Produktion, Absatz

GÜTERSLOH - Die Mehrheit der Bundesländer stellt den Verbrauchern einer Untersuchung zufolge keine Informationen über die Qualität von Pflegeheimen bereit.

13.01.2022 - 11:57:00

Studie: Über Qualität von Pflegeheimen wird mangelhaft informiert. Wichtige Angaben zu Pflegeheimen wie zum Personalbestand seien zwar in allen Ländern vorhanden, blieben aber in den meisten Bundesländern unter Verschluss, kritisierte die Bertelsmann Stiftung bei Vorlage der "Weissen Liste" am Donnerstag. Menschen, die auf der Suche nach einem Pflegeheim seien, würden damit Informationen zu wesentlichen Auswahlkriterien vorenthalten.

GÜTERSLOH - Die Mehrheit der Bundesländer stellt den Verbrauchern einer Untersuchung zufolge keine Informationen über die Qualität von Pflegeheimen bereit. Wichtige Angaben wie zum Personaleinsatz seien zwar in allen Ländern vorhanden, blieben aber in den meisten Bundesländern unter Verschluss, kritisierte die Bertelsmann Stiftung bei Vorlage der "Weissen Liste" am Donnerstag. Vielen Menschen, die auf der Suche nach einem Pflegeheim seien, würden damit Informationen zu wesentlichen Auswahlkriterien vorenthalten. "Das Pflegeheim als gefährlichster Ort für hochbetagte Menschen in der Corona-Krise bleibt eine Blackbox", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur.

In zehn Ländern werden Daten, die sich aus Prüfungen der landesrechtlich zuständigen Aufsichtsbehörden ergeben, laut Studie gar nicht veröffentlicht. Verbraucher erfahren somit nichts darüber, ob in einem Heim Personal fehlt oder schwerwiegende Mängel zu beanstanden sind, wie die Stiftung rügte. Ebenso wenig lasse sich nachvollziehen, welche Einrichtungen besonders gut aufgestellt seien.

Nur Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin veröffentlichten die Ergebnisse aktiv, so dass sie allgemein verfügbar seien. In Baden-Württemberg und Hessen müssten die Prüfergebnisse zumindest durch die Pflegeheime selbst veröffentlicht werden. Allerdings seien die Daten derzeit nur in den Einrichtungen direkt einsehbar, also lediglich eingeschränkt zugänglich.

Der Mangel an Transparenz entstehe entweder, weil es eine landesrechtliche Regelung mit Veröffentlichungspflicht nicht gebe oder aber weil vorhandene Gesetze nicht umgesetzt würden. So sei in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen eine Publikation der Prüfergebnisse gesetzlich nicht vorgesehen. Und die Länder Bayern, Brandenburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein setzten bestehende Gesetze aus unterschiedlichen Gründen nicht um, was "besonders gravierend" sei, hieß es in Gütersloh.

Positiv falle Hamburg auf, wo detaillierte Angaben auch etwa zu vorübergehenden Aufnahmestopps oder Ergebnisse aus Angehörigenbefragungen ins Netz gestellt würden. Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW gehöre zu den vier Ländern, in denen Ergebnisse der Heimprüfungen so veröffentlicht würden, dass sie auch unabhängig vom Besuch einer Einrichtung abrufbar seien.

Die Auswahl eines Pflegeheims bedeute eine Lebensentscheidung und die Betroffenen seien auf verlässliche Angaben angewiesen, betonte Stiftungsvorstand Brigitte Mohn. Man könne damit auch die gute Arbeit vieler Pflegefachkräfte öffentlich sichtbar machen. "Umgekehrt sollte es aber auch möglich und erlaubt sein, die Pflegeheime zu erkennen, bei denen Defizite bestehen."

Patientenschützer Brysch sagte, Hygienekontrollen der Gesundheitsämter seien pandemiebedingt heruntergefahren worden. Angehörigenbesuche würden seit fast zwei Jahren nur noch gesteuert und "in homöopathischen Dosen" ermöglicht. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (CDU) sei gefragt. Er müsse jetzt erklären, "wann die Informationslücken in der stationären Altenpflege geschlossen werden."

Stiftungsexperte Johannes Strotbek erläuterte, Pflegebedürftige hätten "prinzipiell das Recht, den für sie fachlich geeigneten, individuell passenden und qualitativ guten Leistungserbringer frei zu wählen". Dazu brauche es einen Überblick über Leistungsangebot und Qualität der Anbieter. Auf Bundesebene seien über den "Pflege-TüV" seit einigen Jahren Kernergebnisse aus Prüfungen zur Qualität einsehbar - mit Lücken.

