RWE AG(NEU), DE0007037129

KERPEN - Im Braunkohlerevier Hambacher Forst wollen die Behörden noch am (heutigen) Donnerstag mit der Räumung der Baumhäuser von Aktivisten beginnen.

13.09.2018 - 08:13:26

Behörden wollen mit Räumungen im Hambacher Forst beginnen. Das bestätigte eine Sprecherin der zuständigen Stadt Kerpen auf Anfrage. Das nordrhein-westfälische Bauministerium hatte die Stadt am Mittwochabend angewiesen, die Baumhäuser unverzüglich zu räumen. "Die Weisung wird jetzt umgesetzt", sagte die Stadtsprecherin. In der Nähe des Waldgebietes, das zu einem Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden ist, formierte die Polizei am Donnerstagmorgen massive Kräfte.

Der Energiekonzern und Waldbesitzer RWE will im Herbst mehr als die Hälfte des noch verbliebenen Waldstücks roden, um weiter Braunkohle baggern zu können. Dagegen gibt es seit Langem Proteste. Aktivisten haben Baumhäuser in großer Höhe errichtet und halten den Wald damit besetzt. Bevor gerodet werden kann, muss daher geräumt werden. Das gilt wegen der Höhe der Hütten und des erwarteten Widerstands als äußerst schwierig.

Bei der nun geplanten Räumung geht es juristisch gesehen gar nicht um RWE und die Braunkohle. Vielmehr argumentiert das Ministerium nach Angaben der Stadt Kerpen und des ebenfalls betroffenen Kreises Düren unter anderem mit dem fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern. Nach einem Vor-Ort-Termin sei das Ministerium zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei den Hütten um bauliche Anlagen im Sinne der NRW-Bauordnung handele.

Nach der Bauordnung müssten die Baumhäuser etwa über Rettungstreppen und über Geländer verfügen. Außerdem müssten Rettungswege für Feuerwehr und Krankenwagen verfügbar sein. Weil das nicht gegeben ist, ergäben sich "konkrete Gefahren" für die Bewohner. Daher müssten die Bauämter der Stadt Kerpen und des Kreises Düren die Baumhäuser ohne zeitlichen Aufschub räumen, argumentiert das Ministerium.

Umsetzen müssen das die Bauämter der Stadt Kerpen und des Kreises Düren, auf deren Gebiet der Hambacher Forst liegt. Sie haben bei der Aachener Polizei dafür um Vollzugshilfe gebeten, um die Häuser räumen und beseitigen zu können.

Schon am Mittwochabend hatten Aktivisten in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, den Protest im Hambacher Forst zu unterstützen. Zuletzt waren am vergangenen Samstag und Sonntag Hunderte Menschen dem Aufruf zu einem "Wochenende des Widerstands" in dem Waldstück gefolgt.

Der Forst gilt als Symbol des Kampfes um Klimaschutz und des Widerstands gegen die Kohle. In ihm stehen Jahrhunderte alten Buchen und Eichen. Zudem gibt es Vorkommen geschützter Arten wie der Bechsteinfledermaus. Mehrere Organisationen wollen seine Rodung unter anderem aus diesen Gründen verhindern. Aus Sicht von RWE ist die Abholzung unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Frühestens im Oktober darf der Konzern mit der Rodung beginnen.

Immer wieder hat die Polizei von Angriffen auf Polizisten an dem Waldstück berichtet. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte, dass man es mit "extrem gewaltbereiten Linksextremen" zu tun habe, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland anreisten.

Der Streit um den Hambacher Forst könnte auch die Arbeit der sogenannten Kohlekommission stören, obwohl das Thema dort offiziell nicht auf der Tagesordnung steht. Wirtschaft, Klimaschützer, Politik und Betroffene sollen bis Ende des Jahres gemeinsam einen Weg aus der Kohlestrom-Produktion vereinbaren. Die beteiligten Umweltverbände fordern einen Aufschub der Rodung, bis das erledigt ist - ihrer Ansicht nach könnte der Wald vielleicht stehenbleiben, wenn ältere Kraftwerke abgeschaltet werden.

