Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Einzelhandel, Konsumgüter

LONDON - Die Nerven liegen blank: Der Streit zwischen London und Brüssel über den Sonderstatus der britischen Provinz Nordirland könnte nach Ansicht von Rechts- und Handelsexperten eskalieren.

12.10.2021 - 17:52:01

Experten warnen vor Handelskrieg. Die jüngsten Forderungen der Regierung in London zur Rolle des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im sogenannten Nordirland-Protokoll des Brexit-Vertrags seien praktisch nicht zu erfüllen, machte Holger Hestermeyer, Professor für Internationales Recht und Europarecht am King's College London, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag deutlich.

LONDON - Die Nerven liegen blank: Der Streit zwischen London und Brüssel über den Sonderstatus der britischen Provinz Nordirland droht zu eskalieren.

Nur einen Tag, bevor die EU mit Lösungsvorschlägen für den Streit um das sogenannte Nordirland-Protokoll aufwarten wollte, goss der britische Brexit-Minister David Frost noch einmal Öl ins Feuer. Bei einer Rede in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon warnte er die EU am Dienstag davor, einen "historischen Fehler" zu begehen, und forderte die Ablösung der als Teil des Brexit-Abkommens von London und Brüssel geschlossenen Vereinbarung.

Unter anderem verlangt Frost, die Rolle des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) als Instanz für die Überwachung der Regeln des Protokolls müsse enden - ein Punkt, der nach Ansicht von Experten aus Brüsseler Sicht nicht verhandelbar ist. Frost drohte auch erneut damit, das Protokoll durch einen Notfallmechanismus teilweise außer Kraft zu setzen. Die Hoffnungen auf eine Einigung in dem seit Monaten schwelenden Streit dürften damit weiter schwinden.

Die Forderung sei praktisch nicht zu erfüllen, machte Holger Hestermeyer, Professor für Internationales Recht und Europarecht am King's College London, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag deutlich. Die EU habe bei der Rolle des EuGH "rechtlich kaum Verhandlungsspielraum", was beiden Seiten bekannt sei. Im schlimmsten Fall könne der Streit zu einer Aufkündigung des Freihandelsabkommens führen, warnte Hestermeyer.

Auch andere Experten warnen vor einem drohenden Handelskrieg zwischen Brüssel und London. Der Analyst Mujtaba Rahman vom Beratungsunternehmen Eurasia Group glaubt, dass eine drastische Maßnahme von Seiten der EU immer wahrscheinlicher wird. Sollte London das Nordirland-Protokoll infrage stellen, stehe auch das Handelsabkommen auf der Kippe, schrieb Rahman auf Twitter.

Mit dem Nordirland-Protokoll gelang während der britischen Austrittsverhandlungen der Durchbruch im Streit um die frühere Bürgerkriegsregion. Das Abkommen sieht vor, dass die britische Provinz weiterhin den Regeln des EU-Binnenmarkts und der Zollunion folgt. Damit sollen eine harte Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Mitglied Republik Irland - und ein neuerlicher Ausbruch des Konflikts um eine Wiedervereinigung der Insel - verhindert werden.

Notwendig werden dadurch aber Kontrollen zwischen dem Rest des Vereinigten Königreichs und Nordirland. London will sich nämlich nicht mehr an EU-Standards binden. Waren, die von England, Schottland und Wales nach Nordirland gelangen, müssen nun angemeldet und teilweise kontrolliert werden. Einige Produkte wie zum Beispiel gekühltes Fleisch dürfen nach Ablauf einer Gnadenfrist gar nicht mehr eingeführt werden - die britische Presse bezeichnete den Streit daher auch als "Würstchenkrieg".

Wie blank die Nerven inzwischen liegen, zeigt ein nächtliches Twitter-Gefecht zwischen Irlands Außenminister Simon Coveney und Frost: Coveney warf Frost vor, immer neue Forderungen zu stellen. "Echte Frage: Will die britische Regierung eigentlich einen gemeinsam beschlossenen Weg vorwärts oder einen weiteren Zusammenbruch der Beziehungen?", schrieb Coveney am Sonntag in einem Tweet nach Mitternacht. Frost wollte das offenbar nicht auf sich sitzen lassen und antwortete - um halb zwei Uhr morgens - mit mehreren Kurznachrichten: Die Kritik am EuGH sei nicht neu, die Gegenseite habe einfach nicht richtig zugehört.