Auf Landesebene gebe einen Flickenteppich mit großen Info-Defiziten. Alle Bundesländer sollten die relevanten Daten, die den Aufsichtsbehörden vorliegen, auch offenlegen, mahnte Strotbek in der Analyse. Das könne zudem Impulse für einen Qualitätswettbewerb unter den Einrichtungen setzten. Es brauche überall konkrete gesetzliche Vorgaben, die dann aber auch umzusetzen seien. Verbraucher, Informationsportale, Beratungsstellen und Versorgungsforschung müssten frei auf Informationen zur Pflegequalität zugreifen können.

Zugleich wies die Stiftung darauf hin, dass durch die Pandemie in allen Bundesländern die Vor-Ort-Einsätze der Aufsichtsbehörden monatelang unterbrochen waren, weshalb Datenlücken entstanden seien.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Verwalter: Schritt von Genting Hongkong Rückschlag für MV Werften. Das zu Genting gehörende Kreuzfahrtunternehmen Dream Cruises sei der Kunde für das Kreuzfahrtschiff "Global One", das zu 75 Prozent fertig auf der Werft in Wismar liege, sagte Morgen am Mittwoch. WISMAR/HONGKONG - Der Gang von Genting Hongkong ins Gläubigerschutzverfahren ist für den vorläufigen Insolvenzverwalter der Tochtergesellschaft MV Werften, Christoph Morgen, ein Rückschlag. (Wirtschaft, 19.01.2022 - 11:11) weiterlesen...

Erste Verkaufsphase für WM-Eintrittskarten hat begonnen. BERLIN - Zehn Monate vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft in Katar hat der Fußball-Weltverband FIFA die erste Verkaufsphase für die Eintrittskarten gestartet. Bis zum 8. Februar (11.00 Uhr) können sich Interessenten um Tickets bewerben, teilte die FIFA am Mittwoch mit. Sollte es mehr Anfragen als Karten geben, kommt es zu einer Verlosung. Fans sollen dann bis zum 8. März erfahren, ob sie zum Zuge gekommen sind. Die WM-Endrunde mit 32 Mannschaften dauert vom 21. November bis zum 18. Dezember. Erste Verkaufsphase für WM-Eintrittskarten hat begonnen (Boerse, 19.01.2022 - 11:08) weiterlesen...

Stellantis-Chef wettert gegen Elektroauto-Strategie der EU. Die politischen Vorgaben hätten den Herstellern keine kreative Freiheit gelassen, andere Ideen einzubringen, erklärte Tavares in einem "Handelsblatt"-Interview (Mittwoch). Die Elektroantriebe seien 50 Prozent teurer als die Verbrenner und trieben die Preise für Neuwagen in die Höhe. Damit steige das Risiko, dass die Mittelschicht keine Autos mehr kaufen könne und die Staatskassen überfordert würden. DÜSSELDORF/FRANKFURT - Der Chef des Autokonzerns Stellantis hat die Elektroauto-Strategie der EU scharf kritisiert. (Boerse, 19.01.2022 - 10:47) weiterlesen...

Schott steigert Umsatz und Ergebnis deutlich. Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um 35 Prozent auf 390 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Konzernjahresüberschuss stieg um 45 Prozent auf 289 Millionen Euro. Treiber dieser positiven Entwicklung sei insbesondere die Sonderkonjunktur im Bereich Hausgeräte gewesen, hieß es. Auch die Produkte für die Pharmaindustrie hätten ihren Teil dazu beigetragen. MAINZ - Der Mainzer Spezialglashersteller Schott hat im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 13 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro gesteigert. (Boerse, 19.01.2022 - 10:43) weiterlesen...

Finanzdienstleister Hypoport verspürt Auftrieb nach schwachem Sommer BERLIN - Der Finanzdienstleister Hypoport notierte Aktie hielt sich am Morgen stabil. (Boerse, 19.01.2022 - 10:33) weiterlesen...

Umfrage: Großes Interesse an generalüberholten IT-Geräten. Das geht aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Jeder achte Befragte (13 Prozent) hat demnach bereits überarbeitete Geräte gekauft. BERLIN - Die Hälfte der Deutschen würde gebrauchte Computer und Elektronikgeräte kaufen, wenn diese zuvor professionell aufbereitet worden sind. (Boerse, 19.01.2022 - 10:27) weiterlesen...