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Manchester United, KYG5784H1065

MADRID - Nach nur drei Tagen ist von den pompösen Super-League-Plänen einiger europäischer Fußball-Riesen nicht mehr viel übrig geblieben.

22.04.2021 - 14:06:26

'Als hätten wir jemanden getötet'. Neun von zwölf Clubs haben ihre Teilnahme bereits wieder abgesagt, am Donnerstag blockierten Fans von Manchester United aus Protest gegen das milliardenschwere Projekt das Trainingsgelände ihres Clubs. Nur einer glaubt nach wie vor an die Idee und auch eine verspätete Einführung "seiner" neuen Liga: Sie sei nur "auf Stand-by", sagte Real-Madrid- und auch Super-League-Boss Florentino Pérez dem spanischen Radiosender Cadena Ser.

An die Adresse der bereits wieder ausgestiegenen Clubs sagte der Bauunternehmer: "Es ist klar im Vertrag, dass du nicht gehen kannst." Und allen Kritikern der Super-League-Pläne hielt er entgegen, es sei "komplett falsch" zu denken, dass dieses Projekt bereits tot sei: "Wir arbeiten daran. Es wird etwas herauskommen, von dem die Welt denkt, dass es das Beste ist."

Pérez verband diese Aussagen mit einer Kritik an allen, die sich in den vergangenen Tagen gegen die Einführung der Super League gewehrt hatten: die Fans, den europäischen Verband UEFA, die spanische Liga. "Es war, als hätten wir jemanden getötet. Es war, als hätten wir den Fußball getötet. Aber wir versuchen, einen Weg zu erarbeiten, um den Fußball zu retten", sagte der 74-Jährige. "Ich bin seit 20 Jahren im Fußball und ich habe noch nie Drohungen wie diese gesehen."

Eine Antwort darauf gab UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nur wenige Stunden später im slowenischen Fernsehen - und sie fiel nicht weniger deutlich aus. "Pérez ist der Präsident einer Superliga, die es nicht gab, und derzeit ist er der Präsident von nichts", sagte der Slowene. "Er hätte gerne einen UEFA-Präsidenten, der ihm gehorcht, der ihm zuhört, der tut, was er will." Ceferin hob die Unterstützung der Clubchefs von Bayern München, Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain hervor, die sich an der Super League nicht beteiligen wollten: "Ohne ihn (den PSG-Chef), den Bayern-Generaldirektor Karl-Heinz Rummenigge und den Borussia-Generaldirektor Hans-Joachim Watzke wäre es viel schwieriger gewesen."

Das Problem sehen alle. Gerade die europäischen Großclubs wie der FC Barcelona oder Juventus Turin haben zuletzt Verluste in teils dreistelliger Millionenhöhe gemacht. "Dieses Jahr werden die Clubs zwei Milliarden Euro Miese machen, Geld, das sie gar nicht haben", warnte Pérez. Doch was man dagegen tun könne - da gehen die Meinungen auseinander. Der Präsident von Real Madrid hält das Modell der Champions League für nicht mehr attraktiv. Die für 2024 geplante Reform komme viel zu spät. "Wenn Rafael Nadal gegen den 80. der Weltrangliste spielt, würde auch keiner hingehen", sagte Pérez und zog damit einen Vergleich zum Tennissport.

Kritiker halten dem entgegen, dass es die Spitzenclubs selbst waren, die ihre großen wirtschaftlichen Sorgen durch die Explosion der Transferausgaben und Spielergehälter erst ausgelöst haben. Nur noch mehr Geld in dieses System zu pumpen, würde das Problem nicht lösen.

Hinzu kommt, dass die Super-League-Pläne teilweise nicht einmal innerhalb der betroffenen Clubs selbst ausführlich besprochen wurden. So räumte Italiens Fußball-Legende Paolo Maldini am Mittwochabend als Sportchef des AC Mailand in einem Sky-Interview ein, "nie" in die Diskussionen um die Super League involviert gewesen zu sein. "Ich habe die Nachrichten am Sonntagabend mit dem Statement der Vereine gesehen. Die Eigentümer haben entschieden und nicht ich." Maldinis Fazit der vergangenen Tage: "Ich möchte mich bei den Fans entschuldigen. Wir müssen das als Lektion nehmen."

@ dpa.de