Finanzierung, Investitionen

FRANKFURT - Fahrkartenautomat ade? Kostenlose Busse und Bahnen wären auch im Rhein-Main-Gebiet extrem teuer.

14.02.2018 - 16:22:24

Kritik an Idee zu kostenlosem Nahverkehr - Hanau bereit für Testlauf. Derzeit lägen die jährlichen Einnahmen durch verkaufte Tickets bei rund 900 Millionen Euro pro Jahr, sagte der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Summe, die dann durch andere Quellen finanziert werden muss." Für mehr Luftreinheit in deutschen Städten erwägt der Bund zusammen mit Ländern und Kommunen zumindest zeitweise einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), um die Zahl privater Fahrzeuge zu verringern.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nannte den Vorstoß nicht durchdacht. Der ÖPNV könne nicht kostenlos und attraktiv gleichzeitig sein. "Es wäre völlig verfehlt, das Geld komplett auszugeben, um den Fahrpreis auf Null herunter zu subventionieren und dann keine Mittel mehr zu haben, um das Angebot zu verbessern und die Infrastruktur auszubauen", sagte Al-Wazir der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn das Angebot nicht stimmt, die Busse und Bahnen zu selten fahren, nicht vertaktet sind, nicht genug Platz bieten, dann werden die Menschen ihr Auto nicht stehen lassen."

Ein solches Angebot koste Geld. "Es muss aus meiner Sicht nicht umsonst, aber bezahlbar sein", sagte der Minister. Um die Luftbelastung in den Innenstädten zu senken, müsse die Bundesregierung zuerst einmal dafür sorgen, dass Autos nicht viel mehr Schadstoffe ausstießen, als sie dürften.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Bundesregierung wolle zusammen mit Ländern und Kommunen über Modelle für einen temporären kostenlosen ÖPNV nachdenken. Die Regierung habe nach einer Aufforderung aus Brüssel in einem Brief zusätzliche Maßnahmen benannt, um die Schadstoff-Belastung in Städten zu verringern. Er verwies auf eine drohende Klage, weil Grenzwerte nicht eingehalten werden. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte, die Bundesregierung sei bereit, den "Gestaltungsspielraum" der Kommunen zu erweitern. Eine Förderung sei denkbar, falls es sinnvoll erscheine, ein vorübergehendes Gratis-Angebot beim ÖPNV zu machen.

Wie Minister Al-Wazir erklärte auch RMV-Geschäftsführer Ringat, ÖPNV könne nie wirklich kostenlos sein. Vielmehr gehe es darum, ob beispielsweise die Steuerzahler die Erlöse aus dem Fahrscheinverkauf übernähmen; dies müsse öffentlich diskutiert werden. Insgesamt koste der Betrieb der rund 1000 Busse und Bahnen im RMV jedes Jahr rund 1,7 Milliarden Euro.

Entscheidend sei, die Infrastruktur auf noch mehr Fahrgäste vorzubereiten. "Mit dem Status Quo der Infrastruktur wird ein kostenloser ÖPNV nicht zu bewältigen sein", sagte Ringat. Denn sie befinde sich auf dem Stand der späten 1970er Jahre. Das Nadelöhr sei der Frankfurter S-Bahntunnel. "Wir müssen Strecken wie beispielsweise wie die Regionaltangente West endlich realisieren. Wir müssen Trassen neu denken, wie eine Südtangente um Frankfurt."

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) erklärte, Hanau werde gerne Modellstadt für den Gratis-ÖPNV. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Fahrgeldeinnahmen der Hanauer Straßenbahn (HSB) von jährlich rund sieben Millionen Euro ebenso übernommen würden wie der Aufwand für neue Busse und Busfahrer.

@ dpa.de

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