Den Anhängern der Union mit Großbritannien in Nordirland ist das Protokoll ein Dorn im Auge. Sie fürchten, dadurch vom Vereinigten Königreich abgekapselt zu werden. Die britische Regierung, die für die Kontrollen zuständig sein soll, hatte unter anderem bei Fleischprodukten eine zunächst gewährte Gnadenfrist einseitig verlängert. Ein von Brüssel eingeleitetes Vertragsverletzungsverfahren diesbezüglich liegt derzeit auf Eis.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson hatte das von ihm unterzeichnete Nordirland-Protokoll zunächst als großartigen Erfolg gefeiert. Mit der Einigung wurde der Weg frei für das Brexit-Abkommen und ein gefürchteter No-Deal-Brexit verhindert. Johnson wurde mit einem überwältigenden Sieg bei der Parlamentswahl im Dezember 2019 belohnt. Inzwischen klagt die Regierung in London aber immer mehr über die Konsequenzen des Protokolls und will nachverhandeln.

EU-Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic hatte stets betont, am Rahmen des Protokolls werde nicht gerüttelt, aber praktische Lösungsansätze versprochen. Erwartet wird, dass die Kommission am Mittwoch konkrete Vorschläge macht, um beispielsweise den Import von britischen Würsten und Medikamenten nach Nordirland zu ermöglichen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Luxusgüterkonzern Kering steigert Umsätze deutlich - Gucci hinter Erwartungen. Das war etwas mehr als von Experten geschätzt. Verglichen mit dem Vor-Corona-Quartal 2019 ging der Umsatz um ein Zehntel hoch. In Westeuropa und Japan erholten sich die Geschäfte zwar weiterhin, allerdings litten die Märkte nach wie vor unter dem weggebrochenen Tourismus, hieß es. PARIS - Eine rege Nachfrage vor allem aus Nordamerika hat dem französischen Luxusgüterunternehmen Kering notierte Konzern am Dienstag nach Börsenschluss in Paris mitteilte. (Boerse, 20.10.2021 - 09:43) weiterlesen...

Amazon springt auf 3D-Audio-Zug auf. Damit gerät Marktführer Spotify , der noch keine 3D-Musik im Angebot hat, stärker unter Druck, mit seinen Rivalen gleichzuziehen. Amazon bietet die Songs dabei sowohl im Format Dolby Atmos als auch in Sonys konkurrierendem 360 Audio, wie das Unternehmen am Dienstag bekanntgab. Apple setzt bisher ausschließlich auf Dolby Atmos. SEATTLE - Im Wettbewerb der Musikstreaming-Dienste folgt Amazon auf Apple mit der Einführung von dreidimensionalem Sound für alle Abo-Kunden. (Boerse, 19.10.2021 - 16:14) weiterlesen...

Branche: Keine Erholung bei britischer Lastwagenfahrerkrise in Sicht. "Von unseren Mitgliedern hören wir, dass sich die Lage überhaupt noch nicht beruhigt hat", sagte Duncan Buchanan vom Branchenverband Road Haulage Association am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss. Zwar seien eine Reihe von Maßnahmen angeschoben worden, etwa die Aufstockung von Ausbildungsangeboten und Fahrprüfungen. LONDON - Die britische Logistikbranche rechnet nicht mit einer schnellen Erholung des akuten Mangels an Lastwagenfahrern. (Wirtschaft, 19.10.2021 - 16:04) weiterlesen...

Expertin: Ende 'epidemischer Lage' wäre kontraproduktives Signal. "Die Infektionszahlen in Deutschland sind zu hoch und dürften weiter steigen, die Impfquote ist zu niedrig. Es ist Konsens über mehrere Fachrichtungen hinweg, dass wir noch Disziplin und Motivation zum Impfen und zum Einhalten von Maßnahmen brauchen", sagte die Immunologin Christine Falk am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. BERLIN - Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie hat auf Erwägungen zum Auslaufen der sogenannten "epidemischen Lage nationaler Tragweite" in der Corona-Pandemie mit Erstaunen und Kritik reagiert. (Boerse, 19.10.2021 - 14:22) weiterlesen...

WDH/Buchhandelskette Thalia wächst dank Online-Erfolgen. (Im ersten Satz muss es größter rpt größter heißen.) WDH/Buchhandelskette Thalia wächst dank Online-Erfolgen (Boerse, 19.10.2021 - 14:03) weiterlesen...

Umfrage: Steigende Energiepreise zwingen jeden Vierten zum Sparen. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv hervor. 23 Prozent müssen demnach anderswo stark oder sehr stark sparen, wenn die Preise für Strom, Gas, Sprit und Co. weiter nach oben gehen. Weitere 44 Prozent müssten dann zumindest etwas auf die Ausgabenbremse drücken. BERLIN - Fast ein Viertel der Menschen in Deutschland müsste seine Ausgaben bei weiter steigenden Energiepreisen nach eigenen Angaben stark zurückfahren. (Boerse, 19.10.2021 - 13:59) weiterlesen...