Flugzeugbau, Regierungen

GESAMT-ROUNDUP: Ukraine befürchtet nach Mariupols Fall neue russische Offensiven

22.05.2022 - 15:16:28

GESAMT-ROUNDUP: Ukraine befürchtet nach Mariupols Fall neue russische Offensiven. KIEW/MOSKAU - Die Ukraine befürchtet nach dem Fall der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol massive neue russische Angriffe in anderen Teilen des Landes. Im Osten gab es am Sonntag schwere Gefechte. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Lage im Gebiet Donbass als "äußerst schwierig". Zugleich forderte er vom Westen noch strengere Sanktionen gegen Moskau. Der russische Krieg gegen das Nachbarland geht an diesem Dienstag bereits in den vierten Monat - ohne dass es Aussichten auf ein baldiges Ende gibt. Das Parlament in Kiew verlängerte das Kriegsrecht bis Ende August.

Die Eroberung von Mariupol - einer Stadt mit einst fast 500 000 Einwohnern - bedeutet für Russlands Präsident Wladimir Putin den bislang größten Erfolg. Im dortigen Stahlwerk gaben die letzten von mehr als 2400 ukrainischen Kämpfern am Freitagabend nach vielen Wochen auf. Ihr Schicksal ist ungewiss. Die Russen versuchen nun insbesondere, auch die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk im Gebiet Luhansk unter Kontrolle zu bringen. In Moskau berichtete das Verteidigungsministerium von mehr als 580 Angriffen. Inzwischen sind etwa 6,5 Millionen Menschen auf der Flucht.

Ukraine verlängert Kriegsrecht bis Ende August

Mit der Verlängerung des Kriegsrechts machte die Ukraine deutlich, dass sie wenig Hoffnung auf Frieden hat. Auch die Generalmobilmachung wurde am Sonntag bis zum 23. August verlängert - einen Tag später feiert die Ukraine ihre Unabhängigkeit. Das Kriegsrecht gibt dem Militär erweiterte Rechte und schränkt Freiheiten ein. Bislang hatte Selenskyj es in drei Etappen für jeweils 30 Tage verhängt. Vom Westen verlangte er am Sonntag weitere Sanktionen. US-Präsident Joe Biden setzte derweil ein bereits beschlossenes Hilfspaket für die Ukraine von fast 40 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) in Kraft.

Russland liefert an Finnland kein Gas mehr

Die Auswirkungen des Konfliktes reichen zunehmend über die Ukraine hinaus. So stellte Russland am Wochenende seine Gas-Lieferungen nach Finnland ein. Der Staatskonzern Gazprom begründete dies mit der Weigerung des Nachbarlands, in russischen Rubeln zu bezahlen. Der Lieferstopp dürfte aber auch in Zusammenhang mit Finnlands Entscheidung stehen, gemeinsam mit Schweden der Nato beitreten zu wollen. Das 5,5-Millionen-Einwohner-Land ist weniger stark von russischem Gas abhängig als zum Beispiel Deutschland. Die Energieversorgung dürfte nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

Schröder weiter in der Kritik

In Deutschland setzte sich die Diskussion um die Russland-Verbindungen von Ex-Kanzler Gerhard Schröder fort. Dabei geht es jetzt darum, ob der 78-Jährige nach seinem Verzicht auf den Aufsichtsratsposten beim Energiekonzern Rosneft auch seine Jobs bei den Gazprom-Töchtern Nord Stream niederlegen muss - so wie das beispielsweise Kanzler Olaf Scholz (ebenfalls SPD) verlangt. FDP-Vize Wolfgang Kubicki mahnte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, bei Schröder die "Grenze zur Demütigung" nicht zu überschreiten.

Selenskyj appelliert an Moral der Truppen

Selenskyj appellierte an die Moral der eigenen Truppen. Jeder Tag, an dem Russlands Pläne durchkreuzt würden, sei ein Beitrag auf dem Weg zum Sieg. Vermutet wird, dass russische Soldaten, die bislang in Mariupol gebunden waren, nun anderswo einsetzt werden. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs versuchten die Russen erfolglos, Ortschaften rund um Sjewjerodonezk zu stürmen. Ebenso hart werde um Dörfer südlich der Trasse Lyssytschansk-Bachmut gekämpft. Vermutet wird, dass Russland die komplette Kontrolle über die Gebiete Luhansk und Donezk erlangen will, um einen Landkorridor auf die 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim abzusichern.

Schicksal der Kämpfer aus Mariupol offfen

Unklar ist, was nach der Eroberung des Stahlwerks in Mariupol nun mit den gefangen genommenen Ukrainern geschieht. Nach Angaben der russischen Seite haben sich mehr als 2400 Soldaten ergeben, darunter auch 78 Frauen und einige Ausländer. Als Kriegsgefangene stehen sie eigentlich unter Schutz. Der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki brachte auch einen Austausch gegen den prorussischen Politiker Viktor Medwedtschuk ins Spiel. Später erklärte er, die Kämpfer müssten in jedem Fall vor Gericht gestellt werden.

