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BASF SE, DE000BASF111

LEVERKUSEN - Bayer nimmt umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro in die Hand, um den Großteil seiner rechtlichen Probleme in den USA zu lösen.

24.06.2020 - 23:22:44

Bayer erzielt Milliardenvergleiche mit US-Klägern. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern teilte am Mittwoch in Leverkusen mit, sich mit zahlreichen US-Klägern auf Vergleiche geeinigt zu haben. Es geht vor allem um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat, aber auch um andere Vorwürfe. Durch den Kompromiss sollen laut Bayer etwa 75 Prozent der aktuellen Roundup-Verfahren abgeschlossen werden - mit insgesamt etwa 125 000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen. Die Anleger freute es: Die Aktien legten am Abend auf der Handelsplattform Tradegate deutlich zu.

zu diesem Vergleich.

Weitere etwa 820 Millionen Dollar (728 Mio Euro) nimmt Bayer in die Hand, um den wesentlichen Teil der US-Verfahren wegen des Umweltgifts PCB beizulegen. Hierbei geht es um mit Chemikalien verseuchte Gewässer. Kläger hatten dem inzwischen zu Bayer gehörenden US-Unternehmen Monsanto vorgeworfen, verheerende Folgen toxischer Schadstoffe für Natur und Lebewesen verschwiegen zu haben. Monsanto sei von 1935 bis 1977 der einzige Hersteller von Polychlorierten Biphenylen (PCB) in den USA gewesen. 1979 wurde die Chemikalie dort verboten. In Deutschland ist dies seit Ende der 1980er Jahre der Fall.

Die teuren Rechtskosten, die Bayer nun in Kauf nimmt, um reinen Tisch zu machen, sind allein der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto geschuldet. Der Leverkusener Dax -Konzern hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des Unternehmens immense Rechtsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat und anderen Agrarprodukten ins Haus geholt. Nachdem Bayer in den ersten drei Glyphosat-Prozessen in den USA hohe Schadenersatz-Urteile kassiert hatte, warfen immer mehr Menschen dem Konzern vor, durch die Verwendung von Monsantos Unkrautvernichtern Krebs bekommen zu haben.

Die Klagen stützen sich wesentlich auf eine Einschätzung der WHO-Krebsforschungsagentur IARC, die Glyphosat 2015 - im Gegensatz zu anderen Behörden - als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen eingestuft hatte. Die Leverkusener wiesen die Vorwürfe stets zurück und bekamen dabei Rückendeckung von der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat bei vorschriftsmäßigem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko einstuft. Die Berufungsprozesse zu den drei bereits kassierten Schuldsprüchen in den USA sollen trotz des Vergleichs weiterlaufen.

Die Glyphosat-Klagewelle hatte Bayer an der Börse unter Druck und die Konzernführung um Vorstandschef Werner Baumann in die Kritik gebracht. Man könne sich zwar darüber ärgern, für ein eigentlich unbedenkliches Produkt eine riesige Menge Geld aufbringen zu müssen, sagte Baumann nach der Verkündung des Vergleichs. "Ich bin aber sehr erleichtert, dass wir diese Phase der Unsicherheit nun hinter uns lassen können."

Finanziell ist der Konzern gut gerüstet: Allein der Verkauf der Tiermedizin soll Bayer 7,6 Milliarden Dollar einbringen - den Großteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco. Zudem soll für die Vergleichszahlungen mit dem aufgekommen werden, was in der Kasse sowie mit dem künftigen freien Mittelfzufluss (Free Cashflow) aus dem Tagesgeschäft, hieß es von Bayer. Auch könnten Anleihen begeben werden. Dabei geht Bayer laut Mitteilung davon aus, dass im Zusammengang mit den Einigungen 2020 sowie 2021 jeweils maximal 5 Milliarden US-Dollar fließen werden, der Rest dann 2022 oder später.

Bei Anlegern sorgte die Einigung mit US-Klägern für Erleichterung - Bayers Aktien legten auf der Handelsplattform Tradegate ab Abend im Vergleich zum Xetra-Schluss um fast 6 Prozent auf 74,15 Euro zu. Die Freude der Aktionäre scheint verständlich. So lastet der Glyphosat-Streit schon länger auf den Papieren. Mit dem ersten Urteil gegen Bayer August 2018 begann eine Talfahrt. Der Kurs erholte sich erst wieder schrittweise, nachdem sich ein Vergleich zumindest vage abgezeichnet hatte. Aktuell kosten die Papiere aber immer noch mehr als ein Fünftel weniger als vor dem ersten Urteil vor knapp zwei Jahren. Experte Gunther Zechmann vom US-Analysehaus Bernstein wertete indes vor allem die Dicamba-Einigung positiv. Die habe wirklich überrascht, während der Roundup-Kompromiss im Rahmen der Markterwartungen liege.

@ dpa.de