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FRANKFURT - Gründer in Deutschland erleben einen ungebrochenen Geldsegen.

14.01.2020 - 14:23:37

Deutsche Start-ups erleben Boom - und sind vom Ausland abhängig. 2019 sammelten Start-ups so viel Kapital von Investoren ein wie nie zuvor und gelangten an üppige Summen für Geschäftsideen wie Mobilitätsdienste, Softwarelösungen und Finanz-Apps. Vor allem internationale Investoren steckten viel Geld in hiesige Start-ups, wie eine neue Studie der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Die Schattenseite: Deutsche Kapitalgeber spielten bei den großen Deals kaum eine Rolle. Wollen Gründer expandieren, sind sie gefährlich stark von ausländischen Geldquellen abhängig.

oder die Allianz mit ihrem Investmentableger Allianz X - alle wollen von frischen Ideen profitieren und sich als attraktiv für Fachkräfte darstellen.

Doch trotz des Hypes um Start-ups bleiben Schwächen am Standort Deutschland. So kommt nach der Gründerhochburg Berlin lange nichts. Die Start-ups in der Hauptstadt sammelten 2019 alleine rund 3,7 Milliarden Euro ein, knapp 60 Prozent aller verteilten Gelder hierzulande. Weitere gut 1,5 Milliarden entfielen auf Bayern mit dem Zentrum München, das laut EY stark aufgeholt hat. Die übrigen Bundesländer bleiben ein steiniges Pflaster für Gründer.

Und wenn diese Kapital brauchen, kommen sie zwar schnell an kleine Summen. Doch dann wird es dünn. "Hierzulande gibt es kaum Adressen, die Finanzierungen über 50 Millionen Euro anbieten", sagt Peter Barkow, Gründer des Analysehauses Barkow Consulting. Dazu zählen die Start-up-Schmiede Rocket Internet und Konzerne wie Allianz. "Die großen Tickets kommen fast immer aus dem Ausland, vor allem den USA."

"Finanzstarke und überwiegend international tätige Investoren aus den USA, Großbritannien sowie Asien sind insbesondere an sehr großen Transaktionen interessiert", erklärt EY-Partner Peter Lennartz. Das liege auch daran, dass Start-ups in Europa niedriger bewertet seien als im Silicon Valley und der Einstieg entsprechend günstiger.

Zwar seien auch deutsche Risikokapitalgeber aktiv: "Um die ersten, kleineren Runden von überwiegend deutschen Kapitalgebern finanziert zu bekommen, müssen junge Firmen von Anfang an ein Geschäftsmodell betreiben, das potenziell auch international erfolgreich sein kann. Dann gehe es mit großen Runden bei ausländischen Investoren weiter.

Trotz der Fortschritte werbe die deutsche Start-up-Szene gemessen an den USA und China nur einen Bruchteil des Risikokapitals ein, sagt Danyal Bayaz, Startup-Beauftragter der Grünen im Bundestag. "Das ist problematisch, denn es geht nicht nur um unsere Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch um unsere technologische Souveränität."

Die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Sie will die Gründerkultur mit staatlich unterstützten Wagniskapitalfonds vorantreiben. Eine neue Plattform für Gründer soll zudem Beratung und Vernetzung fördern. "Die Investorenszene für die Frühphase hat sich erfreulich gut entwickelt", meint Carsten Rudolph, Geschäftsführer der Förderagentur BayStartup in München. Die ersten ein, zwei Millionen seien kein Problem. "Schwierig wird es ab 10 Millionen Euro aufwärts, wenn es für ein Start-up darum geht, die Welt zu erobern."

Das zeigt sich auch bei den größten Deals 2019: Bei der Finanzierungsrunde von Flixmobility über rund 500 Millionen Euro stiegen die angelsächsischen Investoren TCV und Permira neu ein. Die Reiseplattform GetyourGuide erhielt 428 Millionen Euro von einem Konsortium um den japanischen Medienkonzern Softbank , Singapurs Staatsfonds Temasek und ausländischen Beteiligungsfonds. Und die Smartphone-Bank N26, in die auch die Allianz investiert hat, bekam 261 Millionen von dem Investmentfonds GIC aus Singapur und dem US-Wagniskapitalfonds Insight Venture Partners.

Die weitgehende Abwesenheit heimischer Namen liegt auch daran, dass es hierzulande an Erfolgsgeschichten mangelt, meint Barkow. Etwa Tech-Milliardäre wie Paypal-Gründer Peter Thiel, die ihren Reichtum in Start-ups investieren. "In Deutschland fehlen die Jungs mit den tiefen Taschen." So sind bei hiesigen Start-ups oft ausländische Investoren tonangebend - mit der Gefahr, dass Technologie abwandert.

Und auch wenn Start-ups später an die Börse streben, tun sie es selten in Deutschland. Aufstrebende Gründer zieht es oft nach New York, wie im Oktober das Mainzer Start-up Biontech an die Tech-Börse Nasdaq. "Deutschland hat bei Börsengängen von Start-ups einen schlechten Ruf", sagt Barkow. "Es bräuchte eins, das richtig fliegt."

@ dpa.de