Tourismus, Auto

GLASGOW - Nach den Massenprotesten in Glasgow für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz startet die Weltklimakonferenz in ihre zweite und entscheidende Woche.

08.11.2021 - 06:34:00

Weltklimakonferenz startet in heiße Phase - Klimahilfen im Fokus. Am Montag reisen zahlreiche Minister und Regierungschefs nach Schottland, um den Verhandlungen der rund 200 vertretenen Staaten Schwung zu geben. Bundesumweltministerin Svenja Schulze kommt erst gegen Ende der Woche dazu, die SPD-Politikerin ist an den Verhandlungen über eine Koalition von SPD, Grünen und FDP im Bund beteiligt.

Bei dem Mammuttreffen in Glasgow mit knapp 30 000 Delegierten steht an diesem Montag das heikle Thema Geld auf der Agenda. Arme Staaten, die schon jetzt unter Dürren, Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel wegen der beschleunigten Erderhitzung leiden, pochen auf Schadenersatz der reichen Industrieländer. Diese reagieren aber seit Jahren zurückhaltend - auch weil sie Klagen auf Reparationen vor Gericht fürchten.

Dennoch rief die britische Regierung die reichen Industriestaaten ausdrücklich auf, vor 2030 mehr Gelder im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe bereitzustellen. "Wir müssen nun handeln, um zu verhindern, dass der Klimawandel immer mehr Menschen in die Armut stürzt", sagte Handelsministerin Anne-Marie Trevelyan, die am Montag in Glasgow die Gespräche über entsprechende finanzielle Zusagen leiten sollte.

Die Finanzierung ist eines der strittigsten Themen in den Klimaverhandlungen. So gestanden die Industriestaaten bereits ein, ihre Zusage von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für besonders vom Klimawandel betroffene Staaten voraussichtlich erst drei Jahre verspätet erstmals vollständig einzuhalten, konkret im Jahr 2023.

Zur Halbzeit der Konferenz hatte der Premierminister Boris Johnson - Gastgeber des Gipfels in Schottland - weitere Zusagen und mehr Kompromisswillen der Staaten eingefordert. Es gehe um das 2015 in Paris gemeinsam gesteckte Ziel, die Erderhitzung auf noch erträgliche 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit einzudämmen.

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte eine Lösung an. "Die Sorenen heulen", twitterte er am frühen Montagmorgen. "Unser Planet sagt uns etwas, wie auch die Menschen überall. Wir müssen zuhören, wir müssen agieren, und wir müssen uns weise entscheiden". Diese Entscheidung müsse für den zum Schutz der Zukunft und zur Rettung der Menschheit fallen.

Am Freitag und übers Wochenende machten Zehntausende Menschen in Glasgow, ganz Großbritannien und vielen weiteren Ländern ihrem Unmut über den jahrzehntelang verschleppten Klimaschutz Luft und forderten mehr Klimagerechtigkeit. Die weltweit bekannteste Aktivistin, die Schwedin Greta Thunberg, geißelte Tatenlosigkeit und "Blablabla" der großen Wirtschaftsnationen. Die Konferenz COP26 sei jetzt schon ein Fehlschlag. Der Gipfel soll nach bisherigen Planungen am Freitag zu Ende gehen.

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die Proteste junger Leute für gerechtfertigt. "Glasgow hat schon einige Ergebnisse gebracht, aber aus der Perspektive junger Leute geht es berechtigterweise immer noch zu langsam", sagte die CDU-Politikerin in einem Interview der Deutschen Welle.

Die Staatengemeinschaft habe immer wieder einiges getan für den Klimaschutz, dennoch seien die Berichte des Weltklimarates IPCC "immer warnender und immer bedrohlicher geworden". "Und da sage ich den jungen Leuten, sie müssen Druck machen, und wir müssen schneller werden", betonte Merkel. Man sei zwar schneller geworden. "Aber nie war es so, dass nicht der Abstand zu den wissenschaftlichen Einschätzungen noch mal gewachsen ist. Und das muss sich jetzt in diesem Jahrzehnt verändern. Wir müssen wieder den wissenschaftlichen Einschätzungen folgen: Und das heißt eben, sehr nah bei 1,5 Grad Erderwärmung bleiben."

Am Sonntag warfen Umweltschützer dem ölreichen Königreich Saudi-Arabien vor, die Verhandlungen blockieren zu wollen. Regierungsvertreter aus Riad hätten sich am späten Freitagabend gegen ehrgeizige Formulierungen zum Klimaschutz in der geplanten Abschlusserklärung gewandt, beklagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan. Auch habe die saudi-arabische Delegation Beschlüsse blockiert, um beim Thema Anpassung an die Folgen der Erderwärmung voranzukommen. Morgan sagte, solche strategischen Manöver des autoritär regierten Staats seien "zynisch", aber leidlich bekannt.

