BAYER AG, DE000BAY0017

LONDON - Schnelleres Wachstum und höhere Ausschüttungen: Mit diesen Versprechen will der Pharma- und Agarchemiekonzern Bayer seine Aktionäre nach den starken Kursverlusten der vergangenen Monate versöhnlich stimmen.

05.12.2018 - 13:37:24

Bayer will mittelfristig wieder schneller wachsen - Aktie legt zu. "Wir werden erheblichen Wert schaffen, indem wir durch Innovationskraft wachsen, die Ertragskraft steigern und den Cashflow erhöhen", versprach Konzernchef Werner Baumann beim Kapitalmarkt in London, an dem Bayer seine mittelfristigen Unternehmensziele vorstellte.

bedeutete. Im bisherigen Jahresverlauf zählen die Papiere allerdings mit einem Minus von mehr als einem Drittel weiterhin zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex. Der Grund sind Aktionärsängste wegen tausender Klagen in den USA, die sich um mutmaßliche Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter Glyphosat drehen.

Bereits Ende November hatten die Leverkusener den Verkauf des Geschäfts mit Tiergesundheit sowie der 60-prozentigen Beteiligung am deutschen Chemiestandort-Dienstleister Currenta angekündigt. Zudem stehen im zuletzt trägen Geschäft mit rezeptfreien Medikamente die erst vor wenigen Jahren vom US-Konzern Merck & Co teuer gekauften Bereiche Sonnenschutz mit der Marke Coppertone und Fußpflege mit der Marke Dr. Scholl's zur Disposition.

Bei den zur Wochenmitte vorgestellten mittelfristigen Bayer-Zielen wurden diese Verkäufe nicht berücksichtigt. In Summe dürften diese Bereiche laut Bayer 2018 insgesamt einen Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro generieren. Die Analysten der US-Bank JPMorgan halten laut einer aktuellen Studie Verkaufserlöse von rund 9 Milliarden Euro für denkbar.

Die Veräußerungen sind Teil eines Programms zur Steigerung der Effizienz, was der Wettbewerbsfähigkeit und der Innovationskraft zugute kommen soll. Die Maßnahmen umfassen aber auch einen herben Personalabbau von rund 12 000 der 118 200 Arbeitsplätze. Ein signifikanter Anteil der Kürzungen wird Deutschland betreffen. Der Stellenabbau in der Bundesrepublik soll dabei sozialverträglich erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen im Personalverbund der Bayer AG in Deutschland sind bis Ende 2025 ausgeschlossen. Laut dem Betriebsrat will Bayer unter anderem auf Vorruhestandsregelungen setzen.

Ein weiterer Baustein des Konzernumbaus ist die Neuausrichtung des wichtigen Pharmageschäfts. Der Konzern will interne Forschungskapazitäten reduzieren und dafür mehr Geld in Gemeinschaftsprojekte mit Partnern und in externe Innovationen stecken.

Als Beispiel für künftige Kooperationen könnten die Zusammenarbeit mit dem US-Biotechunternehmen Loxo Oncology dienen. Beide Unternehmen entwickeln bereits das Krebsmittel Larotrectinib gemeinsam, das jüngst in den USA zugelassen wurde. Analysten wie Wimal Kapadia von Bernstein Research sehen solche Kooperationen und Lizenzkäufe als fast schon unabdingbar für den Dax-Konzern , da gegen Mitte des kommenden Jahrzehnts bei wichtigen Medikamenten Patente auslaufen und neue Wachstumstreiber notwendig sind.

Der größte Konzernteil ist nach dem Monsanto-Kauf aber das Agrargeschäft Crop Science. Hier setzt Bayer auf Wachstum im Geschäft mit genmodifizierten, gegen bestimmte Unkrautvernichter immune Mais- und Sojasaatsorten. Allerdings hat Bayer in der Agar-Sparte auch die vermutlich größte Baustelle, ist der Konzern doch in den USA mit zahlreichen Klagen wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat konfrontiert. Die Kläger werfen Monsanto vor, mit Glyphosat ein krebserregendes Mittel verkauft und nicht ausreichend über die Schädlichkeit informiert zu haben. Bayer weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

@ dpa.de

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