Facebook Inc, US30303M1027

MENLO PARK / WASHINGTON - Facebook -Chef Mark Zuckerberg hat erstmals signalisiert, dass das weltgrĂ¶ĂŸte Online-Netzwerk eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte.

10.04.2018 - 22:52:23

Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben. "Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben", sagte Zuckerberg am Dienstag auf entsprechende Nachfragen bei einer Anhörung im US-Senat und deutete mit dieser Wortwahl Alternativen an. Er enthĂŒllte zudem, dass Facebook-Mitarbeiter vom Sonderermittler Robert Mueller befragt wurden, der eine mögliche russische Einmischung in den US-Wahlkampf untersucht. Er selbst sei nicht darunter gewesen.

Auslöser fĂŒr die Anhörung mit dem ersten Auftritt Zuckerbergs im US-Kongress war der aktuelle Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica. Der 33-jĂ€hrige Konzernchef gestand abermals schwere Fehler ein und versprach strikteren Datenschutz.

Facebook habe das Ausmaß seiner Verantwortung nicht erkannt, sagte Zuckerberg. "Das war ein großer Fehler. Es war mein Fehler." Seine grĂ¶ĂŸte PrioritĂ€t sei nach wie vor, die Menschen zu vernetzen - und das werde immer wichtiger sein als die Interessen der Werbekunden, "solange ich Facebook fĂŒhre", sagte Zuckerberg. "Ich habe Facebook gestartet, ich fĂŒhre es, und ich trage die Verantwortung dafĂŒr, was hier passiert."

Zuckerberg, der fĂŒr den Auftritt Anzug und Krawatte statt des ĂŒblichen grauen T-Shirts und Jeans trug, wurde im Kongress in Washington von Dutzenden Fotografen empfangen. Er wirkte sichtlich nervös, fing sich aber mit der Zeit. Diverse Detailfragen beantwortete er nicht direkt, sonder versprach, dass "sein Team" nachtrĂ€glich Kontakt zu den Senatoren mit den entsprechenden Informationen aufnehmen werde.

Der Chef des Handelsausschusses im US-Senat, John Thune, betonte zu Beginn der Anhörung zugleich, dass die Zeit fĂŒr mehr Regulierung statt einseitiger Zusagen der Unternehmen gekommen sei könnte. Er sei sich nicht sicher, dass Nutzer mit vollem VerstĂ€ndnis der Konsequenzen ihre Daten an die Online-Firmen gĂ€ben. Zugleich zeigten einige Senatoren LĂŒcken beim VerstĂ€ndnis der Funktionsweise und des GeschĂ€ftsmodells von Facebook.

Bei dem aktuellen Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Nutzern unrechtmĂ€ĂŸig an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die spĂ€ter unter anderem fĂŒr das Wahlkampfteam von US-PrĂ€sident Donald Trump arbeitete. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.

Nach EinschÀtzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikanern. Cambridge Analytica selbst erklÀrte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt. Es sei ein Fehler gewesen, die Nutzer nicht schon damals zu informieren und Cambridge Analytica seinerzeit nicht von der Plattform zu verbannen, sagte Zuckerberg.

FĂŒr Facebook steht bei dem Termin viel auf dem Spiel. Im Kongress braut sich Empörung zusammen, die zu einer schĂ€rferen Regulierung im Internet unter anderem beim Datenschutz und damit zu EinschrĂ€nkungen fĂŒr das GeschĂ€ft des Online-Netzwerks fĂŒhren könnte.

Zuckerberg ist schon seit Tagen bemĂŒht, die Situation zu entschĂ€rfen. In BlogeintrĂ€gen und einer Telefonkonferenz mit Journalisten rĂ€umte er Fehler ein und versprach schĂ€rferen Datenschutz fĂŒr die Zukunft. Zudem reduzierte Facebook bereits den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und Nutzer bekamen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer PrivatsphĂ€re gemĂ€ĂŸ EU-Datenschutzgrundverordnung.

@ dpa.de

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