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KIEL / DÜSSELDORF - Die Gewerkschaft Verdi fühlt sich im Fusionsprozess der Provinzial Rheinland und der Provinzial Nordwest hintergangen.

13.06.2018 - 15:40:24

Verdi fühlt sich hintergangen - Jetzt gegen Fusion der Provinzial. Man begleite den Prozess daher nicht mehr konstruktiv wie bisher, sondern wende sich gegen eine Fusion, teilten Verdi-Vertreter aus Nordrhein-Westfalen und von Verdi Nord am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Anteilseigner - Sparkassen sowie Landschaftsverbände - führten offensichtlich Verhandlungen, "die weder mit den Arbeitnehmervertretern noch mit der Gewerkschaft abgestimmt sind und auch so keine Zustimmung erfahren würden". Beide Unternehmen versicherten dagegen am Mittwoch, es sei nichts entschieden und die Mitarbeiter würden selbstverständlich informiert und in den Prozess eingebunden.

Insgesamt wären 6400 Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern von der Fusion betroffen. Medienberichten zufolge soll es bereits weitgehende Verabredungen geben, die den Sitz des Unternehmens und die Rechtsform betreffen. "Wir sind sehr zornig und auch entsetzt, denn wir haben uns darauf verlassen, dass jeder Schritt in diesem Verfahren offen, transparent und abgestimmt mit der Arbeitnehmerseite erfolgt", kritisierte Verdi.

Verdi attackierte direkt die Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, Liane Buchholz. Sie hatte laut "Süddeutscher Zeitung" den Fusionstermin 1. Januar 2019 genannt. "Wir werden unseren Kurs jetzt neu bestimmen, und wenn Frau Prof. Buchholz als Aufsichtsratsvorsitzende und Vertreterin der Sparkassen meint, Verabredungen (...) nicht einzuhalten, werden wir Antworten darauf finden." Es sei zu befürchten, dass hinter dem Rücken und zu Lasten der Beschäftigten ein Deal gemacht werden soll. "Das werden wir zu verhindern wissen."

Die Gewerkschaft und die betrieblichen Arbeitnehmervertreter fordern "als Voraussetzung zu einer Fusion", dass die Rechtsform und der öffentliche Auftrag einer neuen Gesellschaft abgesichert und eine Fusion nicht als Rationalisierungsinstrument genutzt werde. Die Standorte müssten erhalten bleiben und ein Kündigungsschutz vereinbart werden. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sollten vollumfänglich weiter gelten.

Der Gewerkschaft gehe es vor allem darum, dass bei einer Fusion das neue Unternehmen nicht in eine privatwirtschaftliche Aktiengesellschaft gewandelt werde, die primär Aktionärsinteressen vertrete, sagte Verdi Nord-Sprecher Frank Schischefsky. Die Provinzial Rheinland in Düsseldorf ist eine Anstalt öffentlichen Rechts. Dagegen ist die Provinzial Nordwest in Münster eine Aktiengesellschaft und gehört Sparkassen und Verband.

"Zu einem möglichen Zeitplan sowie zu Rechtsformen, Standort- und Bewertungsfragen im Zusammenhang mit einer möglichen Fusion sind noch keine Entscheidungen gefallen", betonten die beiden Unternehmen. Es werde geprüft, wie weitere Potenziale zur Stärkung der Ertragskraft und der Wettbewerbsfähigkeit erschlossen werden könnten. "Diese Gespräche und Prüfungen laufen intensiv und unverändert ergebnisoffen."

Bereits vor einer Woche hatte dies der Vorstandschef der Provinzial Nordwest, Wolfgang Breuer, in Kiel bei der Bilanzpressekonferenz betont. Die Präsidenten der Sparkassen als Mit-Anteilseigner hätten die Erwartung geäußert, dass bis Jahresende ein Ergebnis für eine Fusion vorliegt. Beide Provinzialgruppen seien in ihren Geschäftsgebieten sehr gut verankert, sähen aber auch die Herausforderungen zum Beispiel durch die Digitalisierung. Es seien viele komplexe Fragen zu klären.

Zu den weiter geltenden Rahmenbedingungen gehöre der Fortbestand des Standorts Kiel, sagte Breuer. Die Vorstände beider Provinzialgruppen hätten im vorigen Jahr empfohlen, sich positiv mit einer Fusion auseinanderzusetzen. Es gehe darum, wie man sich in Bezug auf Arbeitsplatzsicherheit, regionale Bedienbarkeit und andere Punkte im Wettbewerb behaupten könne. Falls eine Fusion beschlossen werde, könne eine Umsetzung schnell folgen. "Ein Wille ist schon erkennbar", sagte Breuer im Blick auf einen möglichen Zusammenschluss.

@ dpa.de

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