Medien, Produktion

KIEL - Nach Vorwürfen gegen redaktionelle Führungskräfte des Norddeutschen Rundfunks (NDR) am Standort Kiel leitet der unabhängige Landesrundfunkrat Schleswig-Holstein eine Prüfung ein.

30.08.2022 - 14:56:30

NDR-Rundfunkrat prüft Vorwürfe in Kieler Redaktion. "Wir als alleinzuständiges Kontrollgremium werden diese Prüfung durchführen und dort, wo es notwendig ist, externen Sachverstand hinzuziehen. Wir nehmen die erhobenen Vorwürfe sehr ernst", sagte die Vorsitzende Laura Pooth am späten Montagabend nach einer Sondersitzung. Die Gremiumsmitglieder werden demnach Unterlagen und Informationen einholen und die erforderlichen Gespräche führen.

Der Fall dreht sich um Vorwürfe im Zusammenhang mit der Politik-Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen ARD-Senders. Das Online-Medium "Business Insider" und danach der "Stern" hatten über Vorwürfe berichtet, wonach es eine Art Filter durch die Vorgesetzten in der Redaktion geben könnte. Dabei ging es beispielsweise um ein Interview, das ein NDR-Journalist habe führen wollen, was seine Vorgesetzten aber abgelehnt hätten. Rundfunkratsvorsitzende Pooth sagte weiter zu der Prüfung: "Es darf selbstverständlich keine "politischen Filter" oder eine Arbeitsumgebung geben, die die unangemessene Einflussnahme oder das Durchregieren Einzelner ermöglicht." Es gilt bis zur Aufklärung der Vorwürfe die Unschuldsvermutung.

Der Rundfunkrat ist beim NDR für die Überwachung der Programmarbeit zuständig. Das Gremium setzt sich aus ehrenamtlichen Vertretern etwa aus Verbänden, Politik, Gesellschaft und Sport zusammen. Diese sollen quasi die Breite der Gesellschaft repräsentieren.

In einem Schreiben an die Funkhaus-Spitze forderten zahlreiche NDR-Mitarbeiter die lückenlose und transparente Aufarbeitung aller Vorwürfe. Es gehe um die Reputation des Senders. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag und über das zuvor der "Stern" berichtete, war auch die Rede von verloren gegangenem Vertrauen.

Der Deutsche Journalisten-Verband Nord (DJV) betonte, allein der Eindruck, dass es einen Eingriff in die politische Berichterstattung gegeben haben könnte, schade dem Sender - dessen Kapital das Vertrauen in unabhängigen Journalismus sei.

Der Chefredakteur des NDR für Schleswig-Holstein, Norbert Lorentzen, hatte zu den Berichten gesagt, man weise den "Vorwurf politischer Einflussnahme auf unsere Programme entschieden zurück". Ähnlich hatte sich der ARD-Sender NDR geäußert. "Den Vorwurf, es gebe einen "politischen Filter" im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein, weist der NDR zurück. Die Berichterstattung ist unvoreingenommen und unabhängig." Zugleich sei man weiter in Gesprächen mit Mitarbeitern.

Inzwischen gab der NDR bekannt, dass der Chefredakteur und die Politik-Leiterin in Schleswig-Holstein nicht mehr in die Berichterstattung über die Vorgänge im eigenen Haus eingebunden seien. Darüber wurde auch im NDR Fernsehen berichtet.

Der ganze Fall hatte hier seinen Anfang genommen: Im Frühjahr 2020 hatte Ministerpräsident Daniel Günther seinen Innenminister und CDU-Kollegen Hans-Joachim Grote entlassen und das mit einem Vertrauensverlust begründet, weil er sich von ihm falsch über dessen Kommunikation mit einem Polizisten und einem Journalisten informiert fühlte. Grote bestritt Günthers Vorwürfe.

