Ernährung, Produktion

(Im 5.

29.12.2021 - 18:32:27

KORREKTUR/ROUNDUP 2: Aus fürs massenhafte Kükentöten - Warnungen der Branche. Absatz, 2. Satz wurden die Worte "oder sogar Küken" gestrichen. Damit wird klargestellt, dass sich die Kritik des Tierschutzbundes an dieser Stelle ausschließlich auf das Töten von Embryonen bezieht.

BERLIN - Mit dem massenhaften Töten männlicher Küken in der Legehennenhaltung in Deutschland muss ab diesem Samstag Schluss sein. Nach jahrelangen Diskussionen greift zum 1. Januar 2022 ein Verbot, das in einer zweiten Stufe ab 2024 weitere Verschärfungen vorsieht. Künftig sollen Verfahren auf breiter Front einsetzbar sein, um das Geschlecht schon im Ei zu erkennen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen. Tierschützer begrüßten das noch von der alten Bundesregierung auf den Weg gebrachte Verbot als überfällig, fordern aber weitere Verbesserungen. Die Branche warnte vor Schwierigkeiten.

Das Problem: Jährlich werden bisher mehr als 40 Millionen männliche Küken in Deutschland kurz nach dem Schlüpfen routinemäßig getötet, weil sie für Brütereien wirtschaftlich nicht lohnend sind. Denn sie legen keine Eier und setzen nicht so viel Fleisch an. Teils ist von "Schreddern" die Rede, die Küken werden aber meist mit Gas getötet. Dabei legt das Tierschutzgesetz fest, dass niemand einem Tier "ohne vernünftigen Grund" Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Das Bundesverwaltungsgericht entschied 2019, dass Tierschutzbelange schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen der Hennenzüchter und erklärte die Praxis nur noch für eine Übergangszeit für zulässig.

Das Verbot: Künftig heißt es im Tierschutzgesetz: "Es ist verboten, Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus zu töten." Ausgenommen sind Maßnahmen bei Tierseuchen oder Tierversuche. Zum 1. Januar 2024 folgt eine Verschärfung bei der Geschlechtsbestimmung im Ei. Erlaubt sind dann nur noch Methoden, die frühzeitiger funktionieren - tabu werden Eingriffe ab dem 7. Tag des Bebrütens. Hintergrund ist, dass Embryos ab dann ein Schmerzempfinden haben, wie das Agrarministerium erläuterte. Derzeit seien Verfahren zwischen dem 9. und dem 14. Tag marktreif. Insgesamt dauert es 21 Tage, bis Küken schlüpfen.

Die Branche: Der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Henner Schönecke, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch), die Verschärfung bei der Geschlechtsbestimmung sei ein "Geburtsfehler" des Gesetzes. Die Anforderungen erfülle noch keine schon eingesetzte Technologie. "Es investiert doch jetzt keine Brüterei Millionenbeträge in ein System, das ab 2024 nicht mehr verwendet werden darf." Die zweite Gesetzesstufe sollte daher ausgesetzt werden. Schon jetzt sei zu beobachten, dass bei verarbeiteter Ware mehr billigere Eier aus dem Ausland verwendet würden. "Der komplette Markt für Eier, Kuchen und so weiter bricht derzeit für deutsche Legehennenhalter weg."

Die Tierschützer: Der Deutsche Tierschutzbund nannte das Verbot lange überfällig. Den meisten Verbrauchern sei aber nicht bewusst, dass auch für Eier, die der Handel schon mit der Angabe "ohne Kükentöten" vermarktet, bis 2024 noch schmerzempfindliche Embryonen getötet würden. Zudem sei das Grundproblem nicht vom Tisch, kritisierte Präsident Thomas Schröder Mitte Dezember: "der Wahnsinn der Hochleistungszucht, der Effizienzdruck auf Kosten der Tiere." Die neue Regierung müsse schnell eine Gesamtstrategie erarbeiten und die Förderung gesünderer und robusterer Hühnerrassen vorantreiben.

