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Wirecard, DE0007472060

KÖLN / LONDON - Ein Ende des Betriebs bei dem von einem Bilanzskandal erschütterten Zahldienstleister Wirecard würde den deutschen Einzelhandel wohl nicht in größerem Ausmaß treffen.

30.06.2020 - 16:47:23

Wirecard-Kollaps würde Handel nicht in größerem Ausmaß treffen. Das seit Montag unter Regie des vorläufigen Insolvenzverwalters stehende Unternehmen hat nach Daten des Handelsforschungsinstituts EHI Retail Institute nur einen relativ geringen Marktanteil bei Kreditkartenzahlungen.

Für die Girocard als meist genutztes bargeldloses Zahlungsmittel habe Wirecard keine Netzbetreiberlizenz, sagte Horst Rüter, Leiter des Forschungsbereichs Zahlungssysteme und Mitglied der Geschäftsleitung. Auch bei elektronischen Lastschriftverfahren sei Wirecard nicht vertreten, sagte Rüter am Dienstag auf Anfrage.

Zahlungen per Kreditkarte dagegen laufen durchaus über Wirecard. Doch spielen Kreditkarten laut EHI bei den Zahlungsarten im Einzelhandel mit einem Anteil von 7,6 Prozent eine untergeordnete Rolle - und Wirecard hat in dieser Hinsicht ohnehin keine dominante Rolle.

"Wirecard ist nicht unter den größten Anbietern", sagte Rüter. "Der Anteil von Wirecard ist deutlich unter fünf Prozent." Mehrere Konkurrenten sind demnach deutlich größer, darunter Concardis, Payone und Wordline. Insolvenz beantragt hat bisher die Muttergesellschaft Wirecard AG, ausgenommen bleiben soll die Wirecard-Bank.

"Sowohl größere als auch kleinere Händler sind Kunden bei Wirecard", schrieb Birgit Janik, Leiterin Steuern, Finanzen und Controlling beim E-Commerce-Verband BEVH, in ihrer Antwort auf eine dpa-Anfrage. Demnach zieht der Insolvenzantrag von Wirecard im Handel Fragen und Herausforderungen nach sich - insbesondere für den Fall, dass der Insolvenzantrag mangels Masse abgelehnt werden sollte. "In diesem Fall haben die Händler keinen Vertragspartner mehr für den Zahlungsverkehr und die vereinbarten Zahlarten."

Im Gegensatz zum stationären Handel sei es im Onlinehandel häufiger üblich, mit mehreren Zahlungsdienstleistern zusammenzuarbeiten. "Auch die Umstellung auf einen anderen Dienstleister kann sehr kurzfristig erfolgen", schrieb Janik auf Anfrage.

Die Zukunft von Wirecard ist ungewiss, seit der Vorstand vergangene Woche Insolvenz beantragte - und meldete, dass "die Fortführbarkeit des Unternehmens nicht sichergestellt" sei. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé prüft im Auftrag des Münchner Amtsgerichts die Lage. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat das Unternehmen seiner Belegschaft in Deutschland die Junigehälter nicht gezahlt, eine Bestätigung dafür gab es nicht. Bei Firmenpleiten können die Mitarbeiter nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens Insolvenzgeld beantragen.

In Großbritannien hatte die Finanzaufsicht FCA vergangene Woche die dortige Wirecard-Tochter Card Solutions stillgelegt. Folge war, dass Tausende Briten ihre Finanz-Apps nicht mehr nutzen konnten, weil die dahinter stehenden Kreditkartenzahlungen über Wirecard liefen. Die FCA hob die Sperre am Dienstag wieder auf.

Derweil gibt es Auflösungserscheinungen im Konzern. Die US-Tochtergesellschaft sucht auf eigene Faust einen Investor, wie das US-Unternehmen mitteilte. "Wirecard North America ist eine selbsttragende Einheit, die weitgehend autonom von Wirecard ist." Im Wirecard-Geschäftsbericht 2018 ist die US-Gesellschaft allerdings als hundertprozentige Tochter der deutschen Konzernmutter aufgeführt.

