Produktion, Absatz

GLASGOW - Geht es nach dem britischen Gastgeber, so soll dreckiger Kohlestrom beim Klimagipfel in Glasgow in die Geschichtsbücher verwiesen werden.

04.11.2021 - 16:56:30

'Das Ende der Kohle'? - Wichtige Länder fehlen in neuen Allianzen. "Das Ende der Kohle ist in Sicht", verkündete der Präsident des Gipfels, Alok Sharma, am Donnerstag in Glasgow. Der Grund für seinen Optimismus: Mehr als 40 Länder wollen in den 2030er oder spätestens 2040er Jahren aus der Kohleverstromung ausstiegen. 23 davon bekennen sich erstmalig zu diesem Schritt, darunter Staaten wie Polen, Vietnam und Chile.

Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Großemittenten wie China und USA, aber auch Indien oder Australien sind nicht dabei. Die Energiegewinnung durch Kohle ist der größte Einzelfaktor für die Erderwärmung.

Dem Versprechen zufolge bekennen sich die in der Allianz vertretenen großen Volkswirtschaften dazu, die Kohle in den 2030er-Jahren hinter sich zu lassen. In den 2040er-Jahren soll der Rest der Welt folgen.

Von der Organisation Greenpeace gab es prompt Kritik: "Das Kleingedruckte scheint den Ländern erheblichen Spielraum zu geben, um ihr eigenes Ausstiegsdatum zu wählen, trotz der schillernden Überschrift", sagte Delegationsleiter Juan Pablo Osornion der BBC. Ländern drohen bislang keine Sanktionen, wenn sie ihre Absichtserklärungen nicht einhalten.

Deutschland liegt mit seinen Plänen im Zeitplan der Allianz - sowohl mit dem von den potenziellen Ampel-Koalitionspartnern für 2030 angepeilten vorgezogenen Kohleausstieg als auch mit dem bislang beschlossenen bis spätestens 2038.

Bei einer anderen Kohle-Allianz ist die Bundesrepublik hingegen nicht an Bord: Darin bekennen sich 25 Länder und mehrere Banken dazu, die Finanzierung fossiler Brennstoffe bis Ende 2022 zu beenden und stattdessen in grüne Energien zu investieren. In diesem Fall haben auch die USA unterzeichnet, außerdem gehören Dänemark, Kanada und Italien dazu. Weshalb Deutschland der Allianz nicht beitrat, blieb auf Nachfrage unklar. Das Bundesumweltministerium teilte am Nachmittag dazu lediglich mit, dass sich die Bundesregierung "noch über den Beitritt zur Erklärung" abstimme.

Klima-Experte David Ryfisch von Germanwatch forderte von den Ampel-Parteien, die derzeit in Berlin über eine gemeinsame Koalition verhandeln, der Finanzierung von Kohle, Öl und Gas über die deutsche Förderbank KfW eine Absage zu erteilen. "Die KfW isoliert sich international zunehmend, wenn sie weiter daran festhalten sollte, bis 2030 in Erdgas-Infrastruktur zu investieren, die auf Jahrzehnte angelegt ist", sagte Ryfisch. "Das steht nicht im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen."

"Die Wende hin zu sauberer Energie muss ungefähr fünfmal schneller vorankommen, als sie es aktuell tut", erklärte der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng. Großbritannien will schon 2024 sein letztes Kohlekraftwerk abschalten. Als Gastgeber hat die britische Regierung die Kohle neben "Geld, Bäumen und Autos" zu den zentralen Baustellen des Klimagipfels erklärt, auf dem in Glasgow derzeit rund 200 Staaten darum ringen, wie die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad noch erreicht werden kann. "Der Unterschied zwischen 1,5 und zwei Grad ist für Länder wie die Malediven ein Todesurteil", sagte die Umweltministerin der Inselgruppe, Aminath Shauna, in Glasgow. Er appellierte: "Wir müssen dekarbonisieren."

Wie dringend die Energiewende zur Erreichung der Klimaziele notwendig ist, macht auch die neue Analyse des Forschungsverbundes "Global Carbon Project" deutlich. Daraus geht hervor, dass der globale Ausstoß von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in diesem Jahr bereits wieder annähernd das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreichen wird. Sogar ein neuer Höchstwert erscheint möglich. Die fossilen CO2-Emissionen dürften 2021 Hochrechnungen zufolge bei 36,4 Milliarden Tonnen liegen.

