse, 01.12.2021 - 15:11) weiterlesen...

ROUNDUP/Alarmstimmung im Handel: 2G-Regelung bedroht Weihnachtsgeschäft. Und jetzt könnte ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft sogar noch eine größere Gefahr drohen - wenn bundesweit in großen Teilen des Einzelhandels tatsächlich die 2G-Regel eingeführt werden sollte und nur noch Geimpfte und Genesene in Warenhäusern, Modegeschäften und Elektronikläden einkaufen dürfen. Ausnahmen sollen für Geschäfte des täglichen Bedarfs gelten. DÜSSELDORF - Im Handel herrscht Alarmstimmung: Schon am ersten Adventswochenende blieben viele Verbraucher angesichts hoher Inzidenzzahlen den Innenstädten fern. (Boerse, 01.12.2021 - 14:28) weiterlesen...

Handel hält 2G-Regel für den Einzelhandel für rechtswidrig. In einem Brief an die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den voraussichtlichen nächsten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schrieb HDE-Präsident Josef Sanktjohanser, die 2G-Regel verletze die Berufsfreiheit der Einzelhändler und verstoße außerdem gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz. Wenn Händler lediglich geimpften und genesenen Verbrauchern den Zugang zu ihren Läden gestatten dürften, sei dies "unverhältnismäßig und daher rechtswidrig". Er stützte sich dabei auf ein aktuelles Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei Noerr. BERLIN - Der Handelsverband Deutschland (HDE) hält die drohende bundesweite Einführung der 2G-Regel für große Teile des Einzelhandels für rechtswidrig. (Boerse, 01.12.2021 - 11:33) weiterlesen...

Prozesse - BGH: Bei Geschäftsmiete im Lockdown keine Pauschallösung Die Ladenschließungen in der Pandemie hat viele Einzelhändler in finanzielle Bedrängnis gebracht: Mit einem Schlag alle Kunden weg - aber der Mietvertrag läuft trotzdem weiter. (Wirtschaft, 01.12.2021 - 11:26) weiterlesen...