Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Produktion, Absatz

KORBACH / KASSEL / BERLIN - Erst kamen die Lebensmittelkontrolleure, dann die Reporter - jetzt ist es still auf dem Gelände der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH.

08.10.2019 - 17:30:24

Foodwatch will Weg der Wilke-Wurst transparent machen. Der Himmel ist grau, es nieselt. Der Betrieb mit 200 Mitarbeitern ist geschlossen und hat vorläufige Insolvenz angemeldet. Nur vereinzelt fahren Autos vor. Vor einer Woche begann hier im nordhessischen Twistetal-Berndorf der Fall Wilke.

Mehrfach waren Listerien in Wilke-Produkten entdeckt worden. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Sie sind laut Behörden für zwei Todesfälle in Südhessen verantwortlich, 37 weitere Krankheitsfälle hängen möglicherweise mit Wilke-Fleisch zusammen.

Vielleicht sind es mehr Todesfälle: Wie am Dienstag bekannt wurde, fanden Behörden in Niedersachsen bei drei Erkrankten einen Keimtyp, der genetisch eng mit den Listerien verwandt ist, die in den Waren der Firma Wilke nachgewiesen wurden. Die drei erkrankten Menschen sind zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war.

Eine Woche nach Schließung des Betriebs, wird vor allem um eine Frage gerungen: Wohin wurde die Wilke-Wurst geliefert? Antreiber der Debatte ist die Verbraucherorganisation Foodwatch. Ihr zentrales Argument: Trotz einer weltweiten Rückrufaktion können sich Verbraucher nicht sicher sein, keine Wilke-Wurst auf dem Teller zu haben.

Zwar haben Behörden mittlerweile auf Druck von Foodwatch Listen mit Hunderten von betroffenen Produkten herausgegeben. Doch das ändere nichts. "Die Ware ging schließlich auch undeklariert in Restaurants, Kantinen oder an Wursttheken in den Verkauf", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Offen sei zudem, ob Wilke an die Lebensmittelindustrie zur Weiterverarbeitung geliefert habe.

Deshalb hatte Foodwatch den Behörden eine Frist gesetzt: "Wir wollen wissen, was den Behörden bisher über die Verkaufs- und Abgabestellen der zurückgerufenen Wilke-Produkte bekannt ist", sagte Rücker. Die Frist lief am Dienstagmittag aus - ohne Antwort auf den Eilantrag von Foodwatch und ohne Herausgabe der Kundenliste. Die Organisation reichte deswegen nach eigenen Angaben einen Eil-Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den Landkreis Waldeck-Frankenberg beim Verwaltungsgericht Kassel ein.

Das hessische Umweltministerium hatte eine Antwort an Foodwatch angekündigt. Es erklärte aber auch, dass eine Liste, wie sie gefordert werde, nicht existiere. Mit der Aufklärungsarbeit der Behörden ist Foodwatch unzufrieden. Die Verbraucherorganisation wirft dem Land unter anderem vor, bereits am 12. August vom Listerien-Verdacht beim Wursthersteller Wilke erfahren zu haben. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg als zuständige Behörde für die Lebensmittelüberwachung im Fall Wilke und das Land Hessen haben eine Untersuchung der Vorgänge angekündigt. Linke, FDP und SPD fordern Aufklärung von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne).

Was bei Wilke wirklich los war, dazu äußern sich die Behörden vage: Das Unternehmen sei "seiner Verantwortung als Lebensmittelunternehmen nicht vollumfänglich nachgekommen", hieß es. Ekelfotos und Medienbericht über eklatante Hygienemängel kommentierten sie bisher nicht. Unklar bleibt, was im Untersuchungsbericht der "Task-Force Lebensmittelsicherheit" des Landes Hessen steht. Spezialisten hatten den Betrieb untersucht. Doch der Bericht bleibt vorerst unter Verschluss und ging an die Staatsanwaltschaft Kassel. Die ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, äußerte sich aber bisher nicht.

Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte Wilke keinen guten Ruf: Die Belegschaft sei unter Druck gesetzt worden, es habe Schikanen gegen Mitarbeiter gegeben, der Krankenstand sei hoch gewesen. "Das war ein Regime des Schreckens und der Angst", sagte NGG-Geschäftsführer Andreas Kampmann. Er kenne kein anderes Unternehmen in Nordhessen, dass so geführt worden sei. Wilke selbst reagiert seit der Schließung nicht mehr auf Anfragen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Deutschland und Frankreich wollen Schutz von geistigem Eigentum. Die im Frühjahr auf EU-Ebene verabschiedete Reform sei eine gute Sache, aber es müsse künftig schnellere Sanktionsmechanismen geben, falls sich jemand nicht daran halte, forderte Frankreich Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch in Toulouse nach Abschluss des Deutsch-Französischen Ministerrates. Einige Akteure wie Google würden sich nicht an die geschaffenen Regeln halten. Frankreich und Deutschland seien entschlossen, die neue Regelung umzusetzen. TOULOUSE - Deutschland und Frankreich wollen geistiges Eigentum in Europa schützen und Internetgiganten wie Google die Stirn bieten. (Boerse, 16.10.2019 - 19:24) weiterlesen...

Macron: Berlin und Paris einigen sich auf Regeln für Rüstungsexporte. Es gebe dazu eine "wichtige Vereinbarung", die rechtlich bindend sei, teilte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron am Mittwoch in Toulouse nach Abschluss des Deutsch-Französischen Ministerrates mit. TOULOUSE - Nach einem langen Ringen haben sich Berlin und Paris auf gemeinsame Regeln für Rüstungsexporte geeinigt. (Boerse, 16.10.2019 - 19:07) weiterlesen...

Merkel und Macron wollen Klimaschutz-Politik der EU vorantreiben. In einer Erklärung nach dem deutsch-französischen Ministerrat in Toulouse heißt es, beide Länder wollten, dass die Europäische Union bis zum Jahr 2050 CO2-Neutralität erreiche. Es sollten Wege ausgelotet werden, um eine sogenannte EU-Grenzausgleichssteuer einzuführen. Diese solle WTO-konform sei, also mit den Regeln der Welthandelsorganisation übereinstimmen. TOULOUSE - Deutschland und Frankreich wollen die Klimaschutz-Politik der Europäischen Union vorantreiben. (Wirtschaft, 16.10.2019 - 19:07) weiterlesen...

Ryanair zieht Flugzeuge aus Hamburg ab und streicht sieben Routen. HAMBURG - Im sich verschärfenden Wettbewerb der Billig-Flugreisen schließt die irische Gesellschaft Ryanair ihre Basis mit zwei stationierten Flugzeugen in Hamburg zum 8. Januar 2020. Wie der Flughafen Hamburg am Mittwoch mitteilte, werden nach seiner Kenntnis sieben Routen zum Sommerflugplan 2020 gestrichen: Faro, Krakau, Lissabon, Gran Canaria, Oslo-Torp, Verona und Zadar. Ryanair zieht Flugzeuge aus Hamburg ab und streicht sieben Routen (Boerse, 16.10.2019 - 17:34) weiterlesen...

Deutschland dringt auf Abbau von alten Ölplattformen in Nordsee. Zudem soll der Konzern die darauf gelagerte große Menge Altöl entsorgen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums am Mittwoch in Berlin. Dazu gebe es am Freitag in London eine Sondersitzung der Anrainerstaaten. Der Sprecher ließ offen, ob Shell verpflichtet werden könne, die älteren Plattformen abzubauen und das Öl zu entsorgen. BERLIN - Deutschland drängt den Shell-Konzern , mehrere alte, ausgediente Ölplattformen in der Nordsee und im Nordostatlantik vollständig abzubauen. (Boerse, 16.10.2019 - 16:50) weiterlesen...

Grundsatz-Urteil zu Internet-Rechtsdienstleistern kommt Ende November. KARLSRUHE - Internet-Dienstleister wie Wenigermiete.de bewegen sich bislang in einer rechtlichen Grauzone - nun prüft der Bundesgerichtshof (BGH) das umstrittene Geschäftsmodell. Die Portale setzen für ihre Nutzer Verbraucherrechte durch, gezahlt wird nur bei Erfolg. Das wirft viele schwierige Fragen auf, wie sich am Mittwoch in der Verhandlung in Karlsruhe zeigte. Ihr Urteil wollen die Richter am 27. November verkünden. (Az. VIII ZR 285/18) Grundsatz-Urteil zu Internet-Rechtsdienstleistern kommt Ende November (Boerse, 16.10.2019 - 16:47) weiterlesen...