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(Im siebten Absatz wurde ein entfallenes Wort ergänzt: "auf" Anfrage.)

11.08.2022 - 17:21:28

WDH/GESAMT-ROUNDUP: UN-Sicherheitsrat berät über Lage am AKW Saporischschja

NEW YORK/KIEW/MOSKAU - Die Sorge um einen atomaren Zwischenfall in Europas größtem Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine beschäftigt jetzt auch die Vereinten Nationen. Auf Antrag Russlands stand am Donnerstag in New York eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats auf dem Programm. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer neuen Katastrophe. Im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl hatte sich 1986 der schlimmste atomare Unfall auf europäischem Boden ereignet. International gibt es zunehmend Befürchtungen, dass sich in Saporischschja durch Raketenangriffe etwas ähnlich Schlimmes ereignen könnte. Der russische Krieg gegen das Nachbarland dauert inzwischen schon mehr als fünfeinhalb Monate.

Das Kraftwerk im Süden der Ukraine, das seit Monaten unter russischer Kontrolle steht, war am Wochenende mehrfach mit Raketen beschossen und teils beschädigt worden. Die kritische Infrastruktur soll aber weiter intakt sein. Russland und die Ukraine geben sich gegenseitig die Schuld. Am Mittwoch griffen russische Einheiten mit Raketenwerfern Ortschaften in der Nähe an. Dabei starben nach ukrainischen Angaben mindestens elf Menschen. Unabhängig zu überprüfen war dies nicht.

UN-Generalsekretär fordert Ende aller Kämpfe

Guterres äußerte sich vor der Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums zutiefst besorgt. "Bedauerlicherweise gab es in den letzten Tagen keine Deeskalation, sondern Berichte über weitere zutiefst besorgniserregende Vorfälle. Wenn sich diese fortsetzen, könnte dies zu einer Katastrophe führen." An beide Kriegsparteien appellierte er, die militärischen Aktivitäten sofort einstellen. Vor dem Rat sollte auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, Auskunft geben. Russland verwehrt internationalen Experten bislang allerdings den Zugang.

Selenskyj will vom Westen mehr Waffen

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor einer Atomkatastrophe ähnlich wie in Tschernobyl. "Wir müssen Europa vor dieser Bedrohung schützen", sagte er per Videoschalte zum Auftakt einer Ukraine-Geberkonferenz in Kopenhagen. Russland sei unter Präsident Wladimir Putin ein terroristischer Staat, der das Kraftwerk als "Geisel" halte und zur Erpressung nutze. Selenskyj nutzte die Gelegenheit, um vom Westen abermals Waffen und Munition zu fordern.

Scholz verspricht weitere Hilfe

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sicherte weitere massive Unterstützung zu. Deutschland liefere bereits "sehr, sehr viele, sehr weitreichende, sehr effiziente" Waffen, sagte Scholz bei seiner Sommerpressekonferenz in Berlin. "Und das werden wir auch die nächste Zeit weiter tun." Konkreter wurde der Kanzler allerdings nicht. Ein Einreiseverbot für russische Touristen nach Europa, wie dies von Estland und Finnland gefordert wird, lehnte er ab. "Das ist Putins Krieg, und deshalb tue ich mich mit diesem Gedanken sehr schwer."

Satellitenbilder sollen zerstörte Kampfjets zeigen

Nach den schweren Explosionen auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim veröffentlichte ein US-Unternehmen Satellitenbilder, die den beschädigten russischen Militärstützpunkt zeigen sollen. Entgegen Moskauer Darstellung belegen diese Aufnahmen US-Berichten zufolge die Zerstörung mehrerer russischer Kampfjets. Die Zeitung "The New York Times" berichtete von mindestens acht abgebrannten Flugzeugen. Russland hatte von einem Brand auf der Basis und explodierter Munition wegen Fahrlässigkeit berichtet, allerdings nicht von zerstörter Militärtechnik.

Die Führung in Kiew hat offiziell nicht die Verantwortung für die Explosionen übernommen. Trotzdem gehen viele Beobachter aufgrund der Zahl und Wucht der Explosionen von einem gezielten ukrainischen Angriff aus. Unterdessen wurde bekannt, dass die Ukraine ihre Interessen in Russland nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die Schweiz vertreten lassen will. Die Verhandlungen für ein solches Mandat seien abgeschlossen, teilte das Außenministerium in Bern auf Anfrage mit. Allerdings fehlt aus Russland bislang die Zustimmung. Ob es dazu kommt, ist fraglich.

Unterschiedliche Einschätzungen in Kiew zu Kriegsdauer

Aus Kiew kamen unterschiedliche Einschätzungen, wie lange der Krieg noch dauern wird. Der Chef des Präsidialamtes, Andrij Jermak, sagte, die Kämpfe müssten dringend noch vor der Heizperiode beendet werden. Ansonsten bestehe das Risiko, dass Russland die Infrastruktur für Wärme und Energie zerstöre. "Das ist einer der Gründe, warum wir maximale Maßnahmen ergreifen wollen, um den aktiven Teil des Kriegs bis Ende Herbst zu beenden." Selenskyj sagte hingegen, die Kriegsdauer hänge von den russischen Verlusten ab. "Je höher die Verluste der Okkupanten sind, desto schneller können wir unser Land befreien."

Neue Angriffe im Osten

Im Donbass in der Ostukraine setzten russische Truppen ihre Vorstöße begleitet von massivem Artilleriefeuer fort. Dabei wurden in der Stadt Bachmut am Mittwoch sieben Zivilisten getötet, wie die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft mitteilte. In Donezk beklagten die von Russland unterstützten Separatisten, dass durch ukrainischen Beschuss mehrere Zivilisten getötet worden seien. Durch Treffer auf eine Brauerei sei giftiges Ammoniak ausgetreten.

@ dpa.de

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