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FRANKFURT / KASSEL - Am ersten Tag der bundesweiten Warnstreikwelle im Öffentlichen Dienst hat die Gewerkschaft Verdi große Teile des Frankfurter Flughafens und des Nahverkehrs in Kassel gelähmt.

10.04.2018 - 15:10:25

Verdi legt mit Warnstreiks Flughafen und öffentlichen Nahverkehr lahm. Nach dem Auftakt am Dienstag mit rund 5500 Beteiligten sind laut Gewerkschaft noch die ganze Woche Arbeitsniederlegungen in Hessen geplant: Am Mittwoch soll es den Nahverkehr in Wiesbaden sowie das Gesundheitswesen in West- und Südhessen treffen. Kundgebungen sind in der Landeshauptstadt und in Darmstadt geplant.

mitteilte. Das Unternehmen rechnete mit einer schnellen Normalisierung der Lage nach dem für 18.00 Uhr geplanten Streikende. "Wir gehen dann davon aus, dass es noch etwa 45 bis 60 Minuten dauert, bis alle Prozessstellen wieder voll besetzt sind und dann wird es auch wieder in den Regelbetrieb übergehen", erklärte Fraport-Sprecher Alexander Zell.

Die betroffenen Fluggäste seien vorab über Umbuchungen oder andere Reisemöglichkeiten informiert worden, so dass in den Terminals relativ wenige Menschen gestrandet seien. Annulliert worden seien vor allem Deutschland- und Kontinentalverbindungen. Viele Airlines planten, ihre Interkontinentalflüge nach Streikende am Abend nachzuholen. Allein die Lufthansa strich in Frankfurt und an den ebenfalls bestreikten Airports in München, Köln und Bremen zusammen über 800 Verbindungen, wollte am Mittwoch aber wieder das gewohnte Programm abfliegen.

Unter den Streikenden in Frankfurt waren laut Fraport Beschäftigte aus den Bereichen Flugzeugabfertigung und Flughafenfeuerwehr. Die Nordwest-Landebahn musste für Stunden stillgelegt werden, weil das Personal fehlte. Auch die Flugsicherheitskontrolle sei betroffen. "Das ist auch das, wodurch wir die extremsten Einschränkungen erwarten." Frankfurt kam aber glimpflicher davon als Köln, wo der Flugbetrieb wegen fehlender Feuerwehrkräfte vorübergehend ganz eingestellt werden musste.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte auf einer Kundgebung am Frankfurter Flughafen die Ausstände. "Mit der massiven Ausweitung der Streiks setzen wir in dieser Woche deutliche Signale an die Arbeitgeber", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben zwei Verhandlungsrunden hinter uns gebracht, ohne dass irgendwas passiert ist." Zuvor hatten unter anderem die Lufthansa und der Flughafenverband ADV die Warnstreiks als unverhältnismäßig kritisiert.

Am zweiten Streikschwerpunkt Kassel kamen das öffentliche Leben teils zum Erliegen. Busse und Bahnen in der nordhessischen Stadt standen still. Es habe aber keine Behinderung im Autoverkehr aufgrund des höheren Pkw-Aufkommens gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. Die ÖPNV-Fahrgäste - 150 000 sind es an einem normalen Tag - hatten sich offenbar auf die Arbeitsniederlegung eingestellt. Überörtliche Busse und Bahnen fuhren.

Wegen der Warnstreiks blieben auch Servicestellen von Versorgungsunternehmen sowie Schwimmbäder und Recyclinghöfe geschlossen. Bestreikt wurden zudem Pflegeheime und Krankenhäuser. In den betroffenen Kliniken war laut Betreiber die Notfallversorgung gewährleistet, aber das Programm planbarer Operationen lief nur eingeschränkt. 22 Kitas der Stadt blieben geschlossen, in 13 gab es einen Notdienst. In der Verwaltung habe man den Betrieb in allen Bereichen mit Einschränkungen aufrechterhalten können, sagte ein Stadtsprecher.

Verdi und der ebenfalls beteiligte Deutsche Beamtenbund wollen mit den Warnstreiks Druck aufbauen für die möglicherweise entscheidende Tarifrunde am 15. und 16. April in Potsdam. Verdi fordert für die rund 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

@ dpa.de