ProSiebenSat.1, DE000PSM7770

MÜNCHEN - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 kann seine bisherigen Ziele für das Gesamtjahr nicht mehr erreichen.

08.11.2018 - 11:04:24

ProSiebenSat.1 senkt Ausblick und kürzt Dividende - Aktie bricht ein. Das Unternehmen korrigiert deshalb seine Umsatzerwartungen nach unten. Zudem müssen Anleger Abstriche bei der Dividende hinnehmen. An der Börse brach die Aktie am Donnerstag um mehr als 17 Prozent ein und zog die gesamte Branche nach unten.

Konzernchef Max Conze bezeichnete das Fernsehgeschäft in einer Telefonkonferenz am Donnerstagmorgen als "kritisch". "Wir liefern das, was wir versprechen, nicht sauber genug", sagte er. Die einbehaltene Dividende wolle der Konzern in zukünftiges Wachstum investieren. Dabei soll der Fokus vor allem auf eigenen, lokalen Inhalten liegen, die auf allen Plattformen ausgespielt werden können. Darum würden Verträge mit US-Studios überprüft und neu verhandelt, da ProSiebenSat.1 nicht über alle Rechte für die Ausspielung auf Webseiten verfüge. Es könne jedoch in diesem Jahr noch zu einer einmaligen Ergebnisbelastung aus Lizenzrechten von bis zu 400 Millionen Euro kommen.

Im dritten Quartal lag der Umsatz von ProSiebenSat.1 bei 892 Millionen Euro, ein Anstieg von einem Prozent zum Vorjahreszeitraum. Für 2018 geht der TV-Sender nun von einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich auf rund 4 Milliarden Euro aus (2017: 4,1 Mrd Euro). Grund seien die Entkonsolidierungen des Video-on-Demand-Portals Maxdome, des Online-Fitness-Anbieters 7NXT und des Reiseveranstalters Tropo, die bis zum Ende des dritten Quartals erfolgt seien.

Bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte sollen die Erlöse im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen. Zuvor war ProSiebenSat.1 von einem Anstieg des nicht bereinigten Konzernumsatzes im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich sowie des bereinigten Konzernumsatzes im mittleren einstelligen Bereich gegenüber dem Vorjahr ausgegangen.

Ein Händler bezeichnete die Prognose als "schon wieder recht enttäuschend". Zudem müssen Anleger den Einschnitt bei der Dividende verarbeiten, wie er betonte. Für das Geschäftsjahr 2018 sollen nur 50 Prozent des bereinigten Konzerngewinns als Dividende ausgeschüttet werden. Die bisherigen Dividendenpolitik sah eine Quote von 80 bis 90 Prozent vor.

Wachstum erhofft sich ProSiebenSat.1 vor allem im Geschäft mit Onlineplattformen durch seine Tochter Nucom Group. Ende Februar war das US-Investmenthaus General Atlantic als Investor bei Nucom eingestiegen und hatte sich ein gutes Viertel der Anteile gesichert. Die Übernahme der US-Partnervermittlung Eharmony Ende Oktober war die erste wichtige gemeinsame Transaktion. Zu Nucom gehören bereits die Partnervermittlung Parship, das Vergleichsportal Verivox, die Erlebnis-Geschenk-Gutscheine von Jochen Schweizer und das Beauty-Portal Flaconi. Es seien weitere Zukäufe geplant, jedoch "nicht um jeden Preis", wie Finanzchef Jan Kemper sagte.

Im dritten Quartal ging der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um ein Drittel auf 187 Millionen Euro zurück. Der bereinigte Konzernüberschuss sank um etwa ein Viertel auf 75 Millionen Euro.

Des weiteren will der Konzern ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 250 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 12 bis 24 Monaten beginnen. Die erste Tranche mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro soll ab diesem Freitag zurückgekauft werden. Weitere Details zur Strategie will ProSiebenSat1. auf dem Kapitalmarkttag am 14. November erläutern.

@ dpa.de

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