Maschinenbau, Ernährung

JOHANNESBURG - Zur effizienten Bekämpfung einer drohenden Ernährungskrise in Afrika bedarf es nach Ansicht der deutschen Wirtschaft einer Neuausrichtung der Entwicklungspolitik.

23.05.2022 - 13:11:03

Deutsche Wirtschaft fordert Umdenken in deutscher Entwicklungspolitik. "Wir brauchen mehr Investitionen in die Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln vor Ort. Afrika will keine Almosen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe, wie sie nur die Wirtschaft leisten kann", sagte am Sonntag der Vorsitzende des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft, Stefan Liebing. Mit Blick auf die Afrikareise von Bundeskanzler Olaf Scholz forderte er eine Intensivierung der Zusammenarbeit bei Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen.

WIESBADEN - In Deutschland werden weiterhin zu wenige Wohnungen gebaut, um die Engpässe insbesondere beim bezahlbaren Wohnraum zu beseitigen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der neugebauten Wohnungen überraschend wieder unter die Marke von 300 000, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

Mit 293 393 fertiggestellten Einheiten blieb der Neubau unter dem politischen Ziel von jährlich 400 000 neuen Wohnungen, das zuletzt im Jahr 2000 erreicht worden war. Damit endete auch der 2011 begonnene Aufwärtstrend bei den Fertigstellungen. Die amtierende Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, 400 000 neue Wohnungen pro Jahr zu schaffen.

Der Rückgang um 4,2 Prozent zum Vorjahr sei nur der Vorbote eines "dramatischen Einbruchs beim Wohnungsbau", warnt der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW), hinter dem etwa 3000 Immobilienunternehmen mit zusammen 6 Millionen Wohnungen stehen. Am aktuellen Rand würden weniger neue Wohnungen genehmigt als im Vorjahr, klagen auch Immobilienverbände. Im ersten Quartal wurde das Vorjahresergebnis um vier Prozent verfehlt.

Auch die Baubranche zeigte sich enttäuscht: "Mit rund 293 400 fertig gestellten neuen Wohnungen sind wir im vergangenen Jahr deutlich hinter der Erwartung und der Prognose geblieben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass es in diesem Jahr auch nicht mehr werden."

Wegen des Ukraine-Kriegs und der weltweiten Störungen der Lieferketten mangelt es im Moment so ziemlich an allem, was man für einen Neubau braucht: Materialien sind nicht vorhanden oder astronomisch teuer, Facharbeiter knapp und die Bauzinsen in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Dazu kämen unklare Klimavorgaben, Förderchaos und bürokratische Hemmnisse, klagt die Branche. "Es gibt eine große Bauzurückhaltung", fasst Michael Schick vom Immobilienverband Deutschland (IVD) zusammen.

Zur Realität gehört daher, dass in Deutschland der Wiesbadener Statistik zufolge zwar knapp 850 000 Einheiten von den Behörden genehmigt, aber von den Investoren bislang nicht in Angriff genommen worden sind. Die Unternehmen warteten aus Unsicherheit ab, erklärt GdW-Präsident Axel Gedaschko: "Um das abzustellen, muss die Regierung dringend eine verlässliche und auskömmliche Fördersystematik sowie eine wirksame Rohstoffstrategie zur nachhaltigen Versorgung von Deutschlands Baustellen auf den Weg bringen."

Auf Lieferengpässe, Rohstoffknappheit und deutliche Preissteigerungen habe der deutsche Staat kaum Einfluss, stellt hingegen die Bauministerin der Ampel-Koalition, Klara Geywitz (SPD), fest. Sie verspricht im Verein mit den Ländern den Abbau bürokratischer Hemmnisse: "Also Genehmigungs- und Planungsprozesse digitalisieren, die 16 Länderverordnungen sinnvoll harmonisieren und die Bedingungen für den seriellen Bau erleichtern."

Der Blick vieler Experten richtet sich immer stärker auf neue Wohnungen im Bestand, also die Aufstockung bestehender Gebäude oder die Umnutzung von Bürogebäuden, die bislang nur rund zwölf Prozent der Anträge auf neue Wohnungen ausmachen. Der Immobilienverband IVD sieht ein Potenzial von 4,3 Millionen neuen Einheiten bis im Jahr 2040 und verlangt einfachere Genehmigungsverfahren.

Würden Büros zu Sozialwohnungen umgebaut, ließen sich damit gut 8000 Euro pro Wohnung sparen, rechnet der Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Robert Feiger, vor. Sogar rund 20 000 Euro ließen sich demnach sparen, wenn für Sozialwohnungen die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent abgesenkt werde. Der Staat müsse schnell Anreize schaffen und das Baurecht vereinfachen, um das Potenzial von Millionen neuer Wohnungen zu nutzen. Der Sozialdemokrat Feiger wird langsam ungeduldig mit der Ampel-Koalition: Von einer Umbau-Offensive fehle jede Spur.

@ dpa.de

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