Im heimischen Bayern forderten FDP und Grüne Auskunft von der Staatsregierung über Geschäftsbeziehungen zwischen Wirecard und dem Freistaat und den möglichen Auswirkungen des Skandals. Laut bayerischem Wirtschaftsministerium halfen Mitarbeiter des Wirecard-Callcenters bei der Digitalisierung von Corona-Soforthilfeanträgen. Dieses Projekt ist demnach jedoch mittlerweile beendet. "Das Wirtschaftsministerium hat keine weiteren Geschäftsbeziehungen zu Wirecard", erklärte ein Sprecher.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Wirecard-Insolvenzverwalter: Reges Interesse an Unternehmensteilen. Für das Kerngeschäft mit der Herausgabe und Akzeptanz von Kreditkarten sowie davon unabhängige Geschäftsbereiche des Konzerns hätten sich zwischenzeitlich bereits mehr als 100 Interessenten gemeldet, teilte Rechtsanwalt Michael Jaffé am Dienstag im Anschluss an eine Sitzung des vorläufigen Gläubigerausschusses mit. Der heruntergeprügelte Kurs machte auf die Nachricht hin einen Sprung. ASCHHEIM - Für die Teile des insolventen Zahlungsabwicklers Wirecard gibt es nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters ein reges Interesse unter Investoren. (Boerse, 08.07.2020 - 10:47) weiterlesen...

Deutsche-Bank-Chef zu Wirecard: Hohe Hürden für mögliche Zukäufe. "Wenn es dann eine potenzielle Gelegenheit gibt, sich mit Technologie zu befassen, bewerten wir das natürlich." Sewing betonte jedoch, Zukäufe müssten stets Wert für die Aktionäre schaffen. Vor allem aber müssten die neuen Teile besser sein als das eigene Angebot. "Das ist eine hohe Hürde", sagte Sewing. FRANKFURT/ASCHHEIM - Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing dämpft die Erwartungen an einen möglichen Kauf von Teilen des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard als eine der führenden Banken im Zahlungsverkehr weltweit, sagte Sewing am Dienstag in einer Videokonferenz. (Boerse, 08.07.2020 - 10:47) weiterlesen...

AKTIE IM FOKUS: Wirecard erneut Dax-Ende - prozentual zweistelliger Verlust. Bereits am Montag hatten die Anteilsscheine des nach einem Bilanzskandal ums Überleben kämpfenden Zahlungsdienstleisters rund 20 Prozent verloren. Wegen der niedrigen Kursbasis fallen die prozentualen Kursschwankungen bei Wirecard mitunter heftig aus. FRANKFURT - Die stark schwankenden Aktien von Wirecard sind am Dienstag deutlich unter Druck geblieben und haben zuletzt als klares Schlusslicht im schwachen Dax rund 17 Prozent auf 2,126 Euro eingebüßt. (Boerse, 08.07.2020 - 10:47) weiterlesen...

Experte: EY-Prüfberichte zu Wirecard könnten bald eingesehen werden. Das könnte im Fall Wirecard große Bedeutung haben, sagt Wirtschaftsprofessor Kai-Uwe Marten von der Universität Ulm. Seines Wissens nach wäre es das erste Mal, dass dieses Recht angewandt würde. Eingeführt wurde der entsprechende Paragraf 321a des Handelsgesetzbuches vor 16 Jahren infolge diverser Skandale. ULM - Gläubiger und Aktionäre haben unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, die normalerweise streng geheimen Abschlussberichte von Wirtschaftsprüfern einzusehen. (Boerse, 08.07.2020 - 10:47) weiterlesen...

Weitere Festnahme bei Wirecard. Der Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Cardsystems Middle East FZ-LLC mit Sitz in Dubai sei am Montagmorgen festgenommen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft München. Er sei zuvor aus Dubai angereist und habe sich dem Verfahren gestellt. Nachdem er als Beschuldigter vernommen worden sei, habe man ihn aufgrund eines bereits zuvor beantragten Haftbefehls festgenommen. Am Nachmittag wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Der Haftbefehl stützt sich laut Staatsanwaltschaft unter anderem "auf den dringenden Tatverdacht des gemeinschaftlichen Betrugs und versuchten gemeinschaftlichen Betrugs jeweils im besonders schweren Fall sowie den Verdacht der Beihilfe zu anderen Straftaten". MÜNCHEN - Im Wirecard -Skandal hat es eine weitere Festnahme gegeben. (Boerse, 06.07.2020 - 16:22) weiterlesen...

'FT': Wirecards Kerngeschäft seit Jahren mit Verlusten. In Europa und Amerika hätten die direkt unter Wirecard-Kontrolle stehenden Gesellschaften seit Jahren rote Zahlen eingefahren, berichtete die "Financial Times" ("FT") am Sonntag unter Berufung auf Anhänge zur Sonderbuchprüfung durch KPMG. LONDON/ASCHHEIM - Die mutmaßlichen Luftbuchungen beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard sollten laut einem Pressebericht wohl auch auflaufende Verluste im eigenen Kerngeschäft kaschieren. (Boerse, 05.07.2020 - 20:04) weiterlesen...