Ukraine auch Thema von Scholz-Reise nach Afrika

Kanzler Scholz verteidigte unterdessen den Kurs der Bundesregierung bei den deutschen Waffenlieferungen. "Die Grenzen in Europa dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden", sagte er bei einem Auftritt in Hildesheim. Der Konflikt wird auch Thema seiner ersten Afrika-Reise als Regierungschef. Der Kontinent ist unter anderem von drastisch steigenden Getreidepreisen betroffen. Zum Auftakt traf Scholz am Sonntag im Senegal ein.

Manche Experten vermuten, dass Russland in Afrika und im Nahen Osten absichtlich Hungerkrisen auslösen will. Der ehemalige deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger von Fritsch, sagte dem "Tagesspiegel" (Sonntag): "Putins Kalkül besteht darin, dass nach dem Zusammenbruch der Getreidelieferungen die hungernden Menschen aus diesen Regionen fliehen werden und versuchen, nach Europa zu kommen." Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Nach westlichen Angaben blockiert Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide. Auch Silos wurden bombardiert.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Merz fordert: Keine neuen Leistungsversprechen. "Sie will alles zugleich haben und macht dafür immer höhere Schulden. Wir kommen jetzt in eine Zeit, in der es gar nicht anders geht, als neue Prioritäten zu setzen. Und die eigentliche Priorität müsste unsere Freiheit, müsste unsere Sicherheit sein, und alles andere müsste dem nachstehen", sagte der CDU-Vorsitzende am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin" mit Blick auf die verschärfte Sicherheitslage infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine. BERLIN - Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat die Bundesregierung vor neuen sozialen Wohltaten gewarnt und ein Gesamtkonzept für die Krise gefordert. (Boerse, 28.06.2022 - 09:00) weiterlesen...

Ukraine: Russische Truppen stürmen Siedlung bei Lyssytschansk. Der Feind stürme die Siedlung Wowtschojariwka südwestlich der Stadt, teilte der ukrainische Generalstab am Dienstagmorgen in seinem Lagebericht mit. Russische Einheiten stehen im Süden bereits am Stadtrand. Gekämpft werde zudem an einer Ölraffinerie. KIEW - Im Osten der Ukraine gehen nach Angaben aus Kiew die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk weiter. (Wirtschaft, 28.06.2022 - 08:58) weiterlesen...

Lemke setzt bei EU-Beratungen über Verbrenner-Aus auf Paketlösung. "Wenn das Paket beinhaltet, was wir wollen, keine Autos, die CO2 ausstoßen nach 2035, dann werden wir zustimmen", sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin" vor Beratungen mit ihren Ministerkollegen in Luxemburg. Es gehe darum, den Umstieg auf die Elektromobilität voranzutreiben. Darüber hinaus müsse deutlich gemacht werden, dass außerhalb des Pkw-Bereichs auch andere Kraftstoffe eingesetzt werden könnten. Als Beispiel nannte sie Feuerwehrautos sowie den Schiffs- oder Luftverkehr. Lemke betonte mit Blick auf die Beratungen, sie richte sich auf einen langen Tag ein, "möglicherweise bis in die Nacht". BERLIN - Bundesumweltministerin Steffi Lemke setzt bei den Verhandlungen über ein EU-weites Aus für Verbrenner-Autos ab 2035 auf eine Paketlösung. (Boerse, 28.06.2022 - 08:43) weiterlesen...

EU-Agentur: Äußere Faktoren für viele Krebsfälle verantwortlich. Luftverschmutzung, krebserregende Chemikalien, UV-Licht oder auch Passivrauchen sind zusammen für schätzungsweise 10 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich, vermutlich gar für deutlich mehr, wie die EU-Umweltagentur EEA in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht schreibt. Rauchen, Alkoholkonsum oder auch die eigene Ernährung werden in diese Analyse nicht mit reingezählt. KOPENHAGEN - Rund jede zehnte Krebserkrankung in Europa lässt sich nach Ansicht von EU-Experten auf äußere Faktoren wie Schadstoffe zurückführen. (Boerse, 28.06.2022 - 07:35) weiterlesen...

Streit um mögliches Verbrenner-Aus - Greenpeace kritisiert Grüne. "Die Grünen scheinen jede Ambition auf Klimaschutz im Verkehr aufzugeben", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan der Deutschen Presse-Agentur. Solange Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) keine wirksamen Maßnahmen vorschlage, seien ehrgeizige Vorgaben aus Brüssel der einzige Weg, um den Klima-Rückstand im Verkehr aufzuholen. LUXEMBURG - Greenpeace kritisiert die Grünen für die aus Sicht der Umweltschützer aufgeweichte Position im Streit um ein mögliches Aus für neue Verbrenner ab 2035. (Boerse, 28.06.2022 - 07:34) weiterlesen...

Entsetzen nach Angriff auf Einkaufszentrum - Die Nacht im Überblick (Aktualisierung: Zahl der Todesopfer) (Wirtschaft, 28.06.2022 - 07:04) weiterlesen...