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HANNOVER - Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental sieht sich angesichts der Lage auf den Automärkten zu harten Einschnitten gezwungen.

07.08.2019 - 16:29:41

Conti will nach Gewinneinbruch Jobs streichen und kappt Investitionen. Nach dem jüngsten Gewinneinbruch will das Unternehmen Stellen streichen und damit Kosten senken, zudem sollen die Investitionen in Technik für den Verbrennungsmotor gekappt werden. "Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd", sagte Conti-Chef Elmar Degenhart.

HANNOVER - Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental sieht sich angesichts der Lage auf den Automärkten zu harten Einschnitten gezwungen. Nach dem jüngsten Gewinneinbruch will das Unternehmen Stellen streichen und damit Kosten senken, zudem sollen die Investitionen in Technik für den Verbrennungsmotor gekappt werden. "Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd", sagte Conti-Chef Elmar Degenhart. "Auf den rückläufigen Markt reagieren wir mit strenger Kostendisziplin und Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit."

Die Unternehmensleitung habe dem Aufsichtsrat ihre Strategie dargelegt, wie Conti die Finanzkraft erhalten und die Zukunftsfähigkeit sichern könne. Der daraus entstehende Handlungsbedarf werde nun mit den Arbeitnehmervertretern besprochen. Es sei noch nicht abzusehen, wann hier Entscheidungen fielen, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Wir müssen unsere Kosten weiter anpassen", sagte er. Wie weit der Konzern mit den Kosten herunterkomme und wie viele Stellen dem zum Opfer fielen, das sei jetzt Gegenstand von Diskussionen.

Die Belegschaft bringe alle Voraussetzungen für den Umbruch hin zu Elektroantrieben mit, sagte die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner. "IG Metall, IG BCE und Arbeitnehmervertretungen werden mit den Arbeitgebern verbindliche Schritte festlegen, wie dieser Wandel erfolgreich gestaltet und Beschäftigte an den betroffenen Standorten umqualifiziert und in Beschäftigung gehalten werden können", fügte sie hinzu.

Die Conti-Aktie legte am Nachmittag um rund einen Prozent zu, während der europäische Branchenindex von Autobauern und Zulieferern auf der Stelle trat. Die Details der Zahlen auf Spartenebene und beim Barmittelzufluss machten klar, vor welch einer Vielzahl an Problemen der Konzern nun stehe, schrieb Bernstein-Analyst Max Warburton. Conti habe zu viele Geschäfte unter einem Dach, das Management all dieser Bereiche sei zu komplex.

Die weltweite Autoproduktion sei im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 7 Prozent gesunken, in Contis Hauptmärkten sogar um 9 Prozent, sagte Schäfer. Zu den jetzt anstehenden Maßnahmen gehöre auch die Überprüfung des Portfolios. Mögliche Verkäufe wollte er weder bestätigen noch ausschließen.

Bereits im ersten Halbjahr fuhr der weltweit zweitgrößte Autozulieferer die Mitarbeiterzahl nach Angaben von Schäfer etwas herunter, wenn Zukäufe herausgerechnet werden. Zur Jahresmitte beschäftigte Conti 244 615 Mitarbeiter.

Einen Anpassungsschritt geht Continental bereits in der Antriebssparte, die der Konzern kommendes Jahr an die Börse bringen will. Auf die maue Nachfrage nach Komponenten für den Verbrennungsmotor will Conti reagieren, indem die Investitionen vor allem bei Pumpen und Einspritzsystemen für Diesel und Benziner zurückgefahren werden.

Auf dem Prüfstand steht zudem das Geschäft mit der Abgasnachbehandlung. Hier herrsche intensiver Preisdruck. Verstärkt werden soll hingegen der Fokus auf Elektroantriebe. Spartenchef Andreas Wolf will den schneller als erwartet wachsenden Markt rund um Hybridantriebe und Elektrifizierungssysteme nutzen. Allerdings schreibt das Geschäft rund um die Elektromobilität immer noch deutliche Verluste, wie Schäfer in einer Analystenkonferenz sagte.

Im zweiten Quartal hatte die Sparte mit der Antriebstechnik es insgesamt schwer. Der Umsatz ging bereinigt um Zukäufe und Wechselkursschwankungen zurück, das operative Ergebnis fiel gleich um 40 Prozent auf nur noch 72,5 Millionen Euro. Dazu trugen auch erhöhte Abschreibungen, Kosten für die Verselbstständigung und Umbaukosten bei.

Am Vortag hatte auch der vor Conti weltweit größte Autozulieferer Bosch angekündigt, dass die schwächere Nachfrage vor allem nach Dieselmotoren Stellen kosten werde. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Bosch-Chef Volkmar Denner, der Automarkt entwickle sich "deutlich schwächer, als wir alle noch vor einem Jahr gedacht haben". Es handele sich nicht um eine kurzfristige Delle, die schnell wieder aufgeholt werden könne.

Vor gut zwei Wochen hatte Continental seinen Jahresausblick bei Umsatz und Gewinnmarge kappen müssen, weil die weltweite Autoproduktion deutlich schwächer ausfällt als zunächst prognostiziert. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds", stellte Schäfer klar. Auch im kommenden Jahr werde sich der Markt wohl nur auf dem Niveau dieses Jahres bewegen.

Sinkenden Umsätzen standen bei Conti im zweiten Quartal steigende Herstellkosten gegenüber, auch bei Forschung und Entwicklung sowie in Vertrieb und Verwaltung stiegen die Kosten. Eckdaten hatte Conti bereits berichtet, nun wurde aber auch unter dem Strich sichtbar, wie sehr die Branchenschwäche wiegt. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ab.

Widerstandsfähiger als die Autozuliefersparte zeigt sich in der Branchenkrise nach wie vor das Reifengeschäft, auch wenn es sich der Flaute ebenfalls nicht komplett entziehen kann. Im zweiten Quartal hat Conti weltweit einen leicht positiven Effekt aus Preisen und teureren Reifen erzielt, die schwächere Autoproduktion machte das aber wieder zunichte. Derzeit sieht Schäfer die Reifenpreise in Europa eher unter Druck, während die Situation auf den nordamerikanischen und asiatischen Märkten besser sei.

@ dpa.de

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