Um das Ziel von netto null Kohlendioxidemissionen bis 2050 zu erreichen, müsste der gesamte CO2-Ausstoß jedes Jahr um 1,4 Milliarden Tonnen sinken. Von der Erreichung des Ziels ist die Welt aber weit entfernt. Um eine 50-prozentige Chance zu haben, die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, dürften insgesamt künftig nur noch 420 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Dieses Budget wäre bei einem Ausstoß wie 2021 in etwa elf Jahren aufgebraucht.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

US-Regierung klagt gegen Kauf des Chipdesigners Arm durch Nvidia. Die geplante Übernahme der britischen Firma durch den Grafikkarten-Spezialisten Nvidia könne Innovationen bremsen, begründete die Handelsbehörde FTC ihre Klage am Donnerstag. Der US-Konzern Nvidia hatte bereits im September 2020 zum rund 40 Milliarden Dollar schweren Kauf von Arm angesetzt. Unter anderem auch in Europa wird das Geschäft unter die Lupe genommen. Es wäre die größte Übernahme in der Halbleiterbranche. WASHINGTON - Die US-Regierung will einen Milliardendeal um den Chipdesigner Arm verhindern, dessen Technik in praktisch allen Smartphones steckt. (Boerse, 02.12.2021 - 22:12) weiterlesen...

Verwertungsgesellschaft fordert von Facebook 190 Millionen Euro. "Für die Rechte der bis jetzt vertretenen Rechteinhaber wird eine Lizenzgebühr von 190 Millionen Euro im Jahr 2022 gefordert", teilte die Verwertungsgesellschaft am Donnerstag in Berlin zu ihrem vorgelegten Lizenzvertrag mit. Hintergrund ist das in diesem Jahr überarbeitete Urheberrecht, das auch ein Leistungsschutzrecht für Pressehäuser beinhaltet. BERLIN - Die Meta -Tochter Facebook soll nach dem Willen der Verwertungsgesellschaft Corint Media für die Nutzung von Presseinhalten im nächsten Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag an deutsche Medienhäuser zahlen. (Boerse, 02.12.2021 - 20:56) weiterlesen...

Meyer Burger drosselt wegen Corona Produktion in Freiberg. Das Unternehmen sieht sich laut Mitteilung vom Donnerstag gezwungen, in dem Werk vorübergehend nur eine von zwei Produktionsstraßen zu betreiben und die Produktionspläne für seine Solarmodule bis voraussichtlich Ende Januar 2022 entsprechend anzupassen. Der angekündigte Kapazitätsausbau an diesem und dem Standort Thalheim (Sachsen-Anhalt) sei nicht beeinträchtigt. FREIBERG - Der Schweizer Maschinenbauer Meyer Burger Technology AG drosselt aufgrund von Ausfällen durch Krankheit und Quarantäne im Zuge der Corona-Pandemie die Produktion von Solarmodulen in Freiberg (Mittelsachsen). (Boerse, 02.12.2021 - 19:44) weiterlesen...

Verwertungsgesellschaft fordert von Facebook 190 Millionen Euro. "Für die Rechte der bis jetzt vertretenen Rechteinhaber wird eine Lizenzgebühr von 190 Millionen Euro im Jahr 2022 gefordert", teilte die Verwertungsgesellschaft am Donnerstag in Berlin zu ihrem vorgelegten Lizenzvertrag mit. Hintergrund ist das in diesem Jahr überarbeitete Urheberrecht, das auch ein Leistungsschutzrecht für Pressehäuser beinhaltet. BERLIN - Die Meta -Tochter Facebook soll nach dem Willen der Verwertungsgesellschaft Corint Media für die Nutzung von Presseinhalten im nächsten Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag an deutsche Medienhäuser zahlen. (Boerse, 02.12.2021 - 19:23) weiterlesen...

Facebook schreibt besseren Schutz für Politiker und Aktivisten vor. So soll für sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung, bei der zur ersten Anmeldung auf einem Gerät auch ein frisch erzeugter Zahlencode notwendig ist, verpflichtend werden. Die Maßnahmen sollen etwa für Accounts von Menschenrechtsaktivisten, Regierungsvertretern oder Journalisten gelten, kündigte der Facebook-Konzern Meta am Donnerstag an. MENLO PARK - Facebook will Accounts, die besonders im Fokus von Hackern stehen, zu stärkeren Schutzmaßnahmen zwingen. (Boerse, 02.12.2021 - 19:03) weiterlesen...

Krankenhausgesellschaft begrüßt Bund-Länder-Beschlüsse zu Corona. "Die Beschlüsse sind absolut richtig, und wir begrüßen sie. Sie müssen jetzt auch konsequent umgesetzt und kontrolliert werden", sagte er der "Rheinischen Post" (Freitag). BERLIN - Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, begrüßt die von Bund und Ländern verabredeten verschärften staatlichen Beschränkungen im Kampf gegen die heftige Corona-Welle. (Boerse, 02.12.2021 - 19:00) weiterlesen...