Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

VOLKSWAGEN VORZÜGE, DE0007664039

Hohe Millionenstrafen für VW und BMW

08.07.2021 - 15:24:26

wird mit gut 502 Millionen Euro zur Kasse gebeten, wie die Brüsseler Behörde am Donnerstag mitteilte. Bei BMW sind es knapp 373 Millionen Euro. Daimler hatte das Kartell zuerst gemeldet und kommt als Kronzeuge davon - sonst wären 727 Millionen Euro fällig gewesen.

Am Aktienmarkt hatte das kaum Auswirkungen, nachdem BMW jüngst schon seine Rückstellung für die mögliche Kartellstrafe deutlich gesenkt hatte. Die BMW-Aktie zeigte sich von der EU-Entscheidung zunächst kaum bewegt. Zuletzt baute sie in einem schwachen Branchenumfeld mit dem Gesamtmarkt ihr Minus auf 2,3 Prozent aus. VW-Vorzugsaktien verloren 3 Prozent. Daimler-Papiere gaben um 3,2 Prozent nach.

Das scheinbar Paradoxe: Eigentlich tauschten sich die Autobauer zwischen 2009 und 2014 auf fachlicher Ebene darüber aus, in welchem Ausmaß sich der Schadstoff-Ausstoß von Dieselwagen aktiv verringern lassen könnte - ganz im Gegensatz zum VW-Skandal, wo Manipulationen der Abgaswerte als Betrugsmanöver im Zentrum standen. Es geht um die sogenannten Adblue-Tanks, die in Dieselfahrzeugen mit neueren Katalysator-Generationen spezielle Harnstoff-Lösungen aufnehmen.

Das Gemisch wird in den Abgasstrahl eingespritzt und sorgt dort für eine effizientere Abgasreinigung. Denn der Anteil gefährlicher Stickoxide (NOx) wird gesenkt, stattdessen kommen überwiegend Stickstoff und Wasserdampf als harmlose Produkte aus dem Auspuff.

Das Ziel der Kartellmitglieder bestand mithin darin, die Emissionen zu drücken - auch die Kommission spricht von "Übererfüllung" der Mindestanforderungen. Nur wollten sie dies offensichtlich eben tun, um keine zusätzlichen Anstrengungen unternehmen zu müssen, falls ein Wettbewerber mit noch besserer und teurerer Technik voran prescht.

Die Aufregung innerhalb der Branche und bei Beobachtern war groß, als vor allem ein Bericht des "Spiegel" vor knapp vier Jahren die These eines entsprechenden Kartells darlegte. Zeitweilig war von einer drohenden zweiten Abgasaffäre die Rede. Die Konzerne sahen sich zu raschen Reaktionen veranlasst. Tenor: Ja, es gab Austausch zu Fragen rund um Adblue-Tanks, aber stets im Rahmen des rechtlich Erlaubten.

Es kursierten sogar Mutmaßungen über angebliche Strategien, auch die Tankgröße oder Dosierung von Adblue als Stellgrößen für unzulässige Veränderungen der Abgasmesswerte zu missbrauchen. Hierzu stellte die Kommission aber fest: Das vorliegende Thema müsse man von der Debatte über illegale Abschalteinrichtungen der Reinigung klar trennen.

Bald merkten die Hersteller dennoch, dass sie mit offenen Karten spielen müssen. "Alle Unternehmen haben ihre Kartellbeteiligung eingeräumt und einem Vergleich zugestimmt", berichteten jetzt die Marktwächter in Brüssel. Die Autobauer hätten sich in unzulässiger Weise über die Größe der Adblue-Tanks und damit auch über die mögliche Reichweite mit voller Abgasreinigung abgesprochen.

Kern der Argumentation: Es sei schon eine Behinderung des Wettbewerbs zulasten anderer Firmen und letztlich auch der Verbraucher, wenn der Umfang technischer Innovationen durch solche internen Beratungen künstlich eingeschränkt wird. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager formulierte es so: "Sie haben einen Wettbewerb darüber vermieden, das volle Potenzial dieser Technologie zu nutzen."

Das ist aufseiten der Hersteller umstritten. Die Kommission verfolge "erstmals technische Kooperation als Kartellverstoß", gibt etwa VW zu bedenken. Meist sind Absprachen zu Preisen oder zur Aufteilung von Märkten Gegenstand klassischer Wettbewerbsverfahren. Insofern betrete Brüssel hier "juristisches Neuland". Außerdem seien die Überlegungen verkleinerter Adblue-Tanks gar nicht in die Praxis umgesetzt worden - so sei es "nie zu einem Schaden von Kundinnen und Kunden gekommen". Man werde den Beschluss prüfen und eventuell Rechtsmittel einlegen.