Der NDR-Journalist wollte den Ex-Innenminister interviewen. Der Redaktionsausschuss befasste sich mit dem Fall und kam in einem Bericht zu dem Schluss, dass das Interview mit dem ehemaligen Landesminister Grote hätte geführt werden müssen. Zugleich hieß es: "Den Verdacht, dass eine politische Motivation hinter der Absage des Interviews stehen könnte, macht sich der Redaktionsausschuss nicht zu eigen. Der Ausschuss sieht aber die Gefahr, dass so ein Verdacht entstehen könnte, wenn Fälle wie dieser nicht gründlich genug aufgeklärt werden." In den Medienberichten kamen weitere Vorwürfe hinzu.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Nord Stream 2: Druckabfall in Gaspipeline - Ursache bisher unklar. Es sei ein Druckverlust in Röhre A festgestellt worden, die zuständigen Marinebehörden in Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Russland seien sofort informiert worden, teilte der Sprecher des Pipeline-Betreibers Nord Stream 2 AG am Montag mit. Die Untersuchung des Vorfalls dauere an. LUBMIN - In der Nacht zum Montag hat es in der Gaspipeline Nord Stream 2 nach Angaben des Betreibers einen Druckabfall gegeben. (Boerse, 26.09.2022 - 13:35) weiterlesen...

Kremlsprecher räumt Verstöße gegen Mobilmachung ein. "In der Tat gibt es Fälle, in denen gegen das Dekret (von Präsident Wladimir Putin) verstoßen wird", sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Montag nach Angaben der Agentur Interfax. MOSKAU - Angesichts zahlreicher Berichte über Zwangsmaßnahmen und Gewalt bei der Rekrutierung von Reservisten hat der Kreml Verstöße bei der Teilmobilmachung eingeräumt. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 13:33) weiterlesen...

SPD-Politiker Post nach Wahl in Italien bestürzt. "Dieser Tag ist ein bitterer Tag für alle, die ein starkes und demokratisches Europa wollen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion am Montag laut einer Mitteilung. "Dass Italien als europäisches Gründungsland und achtgrößte Industrienation der Welt nun absehbar von einer Allianz aus Neofaschisten, Rechtsnationalen und Rechtspopulisten regiert werden dürfte", sei eine schwere Bürde für den Zusammenhalt in Europa. BERLIN - Nach dem Wahlsieg der rechtsradikalen Partei Fratelli d'Italia hat sich der SPD-Politiker Achim Post konsterniert gezeigt. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 13:31) weiterlesen...

Seoul: China und Nordkorea nehmen offenbar Frachtverkehr wieder auf. Es gebe Hinweise dafür, dass der grenzüberschreitende Güterzugverkehr wieder aufgenommen worden sei, teilte das Vereinigungsministerium in Seoul am Montag mit. Es sei jedoch noch unklar, ob es wieder einen regelmäßigen Gütertransport auf der Schiene zwischen beiden Ländern gebe. Weitere Details nannte die Behörde nicht. SEOUL - Nach monatelanger Unterbrechung transportiert China nach südkoreanischen Angaben offenbar wieder per Eisenbahn Güter ins benachbarte Nordkorea. (Wirtschaft, 26.09.2022 - 13:19) weiterlesen...

Verbraucherschützerin: Gaspreisdeckel kann gutes Instrument sein. "Der Gaspreisdeckel kann ein gutes Instrument sein, wenn er schnell kommt, unbürokratisch hilft und keine neuen Ungerechtigkeiten nach dem Prinzip Gießkanne hervorruft", sagte die Chefin des Bundesverbands VZBV, Ramona Pop, der Deutschen Presse-Agentur. BERLIN - Die Verbraucherzentralen habe sich vorsichtig positiv über eine Deckelung des Gaspreises geäußert. (Boerse, 26.09.2022 - 13:11) weiterlesen...

SPD-Generalsekretär: Gasumlage darf keine finanzielle Wirkung haben. "Aus unserer Sicht sollte niemand in Deutschland diese Umlage, auch nicht übergangsweise, zahlen müssen", sagte Kühnert am Montag. Es dürfe zu keiner Mehrbelastung der Haushalte kommen. Die Bundesregierung habe noch eine Woche Zeit, eine andere Lösung zur Stabilisierung der Gasimporteure zu finden. BERLIN - SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert plädiert dafür, die Gasumlage abzuschaffen, bevor sie sich auf Verbraucher finanziell auswirkt. (Boerse, 26.09.2022 - 12:58) weiterlesen...