Die weitere Umsetzung: Beim Umstellen kommt es neben den Tierhaltern nun auch auf Supermärkte und Verarbeiter an. Viele Handelsketten hätten schon im Vorfeld reagiert und angekündigt, nur noch Eier ohne Kükentöten im Sortiment anzubieten, erläuterte das Ministerium. Das Gesetz zeige, dass Tierschutz und Wirtschaftlichkeit zusammengehen. "Wir verhindern damit, dass die Brütereien ins Ausland abwandern und dann Eier aus Ländern importiert werden, für die ein solcher Ausstieg noch keine Rolle spielt." Auch in anderen EU-Staaten sei das Thema im Blick. Neben der Geschlechtsbestimmung im Ei sei eine weitere Option, "Zweinutzungshühner" zu züchten: Weibliche Küken wachsen dabei zu Legehennen heran, die aber nicht so viele Eier legen. Männliche Küken werden zur Mast aufgezogen, legen aber langsamer an Gewicht zu.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

FT: Hedgefonds Trian Partners will mit Unilever-Beteiligung Druck machen LONDON - Der aktivistische Hedgefonds Trian Partners hat sich einem Pressebericht zufolge am Konsumgüterkonzern Unilever erhöhen. (Boerse, 23.01.2022 - 16:36) weiterlesen...

Darmbakterium in Probe: Hersteller ruft Camembert Bertrand zurück. Vor dem Verzehr werde dringend abgeraten - es könne zu Durchfallerkrankung, Übelkeit und Bauchkrämpfen führen, hieß es in einer Kundeninformation vom Freitag. BRAUNSCHWEIG - Nach dem Fund eines Darmbakteriums in einer Probe ruft der Hersteller Gillot Sas aus Frankreich das Produkt Camembert Bertrand (Camembert de Terroir au lait cru) zurück. (Boerse, 21.01.2022 - 16:13) weiterlesen...

ROUNDUP/Die Preis-Frage: Debatte über Kosten besserer Lebensmittel. Mehrere Agrar-Organisationen warnten am Donnerstag davor, die Bedürfnisse einkommensschwacher Haushalte gegen die der Landwirte auszuspielen. Die Ernährungsindustrie warnte, es dürfe nicht "Sozial-Veganer" geben - Menschen, für die tierische Produkte zu teuer sind. Und der Bauernverband schilderte die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. BERLIN - Bezahlbare Preise im Supermarkt, mehr Artenvielfalt und Tierwohl in der Landwirtschaft: Wie sich beides unter einen Hut bringen lässt, steht zur Diskussion. (Boerse, 20.01.2022 - 19:14) weiterlesen...

Leid auf letzter Reise - EU-Parlament nimmt sich Tiertransporte vor. Ein Kalb wird auf dem Milchbetrieb nicht gebraucht und soll in Holland gemästet werden. Eine trächtige Kuh soll in Nordafrika kalben und dort weiter Milch geben - all das sind Gründe, warum täglich Millionen lebender Tiere durch Europa und über seine Grenzen hinaus transportiert werden. Was sie auf dieser Reise erleben, ist oft qualvoll: Da sind Hunger, Hitze, Enge und Verletzungen. - Ein Schwein ist fertig gemästet und soll geschlachtet werden. (Boerse, 20.01.2022 - 17:22) weiterlesen...

Leid auf Tiertransporten - EU-Parlament stellt Forderungen auf. Die Abgeordneten verabschiedeten am Donnerstag den Bericht eines Untersuchungsausschusses, der gravierende Mängel bei der Umsetzung der bestehenden Tiertransportregeln feststellt. Ziel ist es, Druck auf die EU-Kommission aufzubauen, damit diese die Regeln nachbessert und für bessere Kontrollen sorgt. Bislang leiden Schweine, Rinder und andere Tiere in Lastwagen und Schiffen oft unter Hitze, Kälte, Durst, Hunger, Stress und Verletzungen. STRASSBURG - Das EU-Parlament hat einen besseren Schutz von Tieren auf Transporten gefordert. (Boerse, 20.01.2022 - 16:50) weiterlesen...

AKTIE IM FOKUS: Hellofresh setzen sich weiter vom Tief seit März 2021 ab. Sie steuern damit auf die 21-Tage-Linie zu, die bei 62,15 Euro liegt und als Gradmesser für den kurzfristigen Trend gilt. Von Mitte November bis zum Dienstag hatten die Papiere des Pandemie-Profiteurs rund 44 Prozent an Wert verloren und damit sogar etwas mehr als Delivery Hero . FRANKFURT - Papiere von Hellofresh haben ihren Erholungsversuch am Donnerstag mit plus 4,7 Prozent auf 59,06 Euro fortgesetzt. (Boerse, 20.01.2022 - 13:54) weiterlesen...