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Immer mehr Ältere bleiben im Job

26.11.2019 - 13:57:24

BERLIN - Arbeiten im fortgeschrittenen Alter wird in Deutschland immer mehr zum Normalfall. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 60 Jahren und mehr hat sich seit 2007 fast verdreifacht. 2007 waren 903 488 Beschäftigte 60 Jahre und älter. Bis 2018 stieg die Zahl kontinuierlich auf 2 609 777. Dies zeigt eine Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Linken im Bundestag.

Damit wuchs die Zahl der älteren Beschäftigten stärker als die der Beschäftigten insgesamt. Ihr Anteil lag im Jahr 2007 bei 3,34 Prozent, 2018 bei 7,93 Prozent.

In manchen Bereichen ist mehr als jeder zehnte Beschäftigte 60 oder älter. Am höchsten war der Anteil im vergangenen Jahr im Bereich "Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung" - nämlich 12,3 Prozent aller Beschäftigten. Bei Erziehung und Unterricht waren es 10,8 Prozent, im Bereich der Wasserversorgung und Abfallentsorgung 10,1 Prozent. Beamte sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

Auch andere Erhebungen zeigen, dass Ältere immer häufiger am Erwerbsleben teilnehmen. Studien wie der Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen zeigten schon in den vergangenen Jahren mehrere Ursachen, warum Menschen selbst im Rentenalter noch arbeiten

- etwa Spaß an der Arbeit, Interesse an anderen Menschen oder

finanzielle Gründe. Die BA stellt in einer Publikation fest: "Die Erwerbsneigung Älterer hat in den letzten Jahren im Vergleich zur Erwerbsneigung insgesamt überproportional stark zugenommen."

Trotzdem sind Ältere weiter unterdurchschnittlich am Erwerbsleben beteiligt. In der Bevölkerung zwischen 15 und unter 65 Jahren gehen 21 Prozent laut BA keiner bezahlten Arbeit nach oder suchen nicht danach - bei den 55- bis unter 65-Jährigen trifft dies auf 26 Prozent zu.

Die Zahl der Rentner zwischen 60 bis unter 65 Jahren hat sich in den vergangenen zehn Jahren dagegen fast halbiert: 2008 bezogen noch über 1,3 Millionen Menschen in diesem Alter eine Altersrente, das waren 32 Prozent. 2014 wurde die Millionen-Grenze laut BA unterschritten. Ende 2018 bezogen 723 000 Personen von 60 bis unter 65 Jahren eine Rente wegen Alters (13 Prozent).

Ein Grund ist, dass das Rentenalter seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben wird. Nach Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 im Jahr 2014 stieg die Zahl der Bezieher im Alter von 63 bis unter 66 Jahren andererseits auf 584 000 Ende vergangenes Jahr.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte: "Mit der Alterung der Beschäftigten hält der demografische Wandel auch Einzug in Betriebe und Verwaltungen." Eine immer größere Rolle müsse daher auch eine altersgerechte Arbeitsgestaltung spielen. "Die Arbeitsbedingungen müssen so ausgestaltet sein, dass die Beschäftigten überhaupt bis zum Rentenalter durchhalten und auch bei guter Gesundheit in Rente gehen." Dazu gehöre aber auch ein realistisches Renteneintrittsalter. 67 Jahre oder sogar 70 sei in vielen Branchen unrealistisch und nichts anderes als eine Rentenkürzung, wenn die Menschen mit Abschlägen vorher ausschieden.

Die FDP forderte dagegen die Abschaffung des starren gesetzlichen Rentenalters und einen flexiblen Renteneintritt nach skandinavischem Vorbild. "Der Übergang in den Ruhestand muss individueller werden, um den Wandel am Arbeitsmarkt angemessen abzubilden", sagte ihr Rentenexperte Johannes Vogel. In Schweden etwa werde längeres Arbeiten belohnt - flexible Teilrentenmodelle seien einfach möglich.

@ dpa.de

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