Deutschland, Branchen

LINZ - In Österreich ist ein Zivilprozess gegen die Familie des früheren Drogeriemarktunternehmers Anton Schlecker bis zur Vorlage weiterer Dokumente vertagt worden.

12.12.2017 - 13:59:25

Neue Runde um Schlecker-Pleite: Zivilprozess in Österreich. Das Landgericht Linz habe beide Parteien zum Auftakt aufgefordert, ihre Argumente noch einmal schriftlich zu präzisieren, sagte eine Gerichtssprecherin am Dienstag. Dazu hätten sie bis Ende Januar 2018 Zeit.

Damit werde es wohl erst im Frühjahr 2018 zu einer Fortsetzung des Prozesses mit dem Auftritt erster Zeugen kommen, meinte der Insolvenzverwalter der Schlecker-Nachfolgefirma Dayli, Rudolf Mitterlehner. Er will 20 Millionen Euro Schadenersatz von der Ehefrau von Anton Schlecker sowie von dessen beiden Kindern erstreiten.

Als Mitglieder im Aufsichtsrat von Schlecker haben sie nach Auffassung des Klägers zugelassen, dass zwischen 2008 und 2011 insgesamt 174 Millionen Euro von der österreichischen Tochterfirma an das deutsche Mutterunternehmen abgeflossen sind. Dabei habe es sich um unzulässige Kredite gehandelt. "Das Geld hat in Österreich gefehlt. Der Abfluss war existenzbedrohend", meinte Mitterlehner. Mit diesen Mitteln wäre auch das Überleben von Dayli leichter gewesen.

Dayli hatte im August 2012 rund 1000 Schlecker-Filialen in Österreich übernommen. Ein knappes Jahr später musste auch die Nachfolgefirma Insolvenz anmelden. Davon waren 3500 Beschäftigte betroffen. Es war eine der größten Handelspleiten in der Geschichte der Alpenrepublik. Mehr als 1000 Gläubiger haben bisher etwa zehn Prozent ihrer Forderungen an Dayli über insgesamt 114 Millionen Euro erhalten. Für die Gläubiger gehe es in dem Verfahren um einen "sehr großen Brocken", so Mitterlehner weiter.

Vor zwei Wochen war Anton Schlecker in einem Strafprozess in Stuttgart wegen Bankrotts zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie zu einer Geldstrafe von 54 000 Euro verurteilt worden. Sohn Lars Schlecker erhielt zwei Jahre und neun Monate, Tochter Meike zwei Jahre und acht Monate Haft. Sie haben gegen das Urteil Berufung eingelegt.

@ dpa.de

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