Fresenius SE, DE0005785604

FRANKFURT - Nach einem turbulenten Jahr 2018 wirbt der Gesundheitskonzern Fresenius um Vertrauen bei den Aktionären.

17.05.2019 - 13:31:23

Fresenius wirbt um Vertrauen - Kritik und Lob auf der Hauptversammlung. Das für 2019 erwartete gleichbleibende Ergebnis solle ein "einmaliger Schritt zur Seite" bleiben, betonte Konzernchef Stephan Sturm am Freitag auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Für seinen Erfolg habe Fresenius bereits zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, versicherte Sturm. Der Konzernlenker verwies auf die geplante Anhebung der Investitionen auf 2,5 Milliarden Euro, mit der Fresenius in diesem Jahr sein Geschäft ausbauen will. Am Morgen brach die Konzern-Aktie dennoch auf ein Tief seit Ende März ein. Zuletzt lag die Aktie noch mit 1,6 Prozent im Minus.

mit Gesundheitsdienstleistungen rund um die Blutwäsche nicht mehr rund. Zwei Mal musste der Konzern sein Gewinnziel korrigieren. Die Aktie brach auf Jahressicht um mehr als 30 Prozent ein.

Die Anteilseigner hatten in den vergangenen Jahren angesichts einer Serie von Gewinnrekorden und einem starken Aktienkurs wenig auszusetzen. Kritik erntete auf dem Aktionärstreffen deshalb vor allem der starke Kursverfall im vergangenen Jahr - aber auch die damalige Kommunikationspolitik des Unternehmens. Diese habe die Anleger stark verunsichert, warf Nicolas Huber, Sprecher der Fondsgesellschaft DWS , dem Dax-Konzern vor. Auch Sturm räumte Unzufriedenheit ein - der Aktienkurs habe sich "gar nicht gut entwickelt". Auch zwei Gewinnwarnungen hintereinander seien "nicht schön" gewesen. Fresenius werde aber alles daran setzen, dass es bei diesen bleiben werde.

Dennoch sieht die Mehrheit der Redner bei Fresenius kaum Anlass zur Besorgnis. "Es wurde kein massiver Verlust eingefahren, Umsatz und Ertrag können sich immer noch sehen lassen", sagte etwa Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Wenn aktuell über die Ergebnisentwicklung gejammert würde, sei das Jammern auf hohem Niveau. "Nur weil der FC Bayern mal nicht das Triple holt, steigt er auch nicht in die zweite Bundesliga ab."

Auch aus Sicht von Dieter Tassler von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) war die Börse in der Vergangenheit erfolgsverwöhnt und hat nun "überreagiert". Im ersten Quartal habe die Welt bei Fresenius bereits wieder komplett anders ausgesehen, betonte Tassler. Dieses sei bereits besser als das starke Quartal des Vorjahres ausgefallen. Er sei zuversichtlich, dass Fresenius in diesem Jahr seine Ziele erreichen werde, sagte der Aktionärssprecher. Dass der Vorstand derzeit in seinen Prognosen tendenziell vorsichtig sei, sei angesichts des schwierigen Jahres 2018 verständlich. Fresenius rechnet für 2019 noch mit einem stabilen bereinigten Konzernergebnis, bevor es danach wieder aufwärts gehen soll. Im vergangenen Jahr hatte es auf knapp 1,9 Milliarden Euro zugelegt.

Bereits im Vorfeld des Aktionärstreffen war auch Kritik von Arbeitnehmervertretern laut geworden. 21 weltweite Gewerkschaften werfen dem Dax-Konzern "antigewerkschaftliche Praktiken" besonders in den USA, Peru und Südkorea vor. Die Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) etwa habe in den USA Beschäftigte am Aufbau einer Interessenvertretung gehindert. Mitarbeitern sei unter anderem mit Kündigung gedroht worden, sagte Michael Dehmlow von der Gewerkschaft Verdi auf Anfrage. In den USA gehörten die angewandten Maßnahmen zwar oft zur legalen Praxis. "Das ist aber eines deutschen Dax-Unternehmens unwürdig,", so Dehmlow.

Fresenius hat die Vorwürfe, gegen Interessensvertretungen vorzugehen, bereits zurückgewiesen. Der Konzern handle verantwortungsvoll gegenüber der Belegschaft. Meldungen über Verstöße "gegen anwendbare Arbeits- und Sozialstandards" nehme man aber ernst und gehe solchen Hinweisen nach. Mit den Gewerkschaftsorganisationen steht das Unternehmen bereits im Dialog. Ziel des Bündnisses aus Arbeitnehmervertretern ist eine globale Rahmenvereinbarung mit Fresenius, die in allen Betrieben grundlegende Rechte von Beschäftigten und Gewerkschaften garantieren soll.

Erst am Vortag hatte die Dialyse-Tochter FMC auf ihrer Hauptversammlung eine Schlappe erlitten. Nach einem millionenschweren Vergleich wegen Korruptionsermittlungen in den USA mahnten die Anteilseigner das Management ab und entlasteten den Vorstand um FMC-Chef Rice Powell mit nur knapper Mehrheit von 56,8 Prozent.

@ dpa.de