Transport, Verkehr

LONDON - Mit Tausenden Sondervisa für ausländische Metzger und Lastwagenfahrer wollte die britische Regierung vor Weihnachten die Versorgungsengpässe bekämpfen.

15.12.2021 - 07:18:30

Kein Weihnachtsmärchen: Wenig Interesse an britischen Sondervisa. Doch kurz vor den Feiertagen fällt das Fazit ernüchternd aus. "Die Anzahl sowie Geschwindigkeit bei der Bearbeitung von Notfallvisa für Metzger war bisher enttäuschend", teilte der Branchenverband British Meat Processors Association (BMPA) der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Verband rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr überhaupt viele ausländische Helfer ins Land gekommen. Die Regierung hatte das Visaprogramm damit begründet, dass die Fachkräfte helfen würden, das Weihnachtsessen zu sichern.

Das Innenministerium in London will derzeit keine Angaben machen, wie viele Menschen sich für die auf mehrere Monate befristeten Visa als Lastwagenfahrer und Fachkräfte für die Fleischverarbeitung beworben haben. Es lägen zwar Daten vor, schrieb die Behörde als Antwort auf einen sogenannten Freedom of Information Request (FOI) der Deutschen Presse-Agentur. Aber: "Eine vorzeitige Offenlegung von Statistiken (...) würde die Fähigkeit des Ministeriums beeinträchtigen, seine Personalressourcen planmäßig effektiv einzusetzen."

Es sei zu befürchten, dass eine Auskunft zu weiteren Nachfragen führen werde. Dies könne die Vorbereitung der regulären vierteljährlichen Statistik zur Arbeitsmigration verzögern, die für den 24. Februar 2022 geplant ist. "Die genaue Aufschlüsselung der angeforderten Informationen wird zwar dann nicht veröffentlicht, ist aber Bestandteil der Gesamtzahlen", hieß es weiter.

Nach dem Brexit hatte die konservative Regierung die Einwanderungsregeln erheblich verschärft. Das hemmt den Zuzug von Fachkräften aus der EU. Mit den Visa will die britische Regierung den erheblichen Fachkräftemangel bekämpfen. Weil bis zu 100 000 Lkw-Fahrer fehlen, klafften immer wieder große Lücken in Supermarktregalen, tagelang hatten Tankstellen keinen Treibstoff. Truthahnzüchter und Schweinebauern klagten aufgrund fehlender Kräfte in den Schlachthöfen über einen Rückstau. Tausende gesunde Tiere mussten gekeult werden, weil auf den Höfen kein Platz war.

Die Bewerbungsfrist für die Sondervisa bis zum 31. Dezember sei viel zu knapp, um geeignete Bewerber zu finden, und müsse verlängert werden, betonte der BMPA. Ein Problem sei zudem, dass die vier von der Regierung beauftragten Personalvermittlungsunternehmen keine Erfahrung in der Einstellung von Metzgern haben. "Sie wissen erst jetzt, worauf sie achten müssen und wie sie Fähigkeiten genau einschätzen können."

Insgesamt hatte die Regierung Visa für bis zu 4700 Lkw-Fahrer, 5500 Geflügelfleischverarbeiter und 800 Schweinemetzger angeboten. Als problematisch gilt dabei, dass Fahrer von Lebensmitteltransporten einen Führerschein eines EU-Mitgliedslandes oder aus Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz haben müssen.

Schuld an der Lage trägt nach Ansicht des Verbands die Regierung von Premierminister Boris Johnson: Sie habe kein Verständnis für den enormen Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt durch Brexit und Corona-Pandemie. Die Regierung hat wiederholt die Wirtschaft dazu aufgerufen, britische Arbeitskräfte einzustellen und auszubilden. Aber: Facharbeiter, wie sie akut benötigt würden, gebe es in Großbritannien derzeit einfach nicht, hieß es vom BMPA. "Es wird zwei Jahre dauern, um Briten zu rekrutieren und auszubilden." Fazit: "Kapazität und Arbeitsmoral der britischen fleischverarbeitenden Industrie leiden unter dem chronischen Arbeitskräftemangel."

