Evotec, DE0005664809

HAMBURG - Der Pharma-Wirkstoffforscher Evotec traut sich wegen des schwachen Euro etwas mehr Umsatzwachstum zu.

11.08.2022 - 15:51:59

Hohe Kosten bremsen Gewinnentwicklung von Evotec - Aktie fällt. Zugleich bremsen aber hohe Kosten für das Hochfahren einer vor einem Jahr in den USA eröffneten Produktionsanlage für Biologika sowie höhere Aufwendungen für Energie sowie im Zusammenhang mit einer Übernahme die operative Gewinnentwicklung. Zudem war der Beitrag durch Meilensteinzahlungen, die das Unternehmen von Pharmafirmen nach dem Erreichen definierter Ziele erhält, zuletzt geringer. Daher bleibt der Jahresausblick für das operative Ergebnis nur dank des schwachen Euro unverändert. Die zuletzt arg gebeutelte Aktie geriet am Donnerstagmorgen erneut unter Druck.

profitiert grundsätzlich von Kooperationen mit der Biotech- und Pharmaindustrie, da Erfolge Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen mit sich bringen. Seit geraumer Zeit nimmt Evotec aber auch mehr Geld für die Forschung und Entwicklung in die Hand. Zudem erweitert das Unternehmen das Angebot für seine Kunden, etwa mit Produktionsanlagen für biopharmazeutische Wirkstoffe. Hier hatte Evotec vor einem Jahr einen Standort in den USA in Redmont in Betrieb genommen, die zweite entsteht am französischen Standort Toulouse. Das kostet zunächst alles Geld.

Unter dem Strich stand für die Aktionäre von Evotec ein Minus von 101 Millionen Euro, nachdem vor einem Jahr noch ein Gewinn von fast 113 Millionen erzielt worden war. Wesentlicher Grund: Der Konzern musste auf seine britische Beteiligung Exscientia viel Geld abschreiben. Vor einem Jahr hatte Evotec nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde des Unternehmens vor dem Börsengang des Unternehmens noch einen hohen Buchwertzuwachs erzielt. Seit dem Gang an die Börse vergangenen Herbst hat der Exscientia-Kurs aber auch im Sog der Schwäche von Tech-, Biotech- und Wachstumswerten deutlich nachgegeben.

Analystin Zoe Karamanoli von der britischen Bank RBC reagierte enttäuscht auf die Resultate. Zwar habe der Umsatz im ersten Halbjahr etwas über der durchschnittlichen Markterwartung gelegen, das bereinigte operative Ergebnis liege aber dennoch darunter. Die Frage sei nun, warum die Beiträge der US-Tochter Just-Evotec Biologic sich eher träge entwickelten und wie Evotec die für 2025 gesteckten Ziele erreichen wolle. So erscheine das Ziel eines bereinigten operativen Ergebnisses von mindestens 300 Millionen Euro ambitioniert.

Das Management zeigte sich in der Telefonkonferenz mit Analysten indes zuversichtlich, das Ziel zu erreichen und verwies dabei auch auf das Timing des Hochlaufens der neuen Standorte für Biologika in den USA.

Nach einigen Schwankungen sanken die Evotec-Aktien am Nachmittag zuletzt um 0,3 Prozent auf 25,04 Euro ab. Damit stabilisierten sie sich etwas nach einem Vortagesminus von mehr als acht Prozent. Zur Wochenmitte hatte sich Analyst James Quigley von der Bank Morgan Stanley skeptisch zu den Profitabilitätsaussichten geäußert. Am Markt würden die Folgen der aktuell hohen Forschungsinvestitionen sowie die des Hochfahrens der Biologika-Produktion unterschätzt, hatte der Experte gesagt. Es werde wohl bis 2024/25 dauern, bis die Gewinnentwicklung wieder in Schwung komme. Im laufenden Jahr hat die Evotec-Aktie rund 40 Prozent eingebüßt.

@ dpa.de