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Einzelhandel, Konsumgüter

KÖLN - Deutschlands bekanntestes duales System, der Grüne Punkt aus Köln, fordert neue Leitplanken für Verpackungshersteller.

27.06.2021 - 10:34:35

Der Grüne Punkt fordert Umsteuern in der Abfallwirtschaft. Damit die Verpackungen recyclingfähig konzipiert werden und weniger Plastik aussortiert und verbrannt wird, sollten die Hersteller stärker in die Pflicht genommen werden, sagte der Geschäftsführer der Firma DSD - Duales System Holding, Michael Wiener, der dpa. DSD hält das Markenrecht am Grünen Punkt. Wiener plädiert für einen Recyclingfonds, in dem alle Hersteller von Verpackungen einzahlen: Wer gut recyclingfähige Verpackungen auf den Markt bringt, bekommt später Geld zurück. Wessen Verpackungen hingegen nicht recyclingfähig sind, der bekommt keine Rückerstattung.

"Dadurch würde es finanziell attraktiver, auf die richtigen Verpackungen zu setzen - also die, deren Bestandteile gut sortiert und zu Rezyklaten verarbeitet werden können, um wieder zu Verpackungen zu werden", sagt der Firmenchef. DSD hat diesen Vorschlag schon vor einigen Jahren gemacht, ohne groß auf Resonanz zu stoßen. Angesichts eines Paragrafen im Verpackungsgesetz, demzufolge die Bundesregierung Ende dieses Jahres über weitere Schritte zur Verbesserung der Lage entscheiden soll, sieht Manager die Zeit nun gekommen zur Umsetzung des Vorschlags durch den Gesetzgeber.

Der Grüne Punkt wurde vor gut drei Jahrzehnten gegründet. Die Firma organisiert die Abholung, Sortierung und Verwertung von Verpackungsabfall beim privaten Endverbraucher. Dafür bekommt sie Geld von Produktherstellern und bezahlt hiermit wiederum Müllabfuhren und Sortieranlagenbetreiber. In der Nischenbranche der dualen Systeme liefern sich insgesamt elf Firmen einen harten Wettbewerb.

Mit der Recyclingfonds-Forderung spricht DSD nicht für die ganze Systembetreiber-Branche. Andere dualen Systeme haben andere Vorstellungen. Immerhin gab es nach Absprachen einen Branchenkonsens für eine Forderung, der zufolge Hersteller von nicht recyclingfähigen Verpackungen einen Zuschlag zahlen sollten.

Für die ganze Recyclingbranche sind Verpackungen ein Ärgernis, die aus verschiedenen Bestandteilen sind und die nur sehr aufwendig maschinell zu trennen sind. Ein Beispiel sind tiefgezogene Plastikschalen aus PET, in denen Wurst oder Käse liegen - die Verschlussfolie oben ist aus einer anderen Plastikart, diese PET-Schalen mit mehrlagiger Polypropylen-Folie oben drauf sind nur schwer zu recyceln - ein Großteil landet in der Müllverbrennung.

Wiener sind vor allem "Faserverbundverpackungen" ein Dorn im Auge, die immer öfter Plastikverpackungen ersetzen. Hierbei wird nicht nur Pappe eingesetzt, sondern auch Kunststoffe für die Innenseite der Pappe und für ein transparentes Guckfenster, damit der Inhalt zu sehen ist. "Durch die Haptik des Papiers soll sich der Verbraucher besser fühlen, die Verpackung wirkt für ihn nachhaltiger - dabei ist das Gegenteil der Fall", moniert der Firmenchef.

Weil die Bestandteile ineinander verschmolzen sind, wanderten solche Verpackungen letztlich alle in die energetischen Verwertung, werden also verbrannt. "Es gibt eine Flucht aus dem reinen Kunststoff hin zur Verbundverpackung." Diese Entwicklung sei ein Fehler, weil solche Verpackungen ökologisch fragwürdig seien und die angepeilte Kreislaufwirtschaft torpedierten.

Ein Knackpunkt in dem Recyclingfonds-Vorschlag vom Grünen Punkt ist die Frage, nach welchen Kriterien Verpackungen in gut und schlecht recycelbar eingestuft werden. Manager Wiener spricht sich dafür aus, dass ein unabhängiger Dritter dies entscheiden sollte. So wie der Tüv und die Dekra etwa für die Autobranche als Prüfunternehmen unterwegs sind, wäre eine externe Instanz auch hierfür möglich. Der separate Vorschlag der Systembetreiber-Branche sieht ebenfalls einen unabhängigen Dritten vor.

Wettbewerber des Grünen Punkts sind Teil von großen Konzernen - Interseroh gehört zu Alba und Prezero zur Schwarz-Gruppe (Lidl). 2018 wollte Deutschlands größter Abfallkonzern Remondis den Grünen Punkt übernehmen, das Kartellamt untersagte die Übernahme aber.

DSD hat schwierige Jahre hinter sich. Im Jahr 2019 kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 501 Millionen Euro und schaffte damit eine schwarze Null. 2020 sackte der Erlös auf knapp 400 Millionen Euro ab und es wurde nach Firmenangaben ein Verlust von 6 Millionen Euro verbucht.

@ dpa.de

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