Die US-Regierung von Präsident Joe Biden rief derweil China als größten Verursacher von fossilen CO2-Emissionen zu verstärkten Anstrengungen beim Klimaschutz auf. "Wir erwarten von China, dass es sich der Verantwortung für das Klima stellt", sagte der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan, dem Sender CNN. Die USA sind die weltgrößte Volkswirtschaft und - hinter China - der zweitgrößte Verursacher von CO2-Emissionen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Studie sieht bröckelnde Mittelschicht - Pandemie verstärkt Trend. 2018 zählten 64 Prozent der Bevölkerung zur mittleren Einkommensgruppe, was im Vergleich zu 1995 - mit damals 70 Prozent - ein Schrumpfen um sechs Prozentpunkte bedeute. Das geht aus einer Analyse der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Es handele sich um die aktuellsten verfügbaren Daten zu dem komplexen Thema, sagte die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Natascha Hainbach, am Mittwoch. GÜTERSLOH - Die Mittelschicht in Deutschland bröckelt einer Studie zufolge erheblich, besonders der untere Rand ist abstiegsgefährdet. (Wirtschaft, 01.12.2021 - 06:34) weiterlesen...

Omikron-Variante: Erstmals zwei Fälle in Brasilien entdeckt. Es könnte sich dabei auch um den ersten Fall in Lateinamerika überhaupt handeln. Proben von zwei Brasilianern, die durch das renommierte Hospital Albert Einstein positiv auf die Omikron-Variante getestet wurden, würden für eine bestätigende Laboranalyse eingeschickt werden, hieß es in einer Mitteilung der brasilianischen Gesundheitsüberwachungsbehörde Anvisa am Dienstag (Ortszeit). Nach Angaben des Nachrichtenportals "G1" handelt es sich um brasilianische Missionare, die in Südafrika leben. SAO PAULO - In Brasilien sind am Dienstag die ersten beiden Fälle mit der neuen Coronavirus-Variante Omikron festgestellt worden. (Wirtschaft, 01.12.2021 - 06:34) weiterlesen...

Experte: Vielleicht einige Hundert Omikron-Fälle in Deutschland. Der Zeitraum, in dem Reisende das Virus bereits international verbreiteten, betrage sicher Wochen, teilte Oliver Keppler, Vorstand am Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München der Nachrichtenagentur dpa mit. BERLIN - Nach ersten Nachweisen der Omikron-Variante in Deutschland gehen Experten von einem bereits darüber hinausgehenden Vorkommen aus. (Wirtschaft, 01.12.2021 - 06:34) weiterlesen...

2G-plus-Regel kommt in weiten Teilen Niedersachsens. Für viele Bereiche des öffentlichen Lebens ist laut Landesregierung zusätzlich ein negativer Test notwendig. Das gilt etwa für Innenbereiche in Restaurants, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen im Innenraum, Hotels oder körpernahe Dienstleistungen, also etwa Friseure oder Kosmetikstudios. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen sich in der Regel nicht zusätzlich testen, weil sie das in ihrem Schulalltag bereits oft machen. HANNOVER - Vollständig gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Covid-Infektion genesen, wird von Mittwoch an vielerorts in Niedersachsen nicht mehr ausreichen. (Wirtschaft, 01.12.2021 - 06:34) weiterlesen...

Experten halten 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten für ehrgeizig. BERLIN - Experten halten die vom designierten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angepeilten 30 Millionen zusätzlichen Impfungen bis Weihnachten für sehr ehrgeizig. "Das ist logistisch schwer umzusetzen, da etwa 1,5 Millionen Impfungen am Tag verabreicht werden müssten", sagte Thomas Schulz, Leiter des Instituts für Virologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Zum Vergleich: Am Montag wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 532 000 Impfdosen in Deutschland verabreicht, 422 000 davon waren Auffrischungsimpfungen ("Booster"). Rekordtag war der 9. Juni mit insgesamt 1,4 Millionen Dosen. Experten halten 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten für ehrgeizig (Boerse, 01.12.2021 - 06:34) weiterlesen...

Bankenverband: Etliche Branchen von Normalisierung weit entfernt. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Christian Ossig, warnte zugleich davor, zu früh Normalität auszurufen. Er hielte es angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten für zu früh, "unterstützende Maßnahmen einzustellen", sagte Ossig der Deutschen Presse-Agentur. FRANKFURT/BERLIN - Die verlängerten staatlichen Corona-Hilfen werden eine Pleitewelle in Deutschland nach Einschätzung der privaten Banken verhindern. (Boerse, 01.12.2021 - 06:34) weiterlesen...