Ähnlich äußerte sich Daimler. Die internen Gespräche an sich mögen im Nachhinein betrachtet wettbewerbswidrig gewesen sein, doch die tatsächlichen Volumina der Adblue-Tanks seien größer geblieben als erörtert. Von BMW hieß es ebenso, Brüssel habe "kartellrechtliches Neuland" betreten - die Neuartigkeit des Falles sei von der Kommission lediglich durch einen Abschlag bei den Strafsummen berücksichtigt worden. Besser wäre laut VW der "Erlass klarer Richtlinien" für kartellrechtskonforme Kooperationen gewesen.

Die Experten von Vestager - einer bei mächtigen Konzernlenkern weltweit gefürchteten Wettbewerbspolitikerin - räumen auch ein, dass das Diesel-Harnstoff-Kartell eine neue, besondere Konstellation darstellte. Dennoch sei es wichtig, jetzt zu handeln - auch mit Blick auf die gerade verschärften EU-Umwelt- und Klimaziele im sogenannten Green Deal: "Wettbewerb und Innovation zur Minderung der durch den Pkw-Verkehr verursachten Umweltbelastung sind von entscheidender Bedeutung, damit Europa die ehrgeizigen Ziele erreichen kann."

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Noch Probleme, aber Besserung erwartet. "Das wird in den kommenden Monaten sicher ein Thema bleiben", sagte China-Chef Stephan Wöllenstein am Freitag. WOLFSBURG/PEKING - Die schmerzhaften Einbußen wegen fehlender Elektronik-Chips dürften den Volkswagen -Konzern auch im wichtigsten Markt China noch eine Weile beschäftigten - es soll aber bald Besserung in Sicht sein. (Boerse, 23.07.2021 - 15:30) weiterlesen...

Northvolt-Chef: Europa braucht 15 Fabriken für E-Auto-Batterien. "Ich denke, bis 2030 werden wir möglicherweise eine Gesamtkapazität von 3000 Gigawattstunden weltweit benötigen. Allein in Europa könnten dann mehr als 800, vielleicht 1000 Gigawattstunden notwendig sein", sagte Firmenchef Peter Carlsson der Branchenzeitung "Automobilwoche". STOCKHOLM - Der schwedische Batteriehersteller Northvolt erwartet durch den Boom bei E-Autos einen immens wachsenden Bedarf an Batteriezellen. (Boerse, 23.07.2021 - 14:22) weiterlesen...

Chip-Probleme bleiben für VW in China 'sicher ein Thema'. "Das wird in den kommenden Monaten sicher ein Thema bleiben", sagte China-Chef Stephan Wöllenstein am Freitag. Die Versorgungsengpässe seien vorerst nicht ausgestanden. "Wir haben jetzt nicht mehr in dem Umfang wie im ersten Quartal die Chance, die benötigten Fahrzeuge noch aus unseren Festlagerbeständen abzupuffern", erklärte der Manager. WOLFSBURG/PEKING - Die schmerzhaften Einbußen wegen der Knappheit von Elektronik-Chips dürften den VW -Konzern auch im wichtigsten Markt China noch eine Weile beschäftigten. (Boerse, 23.07.2021 - 14:12) weiterlesen...

Gute Geschäfte von Volkswagen erfreuen Porsche SE. Vorstandschef Hans Dieter Pötsch bekräftigte am Freitag anlässlich der Online-Hauptversammlung des Unternehmens in Stuttgart die Prognose. Man gehe aber davon aus, dass die Porsche SE ein Konzernergebnis nach Steuern eher an der Obergrenze des bislang prognostizierten Korridors erzielen werde, der bei 4,1 Milliarden Euro liege. STUTTGART - Die VW -Dachgesellschaft Porsche SE profitiert von der weiter anziehenden Autokonjunktur. (Boerse, 23.07.2021 - 12:47) weiterlesen...

Kritische Fragen an Volkswagen-Führung bei Online-Hauptversammlung. Einige Anteilseigner haben kritische Fragen eingereicht - etwa zur "Dieselgate"-Entschädigung von Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und weiteren Managern, zum neuen Vergütungssystem für die Vorstände oder zur Klimastrategie des größten europäischen Autoherstellers. WOLFSBURG - Die Führung von Volkswagen stellt sich bei der Online-Hauptversammlung am Donnerstag (ab 10.00 Uhr) den Aktionären. (Boerse, 23.07.2021 - 06:34) weiterlesen...

VW-Aufbruch in die neue Autowelt - und die Dieselfragen der Aktionäre. Vorstandschef Herbert Diess erklärte auf dem Online-Treffen am Donnerstag seine frisch vorgelegte Strategie in Sachen E-Mobilität, Software und Dienstleistungen. Doch viele Anteilseigner bohrten auch noch einmal zum "Dieselgate"-Vergleich mit Ex-Managern, zur Berechnung der Vorstandsgehälter und zum Umfang der Klimaschutz-Anstrengungen nach. BERLIN - Zukunftspläne in den Reden, Vergangenheitsbewältigung in der Aussprache: Bei der Hauptversammlung von Volkswagen waren Konzernführung und Aktionäre hin- und hergerissen. (Boerse, 22.07.2021 - 19:23) weiterlesen...