Die Umweltverbände in der Kommission haben symbolische Baumpatenschaften im Hambacher Forst übernommen. Denkbar ist, dass ein oder mehr Umwelt-Vertreter die Kommission verlassen, wenn RWE rodet. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens wäre dann gefährdet.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Staatsanwaltschaft: Kein Fremdverschulden beim Tod des Journalisten. "Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen liegen keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden Dritter vor", teilte die Staatsanwaltschaft Aachen am Donnerstag mit. Mehrere Zeugen hätten übereinstimmend angegeben, dass sich der 27 Jahre alte Mann aus Leverkusen zum Zeitpunkt des Sturzes allein und ungesichert auf der Brücke aufgehalten habe. KERPEN/AACHEN - Der Absturz eines Journalisten von einer Hängebrücke im Hambacher Forst war nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ein Unfall. (Boerse, 20.09.2018 - 14:48) weiterlesen...

Minister: Einige Aktivisten bauen neue Baumhäuser im Hambacher Forst. "Einige Aktivisten oder Gewalttäter benutzen dieses Moratorium, um neue Häuser zu bauen und - was ich noch schlimmer finde - Rettungswege mit Barrikaden wieder zuzusperren. Und da fehlt mir jedes Verständnis", sagte Reul am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Die Polizei vor Ort konnte auf Nachfrage allerdings nicht sagen, wo im Hambacher Forst neue Baumhäuser oder Barrikaden errichtet würden. DÜSSELDORF/KERPEN - NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) wirft einigen Baumbesetzern im Braunkohlerevier Hambacher Forst vor, den vorübergehenden Räumungsstopp zu missbrauchen. (Boerse, 20.09.2018 - 14:43) weiterlesen...

Halbe Million Unterschriften zum Erhalt des Hambacher Forstes. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) nahm die online von BUND, Campact und Greenpeace gesammelten Unterschriften am Donnerstagmorgen vor dem Landtag entgegen. DÜSSELDORF - Mehr als eine halbe Million Unterschriften haben Umweltschützer zum Erhalt des Hambacher Forstes an die Landesregierung übergeben. (Boerse, 20.09.2018 - 11:04) weiterlesen...

Kripo ermittelt nach Tod eines Journalisten im Hambacher Forst. Beamte seien am Donnerstag im Wald vor Ort, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt es nach Angaben der Aachener Staatsanwaltschaft nicht. "Es sieht nach einem Unglücksfall aus", sagte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts der Deutschen Presse-Agentur. In der Nacht zum Donnerstag war es im Hambacher Forst ruhig geblieben. Mit Kerzen erinnerten die Aktivisten an den Toten. KERPEN/DÜSSELDORF - Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten während der umstrittenen Räumungsaktion im Hambacher Forst ermittelt die Kriminalpolizei zur Unglücksursache. (Boerse, 20.09.2018 - 09:59) weiterlesen...

Kripo ermittelt nach Tod eines Journalisten im Hambacher Forst. Beamte seien am Donnerstag im Wald vor Ort, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt es nach Angaben der Aachener Staatsanwaltschaft nicht. "Es sieht nach einem Unglücksfall aus", sagte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts der Deutschen Presse-Agentur. In der Nacht zum Donnerstag war es im Hambacher Forst ruhig geblieben. Mit Kerzen erinnerten die Aktivisten an den Toten. KERPEN/DÜSSELDORF - Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten während der umstrittenen Räumungsaktion im Hambacher Forst ermittelt die Kriminalpolizei zur Unglücksursache. (Boerse, 20.09.2018 - 09:19) weiterlesen...

Landesinnenminister appelliert an Waldbesetzer: 'Aus den Häusern rausgehen'. Die Baumhäuser müssten geräumt werden, weil sie gefährlich seien, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem Radiosender WDR 2. Die Landesregierung hatte die Räumung am Mittwochabend bis auf weiteres unterbrochen. Wann sie weitergehe, wisse er zum jetzigen Zeitpunkt nicht. "Das wollen wir in aller Ruhe überlegen", sagte Reul. DÜSSELDORF - Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten im Hambacher Forst hat der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul an die Waldbesetzer appelliert, die Baumhäuser freiwillig zu verlassen - "damit nichts passiert". (Boerse, 20.09.2018 - 08:01) weiterlesen...