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Siemens Energy, DE000ENER6Y0

HAMBURG - Ohne beschleunigten Ausbau der Windenergie sind die deutschen Klimaziele zum Scheitern verurteilt - doch genau daran hapert es aus Sicht der Windkraftindustrie und der IG Metall.

02.09.2021 - 16:09:25

Noch lange kein 'Grünes Job-Wunder' in der Windindustrie. Die Gewerkschaft verlangt deshalb wie die Branche selbst und auch die Energiewirtschaft von der künftigen Bundesregierung deutlich mehr Tempo und Verlässlichkeit. Zudem besteht Deutschlands größte Gewerkschaft auf bessere Arbeitsbedingungen für die "grünen Jobs" in der Windbranche: Oft gebe es in Unternehmen keine Tarifbindung, und Firmen unterliefen Mitbestimmung und Gründung von Betriebsräten, beklagt die IG Metall.

Nach erheblichen Rückschlägen in den vergangenen Jahren mit dem Verlust tausender Arbeitsplätze helle sich die Stimmung in der Windindustrie zwar auf, sagte der norddeutsche Bezirksleiter der Gewerkschaft, Daniel Friedrich, am Donnerstag in Hamburg. "Wir sind aber weit entfernt von einem grünen Job-Wunder, das aktuell im Wahlkampf vielfach versprochen wird. Dafür müssen Politik und Unternehmen mehr tun und für mehr Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung in Deutschland sorgen."

Die IG Metall verlangt, den Ausbau der Windkraft gesetzlich auf mindestens fünf Gigawatt (GW) pro Jahr an Land und auf mindestens drei GW auf See festzuschreiben und die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. "Mit der Stop-and-Go-Politik der vergangenen Jahre muss endgültig Schluss sein", forderte Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb.

Bis 2030 müssten Lemb zufolge an Land 100 GW Windkraftleistung installiert sein. Derzeit gibt es in Deutschland rund 29 000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 55 GW. Die erforderliche Leistung der Windkraft auf See liegt laut IG Metall bei 50 GW bis 2030. Aktuell liegen die Kapazitäten der Windräder in der Nordsee aber nur bei knapp 7 GW, hinzu kommen noch gut 1 GW in der Ostsee. Erstmals seit vielen Jahren wird es 2021 keine neuen Windenergieanlagen auf See geben. Bis 2030 strebt die Bundesregierung einen Ausbau auf 20 und bis 2040 auf 40 Gigawatt an. Sie hat mit einer Neuauflage der Raumordnung in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Nord- und Ostsee gerade erst planungsrechtliche Voraussetzungen dafür geschaffen.

Schon heute wird in Deutschland mehr Strom aus Wind (2020: 25,6 Prozent) als aus Kohle (24,8 Prozent) gewonnen. Angesichts des absehbaren Endes von Atom- und Kohlestrom ist aber noch erheblich mehr "grüne" Energie erforderlich, zumal Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gerade erst die Bedarfsprognose zum Jahr 2030 deutlich erhöht hat. Für Millionen von Elektroautos, Wärmepumpen oder die Produktion "grüner" Treibstoffe, wie Wasserstoff oder Methanol, dürfte demzufolge der Stromverbrauch um 10 bis 15 Prozent über den bisherigen Annahmen liegen.

Neben dem Mangel an ausgewiesenen Flächen gelten lange Planungs- und Genehmigungsverfahren als Hemmnis beim Windkraftausbau. Außerdem gibt es vielerorts Akzeptanzprobleme bei Windrädern in der Nachbarschaft: Viele Klagen verzögern die Inbetriebnahme neuer Anlagen. Vor allem die 10-H-Regel in Bayern ist umstritten. Sie besagt, dass ein Windrad grundsätzlich mindestens das Zehnfache seiner Höhe von Wohnbebauung entfernt sein muss. Bessere Arbeitsbedingungen könnten aus IG-Metall-Sicht erheblich dazu beitragen, dass die Bürger Widerstand gegen Windrotoren in ihrer Nähe aufgeben.

"Ich akzeptiere eher, dass bei mir ein Windrad aufgestellt wird in der Region, wenn ich weiß, dass in meiner Verwandtschaft, bei meinen Bekannten, in meiner Region, das auch zu guter Arbeit geführt hat", sagte Bezirksleiter Friedrich. Außerhalb traditioneller Zulieferer, zum Beispiel im Maschinenbau, seien die Windkraftindustrie aber "nie der Ort der Mitbestimmung, der Tarifverträge, manchmal sogar das Gegenteil, und das muss sich ändern", so der Gewerkschafter. "Es ist nicht akzeptabel, dass wir an vielen Stellen hier mit viel Geld der Bundes- und Landespolitik die Windenergie unterstützen, aber die Arbeit, die Zukunft der Arbeit und gute Arbeit an den Regionen und an den Menschen vorbeigehen."

@ dpa.de

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