Die dpa hatte am 23. November in einem FOI Auskunft darüber gefordert, wie viele Menschen aus welchen Ländern sich zu dem Zeitpunkt auf die Sondervisa beworben hatten und wie viele angenommen wurden. Diese Anfragen müssen in der Regel innerhalb von 20 Werktagen beantwortet werden. Die Auskunft kann unter genauer Angabe von Gründen verweigert werden.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Krankschreibung am Telefon bei andauernder Pandemie vor Verlängerung. Das gelte auch für weitere Sonderregelungen, durch die Kontakte reduziert und Praxen entlastet würden, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, am Dienstag in Berlin. Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das für die Regelung von Leistungen zuständige Spitzengremium im Gesundheitswesen. Zugleich warnte Hecken vor frühzeitiger Entwarnung in der Corona-Lage. BERLIN - Die Möglichkeit zur Krankschreibung am Telefon bei leichten Atemwegsinfektionen soll bei fortdauernder Corona-Pandemie verlängert werden. (Boerse, 18.01.2022 - 14:02) weiterlesen...

KORREKTUR/Ministerium: Abschlagszahlungen für Überbrückungshilfe IV starten. (Berichtigt wird in der Meldung vom 17. Januar 2022, 14.42 Uhr, im vorletzten Satz, dass der Bezugsmonat der jeweilige Vergleichsmonat im Jahr 2019 ist.) KORREKTUR/Ministerium: Abschlagszahlungen für Überbrückungshilfe IV starten (Wirtschaft, 18.01.2022 - 13:42) weiterlesen...

Schadenersatz beim Bau möglich: EuGH-Urteil macht Deutschland Druck. Jedes EU-Land müsse sicherstellen, dass Einzelnen ein Schaden ersetzt werde, der wegen Verstößen gegen europäisches Recht entstanden sei, teilte der EuGH am Dienstag mit (Rechtssache C-261/20). Hintergrund ist ein Verfahren am Bundesgerichtshof. LUXEMBURG - Architekten und Bauherren in Deutschland können nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs in bestimmten Fällen auf Schadenersatz vom Staat hoffen, weil die deutschen Honorarregeln gegen EU-Recht verstoßen. (Boerse, 18.01.2022 - 13:37) weiterlesen...

Baerbock in Moskau für baldige Friedensgespräche im Ukraine-Konflikt. Dies sei wichtig für die Sicherheit in Europa, sagte die Grünen-Politikerin vor Journalisten nach ihrem Gespräch mit Lawrow am Dienstag in Moskau. Dazu solle ein nächstes Treffen im Normandie-Format zusammenkommen - also auf Vermittlung Deutschlands und Frankreichs mit der Ukraine und Russland. Lawrow betonte, dass Russland sich dabei nicht als Konfliktpartei sehe. MOSKAU - Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat sich bei einem Treffen mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow für eine rasche Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen im Ukraine-Konflikt ausgesprochen. (Wirtschaft, 18.01.2022 - 13:37) weiterlesen...

Israel verteilt bis zu 30 Millionen Antigen-Tests an Bürger. Das Angebot richte sich vor allem an finanziell schwächere Bevölkerungsgruppen unter den etwa 9,4 Millionen Einwohnern, teilte die Regierung am Dienstag mit. So sollen vor allem Schüler, bedürftige Familien, Studenten und Senioren die Antigen-Testkits erhalten. Die Verteilung solle nächste Woche beginnen. Verantwortlich dafür seien unter anderem das Sozialhilfeministerium und das Heimatschutzkommando. TEL AVIV - Israel will bis zu 30 Millionen kostenlose Corona-Schnelltests an seine Bürger verteilen. (Wirtschaft, 18.01.2022 - 13:14) weiterlesen...

Katalonien hebt nächtliche Ausgehbeschränkung ab Freitag auf. BARCELONA - Katalonien im Nordosten Spaniens will die seit Weihnachten geltende nächtliche Ausgehbeschränkung trotz sehr hoher Infektionszahlen ab Freitag aufheben. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt zurzeit mit 2290 mehr als vier mal so hoch wie zum Zeitpunkt der Anordnung der Maßnahme, wie die Zeitung "El País" berichtete. Aber der rapide Anstieg der Zahlen habe sich zuletzt verlangsamt, begründete die Regionalregierung in Barcelona dem Bericht zufolge ihre Entscheidung. Das sei auch darauf zurückzuführen, dass die Feiertage, die in Spanien bis zum Dreikönigsfest am 6. Januar gingen und damit ein erhöhtes Ansteckungsrisiko darstellten, vorüber seien. Am 23. Dezember war die Inzidenz mit 506 angegeben worden. Katalonien hebt nächtliche Ausgehbeschränkung ab Freitag auf (Wirtschaft, 18.01.2022 - 12:49) weiterlesen...